Lexikon

apokryph

Bücher, die den biblischen Schriften nahe stehen, aber nicht zum verbindlichen Bestand der Bibel gehören. Die apokryphen Schriften Judit, Weisheit Salomos, Tobit, Jesus Sirach, Baruch, 1. und 2. Makkabäerbuch sowie Zusätze zu Ester und Daniel werden in katholischen und orthodoxen Bibeln zum Alten Testament gezählt, in lutherischen Bibelausgaben sind sie manchmal mit abgedruckt (Luther hielt die Apokryphen für gut und nützlich zu lesen). Darüber hinaus gibt es auch neutestamentliche Apokryphen, z. B. das Thomasevangelium, das eine Sammlung von Aussprüchen Jesu enthält.

Aporie

(griech.: Weglosigkeit): Denkunmöglichkeit, unlösbares Problem.

Apostel

waren die Prediger der ersten Christen. Sie erzählten die Botschaft von Jesus Christus weiter. Daher auch ihr Namen, denn griechisch apostolos bedeutet Gesandter. Ursprünglich war der Kreis der Apostel geöffnet. Zu ihm zählten neben Paulus und Petrus auch unbekannte Männer und Frauen (z. B. Junia, deren Name in Apg in den Männernamen Junias geändert wurde) und Andron. Noch am Ende des 1. Jahrhunderts gab es wandernde Apostel. Der Evangelist Lukas jedoch spricht von zwölf Aposteln (zwölf Jüngern), die von Jesus ernannt worden sind. Sie bildeten die erste Kirchenleitung.

apostolisch

Mit diesem Begriff soll ausgesagt werden, dass etwas im Sinne der Apostel ist oder von ihnen ausgeht. Mit der Bezeichnung »apostolisches Glaubensbekenntnis« will man also sagen, dass es dem Glauben der Apostel entspricht. In der katholischen Kirche bedeutet apostolisch oft auch päpstlich, weil sich der Papst als Nachfolger des Apostels Petrus sieht.

Araber

Als Araber werden heute meist arabisch-sprachige Menschen bezeichnet, die größtenteils im Nahen Osten und in Nordafrika leben. Im Zusammenhang mit dem Palästina-Konflikt wird der an sich neutrale Begriff »Araber« aber auch zur polemischen Abgrenzung eingesetzt, weil er suggeriert, dass es eine palästinensische Nation nie gegeben habe (sondern eben nur »Araber«) und es folglich auch keine »Palästinenser« geben könne. Bewusst ignoriert wird damit auch, dass es Palästinenser mit einem israelischen Pass gibt. – Ähnliches gilt umgekehrt z. B. bei der Bezeichnung Israels als »Palästina«.

Arabisch

Da die Ursprache des Korans Arabisch ist, erlangte diese Sprache durch die Ausbreitung des Islam (ab dem 7. Jh.) große Bedeutung. In der Regel wurde sie mit der Einführung des Islam als Schriftsprache übernommen. Seit dem Mittelalter entwickelten sich unterschiedliche Dialekte, unter anderem Irakisch, Syrisch und Ägyptisch. Wie auch im Hebräischen besteht die Schrift des Arabischen nur aus Konsonanten. Die Vokale werden mündlich hinzugefügt. Für die Umschrift arabischer Wörter existieren sehr unterschiedliche Schreibweisen, z. B. Hadjj/Hadsch/Hajj,  Muhammad/Mohammed usw.

Aramäisch

Das Aramäische ist als semitische Sprache eng mit dem Hebräischen verwandt; es ist seit dem 9. Jh. v. Chr. nachweisbar und war zur Zeit Jesu die Volkssprache in dem Land, in dem Jesus lebte. Hebräisch war den kultischen (religiösen) Zusammenhängen vorbehalten. 

Area 51

ist eine lange Zeit streng geheim gehaltene militärische Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des US-Militärs, die sich in einer Sperrzone in Nevada befindet. Um sie ranken sich viele Verschwörungstheorien über angebliche geheime Tests mit Außerirdischen und deren Ufos.

Arendt, Hannah

(* 1906 bei Hannover, † 1975 in New York), war eine jüdische deutsch-amerikanische politische Theoretikerin, Dozentin für Philosophie und Publizistin. Nach ihrer Emigration aus Nazi-deutschland erhielt sie 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie veröffentlichte zahlreiche philosophische und politikwissenschaftliche Werke; besonders bekannt und umstritten sind ihre Aufzeichnungen anlässlich des Prozesses gegen Eichmann 1961 (»Eichmann in Jerusalem«), an dem sie als Bericht­erstatterin teilnahm. Hier bildete sie ihre Theorie von der »Banalität des Bösen«.

