Lexikon

A und O

Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. In der Bibel und in der christlichen Kunst (besonders auch auf den Ikonen der orthodoxen Kirche, wo sie oft mit dem Christusmonogramm verbunden sind) stehen sie für Anfang und Ende, also einfach für »alles«. Als Attribut Christi bedeuten die beiden Buchstaben: Christus ist Herrscher über die ganze Welt von Beginn an bis in alle Ewigkeit.

Abba

Abba ist im Aramäischen (der Sprache Jesu, einer Form des Hebräischen) eine zärtliche, liebevolle Bezeichnung für »Vater« (»Papa«).

Abendmahl

Das Abendmahl ist eines der zentralen Sakramente im Christentum. Es erinnert an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern und Jüngerinnen am Abend vor seinem Tod. Darüber, wie und wodurch Jesus Christus in diesem Sakrament gegenwärtig ist, haben die verschiedenen christlichen Kirchen unterschiedliche Meinungen. Einig sind sich aber alle darin, dass Menschen durch die sichtbaren Zeichen (Brot und Wein) und die dazu gesprochenen Worte etwas von der Gemeinschaft mit Jesus Christus spüren und daraus Kraft und Hoffnung schöpfen können. Während unterschiedliche Abendmahlsverständnisse in der Reformation zur Trennung von lutherischer und reformierter Kirche führten, einigten sich die evangelischen Christen in der »Leuenberger Konkordie« von 1973 darauf, trotz unterschiedlicher Ansichten gemeinsam Abendmahl zu feiern. Die katholische Kirche erlaubt bis heute keine Abendmahlsgemeinschaft mit den protestantischen Kirchen wegen des unterschiedlichen Verständnisses von Kirche und Amt. Aus Sicht des katholischen Lehramts sind evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen nicht gültig geweiht und können die Sakramente daher nicht gültig verwalten.

Ablass

Nach römisch-katholischer Lehre versteht man unter einem Ablass den teilweisen oder vollständigen Erlass zeitlicher Sündenstrafen durch gute Werke (Gebet, Almosen, Pilgern). Dabei setzt der Ablass das Umkehren (bzw. Buße tun) voraus. Im Mittelalter wurde der Ablass als Geldquelle für die Kirche missbraucht. Der Papst finanzierte damit seine aufwendige Hofhaltung und den Bau prunkvoller Kirchen (z. B. Peterskirche in Rom). Es wurde behauptet, dass der Ablass auch ohne persönliche Reue des Sünders wirke. Diese Praxis brachte u. a. Martin Luther dazu, sich für eine Reformation der Kirche einzusetzen.

Abraham

Abraham (arabisch Ibrahim) ist der erste und wichtigste der Erzväter Israels. Die biblischen Sagen von Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob, Lea und Rahel erinnern an eine frühe Zeit (vielleicht ca. 2000 v. Chr.), in der die Vorfahren Israels als Nomaden lebten. Das Alte Testament erzählt, dass Gott Abraham und seinen Nachkommen Segen verheißen und mit ihm einen Bund geschlossen hat. Juden, Christen und Muslime verehren ihn als Stammvater ihres Glaubens. Während für Juden und Christen Abrahams und Saras Sohn Isaak als Stammvater gilt, sehen sich Muslime als Nachkommen Ismaels (Ismails), des Sohnes von Abraham und seiner Magd Hagar (Hadschar). Ismail wurde nach islamischer Tradition während einer Reise Abrahams in der Gegend von Mekka geboren und blieb dort, wo er später zusammen mit Abraham die Kaaba erbaute. Eine der dunkelsten Geschichten der Bibel ist diejenige, in der Abraham auf Geheiß Gottes Isaak opfern soll – was Gott aber in letzter Sekunde verhindert (Gen 22); diese Geschichte wird im Islam auf Ismail bezogen; das Opferfest, der Beginn der Hadjj, erinnert an diese Erzählung.

Abt

wird der Vorsteher eines Klosters genannt. Er entscheidet in allen wichtigen organisatorischen Fragen. Darüber hinaus sorgt er auch für das geistliche Wohl der Mönche. Das Wort Abt hat hebräische Wurzeln und bedeutet »Vater«. In Frauen­klöstern heißt die Vorsteherin Äbtissin.