Areopag

Der Areopag ist ein nach dem Kriegsgott Ares benannter, 115 m hoher Felshügel in Athen. Die älteste Ratsversammlung Athens, die hier tagte, erhielt ihren Namen von dem Ort. Der Areopag diente vermutlich zunächst als Beratungsorgan für die Könige und für hohe Beamte, später als einflussreiches Leitungs- und Gerichtsgremium. Aus der Apostelgeschichte des Lukas geht nicht eindeutig hervor, ob Paulus in seiner Areopagrede (Apg 17,16–34) nur auf dem Hügel als einer zentralen, für Reden geeigneten Stätte oder vor dem gleichnamigen Gremium spricht. Tatsächlich aber spricht Paulus vor einem Publikum, zu dem sowohl Stadtvolk als auch Philosophen gehören, deren Reaktion auf die Rede in Apg 17,32 geschildert wird.

Arhat

(sanskr.: der Würdige): Er entspricht dem Ideal des Theravada-Buddhismus. Die Theravadins sind der Überzeugung, dass jeder nur für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist, weswegen sie nicht wie im Mahayana dem Bodhisattva-Ideal folgen, sondern sich um ihr eigenes Erwachen bemühen.

Arierparagraph

Im kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 verabschiedeten »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« wurde der »Arierparagraph« erstmals ausformuliert. Er verbot die Beschäftigung von »Nichtariern« im öffentlichen Dienst, was sich vor allem gegen Beamte und Angestellte jüdischen Glaubens richtete. Durch diese Maßnahme wurden jüdische Bürger systematisch aus allen Bereichen der Gesellschaft verdrängt. Mehrere evangelische Landeskirchen übernahmen den Arierparagraphen später in ihre eigenen Kirchengesetze: »Wer nicht arischer Abstammung oder mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Geistlicher und Beamter berufen werden. Geistliche und Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen.« (§2 des Kirchengesetzes der preußischen Landeskirche vom 6.9.1933).

Aristoteles

(* 384 v. Chr., † 322) gilt neben Sokrates und Platon als bedeutendster Philosoph der griechischen Antike und als Begründer der abendländischen Wissenschaft. Er beschäftigte sich u. a. mit Fragen der Ethik, der Politik, der Logik, der Dichtung, der Naturwissenschaft sowie der Metaphysik und war Erzieher von Alexander dem Großen. In einem seiner Hauptwerke, der Nikomachischen Ethik, vertritt er die Sicht, dass das Ziel des Menschen Eudämonia, d. h. ein glückliches, gelingendes bzw. erfülltes Leben, sei (Eudämonismus). Dieses ist nach Aristoteles möglich, wenn der Mensch seiner Wesensbestimmung gemäß lebt, also als Vernunfts- und Gemeinschaftswesen. Deshalb muss er seine Verstandes­tugenden und ethischen Tugenden dauerhaft ausbilden und gebrauchen.

Armstrong, Lance

* 1971, ist ein US-amerikanischer Profirennfahrer; aufgrund von Dopingverfahren wurden ihm 2012 alle Titel seit 1998 entzogen; 2013 gab er in einem Fernsehinterview bei Oprah Winfrey erstmals den Dopingmissbrauch öffentlich zu. Bis dahin war er gegen Zeugen, die ihn des Dopings bezichtigt hatten, schonungslos juristisch und medial vorgegangen.

Artemis

ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Jagd und des Mondes und gilt als Beschützerin der Frauen und Mädchen sowie als Helferin bei der Niederkunft, trägt aber auch Züge einer Todesgöttin. Sie ist der Sage nach Tochter von Zeus und Leto und Schwester von Apollo. Ein besonderer Kultort für Artemis war Ephesus in Kleinasien.

Aschkenasim

ist im Mittelalter eine geläufige Selbstbezeichnung für zunächst vor allem im deutschen Raum beheimatete Juden (im Unterschied zu den ursprünglich in Spanien ansässigen Sepharden). Im Zuge der Kreuzzüge und der Pestpogrome flohen Überlebende nach Osteuropa und begründeten dort die Tradition des osteuropäischen Judentums mit seiner Schtetl-Kultur, der typischen Kleidung und dem Jiddischen als Sprache.

Askese

ist die Übung der Disziplinierung aller Lebens­bereiche. Einfache Kleidung, Nahrung und Behausung gehören zu den äußeren Kennzeichen. Zurückhaltung im Sprechen oder sogar im Denken gehören bisweilen auch dazu. Asketische Traditionen gibt es in vielen Religionen.

Asketen

nennt man Menschen, die streng enthaltsam leben und (oft aus religiösen Gründen) auf Essen, Trinken, Wohnung, Schlaf, Kleidung, Besitz und Geschlechtsverkehr verzichten.

Asyl

(lat. asylum: Zufluchtsort) ist ein Ort, an dem man Schutz vor Gewalt, Krieg, Terror und Verfolgung findet. Das Recht auf Asyl ist in Deutschland grundlegend von der Verfassung (Art. 16 a Grundgesetz) geschützt.