Abu Ghraib

(auch z. B.: Abu Ghuraib) ist der Name eines Gefängnisses im Irak, das schon zu Zeiten des ehemaligen Machthabers Sadam Hussein Ort grausamer Folter und Hinrichtungen war. Nach dem sog. 3. Golfkrieg (2003) wurde es von der US-Armee übernommen; 2004 wurden Fälle von schwerer Misshandlung und Folter durch US-Militär- und Geheimdienstmitarbeiter/innen bekannt.

Adonaj

(hebr.: Herr): Gottesbezeichnung im Alten Testament und Judentum

Agape

(griech.: Liebe) bezeichnet (im Unterschied zu sexueller und erotischer Liebe) die uneigennützige, liebevolle Hingabe an die / den Andere / n, im Sinne des Doppelgebotes der Liebe.

AIDS

(engl. Acquired Immune Deficiency Syndrome: erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom) bezeichnet eine Krankheit, die die körpereigenen Abwehrkräfte (Immunsystem) schädigt. AIDS wird hervorgerufen vom HIV (Humanes Immundefizienz-Virus, menschliches Abwehrschwäche-Virus). Wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen, kann das Immunsystem diese nicht mehr ausreichend bekämpfen. Im schlimmsten Fall ist der Körper überhaupt nicht mehr in der Lage, Krankheitserreger abzuwehren. Aids ist relativ schwer übertragbar, ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten (v.a. Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms) mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Geschlechtsverkehr weitergegeben, sehr riskant ist außerdem die gemeinsame Benutzung von Spritzen beim Drogenkonsum. Aids ist nicht heilbar, allerdings können Medikamente bei rechtzeitiger Einnahme die Vermehrung von HIV im Körper verhindern und die Lebenserwartung erheblich steigern.

Akronym

nennt man ein aus den Anfangsbuchstaben oder -silben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort.

Aleviten

Diese freiheitliche Richtung des Islam lehnt die Scharia (also die rechtlichen Regelungen für die Umma) sowie die Fünf Säulen des Islam ab. Aleviten betrachten den Schöpfergott sowie seine Schöpfung (Menschen, Tiere, Natur) als eine Einheit. Nächstenliebe, Geduld und Bescheidenheit sind für sie dabei zentrale Werte. Ihre Angehörigen unterstützten die Gründung der modernen Türkei unter Kemal Atatürk, setzten sich für die Trennung von Staat und Religion sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein.

Allah

Das Wort Allah (Betonung auf der zweiten Silbe) bedeutet Gott, ist also kein Eigenname! Verwenden Muslime das Wort Allah, dann fügen sie sofort hinzu: »ta’âlâ«, das heißt wörtlich: »Er ist erhaben«.

Alltagsethik

kann zum einen Entscheidungen bezeichnen, die weitgehend unbewusst und ohne vorherige Abwägung, also mehr oder weniger automatisch getroffen werden. Hierfür sind vorgeprägte Verhaltensmuster, die von Erziehung, persönlichen Erfahrungen, gesellschaftlichem Kontext, Rollenerwartungen etc. beeinflusst werden, ausschlaggebend. Zum anderen kann sich der Begriff auch stärker auf den Kontext »Alltag« beziehen, also auf ethisches Handeln in eher alltäglichen Situationen. Bei diesem Verständnis ist keine klare Abgrenzung zur Entscheidungsethik möglich.

Almosen

leitet sich vom griechischen Wort für »Mitleid«, »Erbarmen«, »Wohltat« her und bezeichnet meist eine Gabe an Bedürftige. Sich um Arme und Notleidende zu kümmern, war zur Zeit der ersten christlichen Gemeinden eine Aufgabe der Familie, die sich aus der Gerechtigkeit Gottes ableitete. Da sich diese Gemeinden als Familie verstanden, unterstützten die Mitglieder einander, damit keiner Not leider musste. Auch heute gehört das Unterstützen von Menschen, die bedürftig sind, zum christlichen Verständnis der Nächstenliebe. Im Islam ist das Almosengeben eine der Fünf Säulen des Islam.

Altkatholiken

Die altkatholische Kirche entstand 1872 in Abgrenzung von »neuen« Lehren der römisch-katholischen Kirche, wie z. B. der (1870) beschlossenen Unfehlbarkeit des Papstes. Sie beruft sich auf die Heilige Schrift sowie auf ursprünglichere Traditionen der katholischen Kirche. So erlaubt sie z. B. die Priesterehe. In Deutschland gibt es ca. 60 altkatholische Pfarreien mit ca. 16.000 Mitgliedern.

Altprotestantische Orthodoxie

ist die Bezeichnung für eine Ausprägung des evangelischen Glaubens nach Luthers Tod, der es um den Aufbau eines unumstößlichen, rational-objektiven Lehrgebäudes als Abwehr der katholischen Gegenreformation ging. Dieser Glaubensform wurde später oft der Vorwurf eines engstirnigen, erstarrten und autoritären Dogmatismus gemacht, der dem Geist Luthers völlig entgegenstehe. Um beispielsweise Luthers Lehre von der unhintergehbaren Vorrangstellung der Bibel gegenüber der Autorität der kirchlichen Tradition aufrechtzuerhalten, entwickelt die altprotestantische Orthodoxie in ihrem Zentrum die Lehre von der Verbalinspiration, wonach jedes Wort der Bibel göttlich inspiriert und den biblischen Autoren direkt von Gott diktiert worden sei. Deshalb könne die Bibel als widerspruchsfrei und vollkommen angesehen werden. Luther hatte demgegenüber auch von dunklen Stellen in der Bibel gesprochen und von der Mitte der Schrift als Auslegungskriterium. Das Lehrgebäude der altprotestantische Orthodoxie, allem voran die Vorstellung einer Verbalinspiration, wurde spätestens mit dem Einsetzen der Aufklärung und den Erkenntnissen der historisch-kritischen Forschung fraglich, weshalb es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Lager kam, als deren Höhepunkt der sog. Fragmentenstreit angesehen werden kann. 

Alzheimer-Krankheit

– benannt nach dem Neurologen A. Alzheimer (* 1865, † 1915) – ist eine eher im höheren Lebensalter auftretende Er­kran­kung der Großhirnrinde, bei der die Funktion von Nervenzellen unwiederbringlich zerstört wird. Folge davon ist Demenz, die sich z. B. als hochgradige Vergesslichkeit äußert. Die Ursache ist im Wesentlichen unklar, man geht aber von einer genetischen Anlage aus, durch die ein natürlicher Stoffwechselvorgang, der Ablagerungen im Gehirn produziert, beschleunigt stattfindet.

Amenope

oder Amenemope, Sohn des Kanakht, war möglicherweise ein hoher ägyptischer Verwaltungsbeamter. Allerdings könnte es sich auch um einen erfundenen Decknamen handeln, da der Name in einem älteren Schriftwerk verwendet wird und es an sich unüblich war, die tatsächlichen Verfasser zu nennen. Die Datierung des weisheitlichen Lehrbuchs ist umstritten.

Ammoniter

waren ein Volk, das im Osten Israels lebte. Sie befanden sich häufig mit den Israeliten im Krieg. König David konnte die Ammoniter während seiner Herrschaftszeit unterwerfen.

Amos

stammte aus Tekoa in Juda und wirkte unter Jerobeam II. (787–747) im Nordreich Israel. In seinen Prophetensprüchen klagt er besonders die soziale Ungerechtigkeit und den heuchlerischen Gottesdienst der Israeliten an und verkündet Gottes Strafgericht. Seine Sprüche stehen – mehrfach überarbeitet und aktualisiert – im Buch Amos, einem der zwölf »kleinen« Prophetenbücher des Alten Testaments.

Anatman

(sanskr.: ohne [ewige] Seele): Der Buddha hat der Lehre der hinduistischen Schriften widersprochen, nach der eine ewige, alle Tode überdauernde Seele (Atman) von Wiedergeburt zu Wiedergeburt wandert. »An« ist das verneinende Präfix vor dem Begriff Atman. Später ersetzte Buddha das Wort, das streng übersetzt »seelenlos« heißt, durch den Begriff »leer« (keine Seele darin), was die gleiche Bedeutung hat, aber weniger anstößig ist. Der Buddhismus leugnet dabei also die Existenz einer unabhängigen und dauerhaften Seele, nicht aber die Existenz des je und je empirisch erfahrbaren »Ich«.