Atheismus

(griech. a-theos: nicht göttlich, gottlos): Bestreitung der Existenz Gottes bzw. eines transzendenten Wesens. Im Unterschied zum sog. praktischen Atheismus (Alltagsatheismus), der sich die Frage nach Gott im Alltag gar nicht stellt (religiöser Indifferentismus), führt der theoretische Atheismus rationale Gründe für die Leugnung einer göttlichen Instanz an. Wichtige Vertreter des neuzeitlichen Atheismus sind Ludwig Feuerbach (Gott als Projektion des Menschen; hier wird allerdings die göttliche Würde des menschlichen Wesens selbst postuliert, so dass man statt von Atheismus auch von Anthropotheismus spricht), Karl Marx (Religion als »Opium des Volkes« bewirkt, dass Menschen sich nicht gegen ungerechte Verhältnisse auflehnen), Sigmund Freud (Gottesglaube als kindliche Illusion hindert Menschen daran, mündig, frei und erwachsen zu werden), Friedrich Nietzsche (Proklamation des Todes Gottes im Namen des freien, vitalen »Übermenschen«). Als Gegenbewegung zu fundamentalistischen Bewegungen (z. B. Kreationismus) polemisieren gegenwärtig Vertreter eines »neuen Atheismus« im Namen von Wissenschaft und Humanität gegen Religion und Kirche.

Aufklärung

als Epochenbezeichnung bezieht sich vor allem auf die Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts. Gemäß dem Wahlspruch Immanuel Kants »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!« waren die Aufklärer davon überzeugt, dass mit den Mitteln der Vernunft alte Vorstellungen und Vorurteile über die Welt durch kritische Prüfung überwunden werden können und der Mensch sich so zum Positiven weiterentwickeln wird. Grundlage aller Erkenntnis sollte das sinnlich Wahrnehmbare sein, das mithilfe des Verstandes geordnet wird. Dies führte zu einem immensen Fortschritt in den Naturwissenschaften und der Technik. Damit richteten sich die Aufklärer gegen übernatürliche Erklärungen von Welt, Staat und Gesellschaft. Im Zentrum standen nun die Gleichheit und Freiheit aller Menschen und der Toleranz-Gedanke. Dieses neue Denken wurde auch auf die Religion übertragen: Gott habe zwar die Welt in Gang gesetzt und sinnvoll eingerichtet, greife aber seitdem nicht mehr in das Weltgeschehen ein (Deismus). Entsprechend wurden Wunder abgelehnt bzw. mithilfe von Naturwissenschaft und historisch-kritischer Forschung erklärt. Sinn der Religion sei es, moralisches Verhalten und Tugenden wie Nächstenliebe zu fördern.

Augsburger Bekenntnis

1530 versuchte Kaiser Karl V. auf dem Augsburger Reichstag die kirchliche Einheit wiederherzustellen. Die evangelischen Stände legten eine von Philipp Melanchthon verfasste Bekenntnis­schrift vor: die Confessio Augustana – das Augs­burger Bekennt­nis. Da sie ursprünglich nicht als bleibendes Dokument des evangelischen Glaubens gedacht war, betonte sie das Gemeinsame von lutherischer und katholischer Lehre stärker als das Trennende. Trotz vielfacher Annäherung scheiterte der Versuch der Kircheneinigung. Die Confessio Augustana wurde von nun an Grundlage der lutherischen Landeskirchen.

Augustinerorden

Augustiner werden verschiedene katholische Ordensgemeinschaften genannt, die nach der »Augustinerregel« leben. Diese entstand im 8. Jahrhundert und beruhte auf den Schriften des als Heiligen verehrten Augus­tinus. Zu den Augustinern zählen unter anderem die Augustiner-Eremiten, ein im 12. / 13. Jahr­hundert entstandener Bettelorden, dem Martin Luther angehörte.

Autonomie

(griech. autos: selbst und nomos: Gesetz, Regel): Selbstbestimmung

Avatar

Grafischer Stellvertreter einer echten Person im Internet, z. B. in einem Sozialen Netzwerk, bzw. eine digitale Kunstfigur, z. B. in einem Computerspiel. In Rollenspielen können Avatare oft individuell zusammengestellt und weiter entwickelt werden.

Baal

(Herr, Gott) ist eine altorientalische Regen- und Fruchtbarkeitsgottheit, die in Kanaan vor der Einwanderung der Israeliten verehrt wurde. Auch später war der Baalskult für die Israeliten immer wieder attraktiv, was die Propheten aufs Schärfste kritisierten. Das Symbol für Baal ist der Stier; auch in der Geschichte vom Goldenen »Kalb« spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Baalsver­ehrung.

Baalskult

Baal (Herr, Gott) ist eine altorientalische Regen- und Fruchtbarkeitsgottheit, die in Kanaan vor der Einwanderung der Israeliten verehrt wurde. Auch später war der Baalskult für die Israeliten immer wieder attraktiv, was die Propheten aufs Schärfste kritisierten. Das Symbol für Baal ist der Stier; auch in der Geschichte vom Goldenen »Kalb« spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Baalsverehrung.