Anglikaner

sind Mitglieder der Anglikanischen Kirche. Diese geht auf die alten keltischen und sächsischen Kirchen auf den Britischen Inseln zurück. Als 1529 zwischen dem englischen König Heinrich VIII. und dem Papst in Rom Streitigkeiten über die Rechtmäßigkeit der königlichen Ehen aufkamen (der Papst verweigerte Heinrich VIII. eine Ehescheidung), erklärten die Bischöfe Englands, dass sie in Heinrich und nicht im Papst das Oberhaupt der englischen Kirche sähen, womit sich die englische Kirche von Rom lossagte. In der anglikanischen Lehre gibt es ein weites Spektrum zwischen der »High Church«, die in Liturgie und Lehre den anderen katholischen Kirchen nahe steht, und der »Low Church«, die dem Protestantismus, insbesondere dem Calvinismus nahesteht. Theologisch sind innerhalb der anglikanischen Kirche sehr liberale wie auch streng konservative Richtungen vertreten.

anglikanisch

Die anglikanische Kirche entstand 1534 als englische Staatskirche, als sich König Heinrich VIII. von Rom lossagte, nachdem ihm der Papst die Ehescheidung verweigert hatte. Die anglikanische Kirche vereinigt verschiedene Richtungen, die teils der katholischen Kirche, teils dem Protestantismus nahe stehen.

Antike

(von lat. antiquus: alt, altertümlich) bezeichnet eine wichtige Epoche des Altertums im Mittelmeerraum. Sie reichte etwa von 1200 v. Chr. (bei engerer Eingrenzung von 800 v. Chr.) bis ca. 600 n. Chr. In dieser Zeit herrschte zunächst die griechische und später die römische Kultur vor, die zusammen mit dem Christentum Europa (also das damalige Abendland) stark beeinflusst und mitgeprägt hat.

Antisemitismus

ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen der Judenfeindschaft. Im engeren Sinne bezeichnet er die pseudowissenschaftliche, biologistische Rassentheorie aus dem 19. und 20. Jh., wonach Juden ihrem »Blut« nach (sozusagen »genetisch«) »minderwertig« seien. Dieser rassistische Antisemitismus konnte auf lange Traditionen eines christlichen Antijudaismus zurückgreifen. Allerdings entstammen die polemisch-abwertenden Stellen im Neuen Testament ursprünglich der lebendigen Auseinandersetzung innerhalb des Judentums (Jesus und Paulus waren ja Juden) und wurden in einer Zeit verschriftlicht, als die Christengemeinde selbst noch verfolgte Minderheit war. Nach der wurden diese judenfeindlichen Stellen zum todbringenden Argument gegen die Juden: »Gottesmörder«. Heute herrschen in Deutschland oft eher unterschwellige oder geschickt versteckte Formen des Antisemitismus vor; bei genauerer Wahrnehmung lassen sich aber auch hier manche der typischen Klischees, Denkmuster und Stereotypen der Vergangenheit wiedererkennen.

Apokalypse

(griech. apokalyptein: enthüllen, offenbaren) bzw. Offenbarung des Johannes heißt das letzte Buch der Bibel, entstanden zwischen 90 und 138 n. Chr. Der Verfasser will nach eigenen Angaben den kleinasiatischen Christengemeinden während einer Christenverfolgung von der Insel Patmos aus Mut machen, indem er in gewaltigen Bildern und Visionen schildert, wie Christus – nach einer Zeit schwerer Kämpfe und Leiden – wiederkommt, die feindlichen Mächte besiegt und ein Friedensreich errichtet. Apokalyptische Literatur mit Visionen vom Ende der Geschichte und von den Schrecken und Grausamkeiten, die diesem vorausgehen, gibt es seit ca. der Mitte des 2. Jh.s v. Chr. auch schon in der jüdischen Tradition, z. B. die Bücher Daniel und Henoch.

apokalyptisch

bedeutet im engeren Sinn: auf die Apokalypse des Johannes bezogen. Allgemein beschreibt der Begriff auch ein (katastrophales) Weltende und wird daher auch in Bezug auf besonders verheerende Katastrophen verwendet.