Lexikon

Rabbi

Jüdischer Schriftgelehrter, der die Tora studiert hat und diese seinen Schülern erklärt. Daraus wurde später der Rabbiner, der Geistliche in der jüdischen Gemeinde. In manchen Gemeinden gibt es auch Rabbinerinnen. Dass Jesus von seinen Jüngern und Jüngerinnen »Rabbi« genannt wird, zeigt, dass sie ihn als ihren Lehrer und Meister verehren, der ihnen die Schriften auslegt und Gottes Willen erklärt.

Ramadan

(arab. Id al-Fitr) heißt der neunte Monat des islamischen Kalenders. Er ist der Fastenmonat der Muslime (ausgenommen vom Fasten sind Kinder, Reisende, Alte, Kranke und Schwangere), dauert 29 oder 30 Tage und endet mit dem Fest des Fastenbrechens, welches auch als »Zuckerfest« bekannt ist.

Rasse

Der Begriff Rasse stammt aus der Biologie, wird dort aber kaum noch verwendet, da die Unterteilung von Arten in Unterarten selbst bei Tieren kaum sinnvoll gelingt. Er wird deshalb meist nur noch für die Zucht von Haustieren und Kulturpflanzen verwendet. Der Versuch, mit Hilfe des Begriffs Menschen einzuteilen, wird aus wissenschaftlicher Sicht als völlig ungeeignet angesehen, da alle heute lebenden Menschen biologisch als eine einzige Art zu betrachten sind und die genetische Vielfalt der Menschen der Vorstellung von menschlichen Unterarten widerspricht: Die durchschnittlichen genetischen Unterschiede zwischen den z. B. mithilfe von (angeblichen) Hautfarben oder Gesichts-Merkmalen unterschiedenen Gruppen sind geringer als die zwischen den Individuen innerhalb der so zusammengefassten Gruppe. Dies macht deutlich, wie willkürlich und sinnlos solche Einteilungen sind. Die Menschheit war schon immer auch über die Grenzen der Kontinente hinweg genetisch miteinander verbunden. Heute weiß man vielmehr, dass sich gerade Merkmale der Körperoberfläche, wie die Pigmentierung der Haut, in relativ kurzer Zeit unter den jeweiligen Umweltbedingungen herausgebildet haben.

Rawls, John

(* 1921, † 2002), US-amerikanischer Philosoph, der vor allem durch seine Gerechtigkeitstheorie bekannt wurde (»Theory of justice«, 1971). Darin entwirft er eine auf vernünftigem Diskurs beruhende sozialpolitische Grundordnung, die auf dem Wert der Gleichheit (Gerechtigkeit als Fairness) beruht. Vorrang hat das Prinzip gleicher Grundfreiheiten für alle; sofern soziale oder wirtschaftliche Ungleichheiten gegeben sind, sind sie so zu gestalten, dass sie allen Vorteile bringen und die betreffenden Ämter allen offen stehen.

Rechtfertigungslehre bzw. besser Rechtfertigungsglaube

Die reformatorische Grundeinsicht Luthers, dass unser Heil nicht von guten Werken abhängt, sondern alleine von unserem Glauben an Jesus Christus, der uns aus Gnade gerecht spricht, wird Rechtfertigungsglaube genannt. Der Mensch kann also nicht aus sich selbst heraus Gott »recht« werden: Er wird vielmehr ohne Vorbedingungen als Gotteskind angesehen. Weil die Menschen dadurch nicht mehr um ihr Seelenheil Angst haben müssen, können sie sich anderen zuwenden und etwas von ihrer Freude und Dankbarkeit weitergeben.

Reden von Gott

Philosophen und Theologen haben sich immer wieder mit der Möglichkeit bzw. der Unmöglichkeit des Redens von Gott / dem Göttlichen auseinandergesetzt, das ja schon aus sprachlogischen Gründen Schwierigkeiten bereitet: Wie soll man in (begrenzter) menschlicher Sprache vom Unendlichen, Unbegrenzten reden? Macht nicht das Reden »von Gott« den, der Subjekt all unseres Handelns und Redens ist, zum Objekt? Am radikalsten hat Karl Barth  das Dilemma beschrieben, von Gott (als dem ganz Anderen) zwar nicht reden zu können, aber es doch (als Theologie, als Mensch, der sich über seinen Glauben verständigt) zu müssen. Die theologische Tradition hat dazu sprachliche »Hilfskonstruktionen« herausgebildet. Von Gott wird z. B. »wie von einem Menschen« erzählt (anthropomorphe Redeweise); es wird mit Sprachformen der Analogie (»Gott als Vater«), der Überhöhung (Gott ist allmächtig) oder der Verneinung (Gott ist unsichtbar) gearbeitet; es wird von Erfahrungen mit Gott erzählt oder es wird mit Symbolen oder ästhetischen Ausdrucksformen gearbeitet. Dies alles geschieht nach biblisch-christlicher Überzeugung in dem Wissen, Gott sprachlich und bildlich nicht fassen zu können; möglich ist das Reden »von Gott« nur als »Antwort«, weil Gott selbst zuerst geredet und den Menschen angesprochen hat.

Reformation

(lat.: Erneuerung, Wiederherstellung) bezeichnet eine religiöse Bewegung des 16. Jahrhunderts und ist wesentlich mit Martin Luther (1483–1546) verbunden. Er veröffentlichte am 31. Oktober 1517 in Wittenberg 95 Thesen zu den Missständen in der damaligen Kirche. In der Folge kam es zur Kirchenspaltung und Entstehung der evangelischen Kirche. Nachdem die Bibel bisher in den Gottesdiensten immer nur in Latein vorgelesen wurde, übersetzte Luther die Bibel ins Deutsche, weil er sie für alle Menschen verständlich machen wollte.

reformatorische Grundeinsichten Luthers

Zu Luthers reformatorischen Grundeinsichten gehören zum einen die vier sog. Exklusivpartikel. Sie fassen mit dem vierfachen Sola das zusammen, wovon das Heil eines Christen bzw. einer Christin seines Erachtens abhängt: Allein aufgrund des Glaubens (sola fide) wird es ihm von Gott allein durch Christus (solo christo häufig auch: solus christus) aus reiner Gnade (sola gratia) geschenkt. An die Stelle der Lehrautorität durch Päpste oder Bischöfe tritt allein die Heilige Schrift (sola scriptura). Luther will damit ausdrücken, dass das Heil nicht von guten Werken abhängt, sondern der Glaubende es von Gott ohne Gegenleistung erhält. Aus den Exklusivpartikeln folgt eine weitere zentrale Erkenntnis Luthers: das sog. Priestertum aller Gläubigen. Damit ist gemeint, dass alle, die glauben, einen direkten Zugang zu Gott haben und dafür keine Hilfe durch einen Geistlichen benötigen. Ebenso hält er es für die Aufgabe eines jeden Getauften, das Evangelium zu verkündigen und zu lehren.

reformatorische Hauptschriften

Im Jahr 1520 veröffentlichte Martin Luther seine drei berühmten reformatorischen Schriften. Mit »De captivitate Babylonica ecclesiae« (Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche) beschränkt Martin Luther die Zahl der Sakramente auf drei (später zwei). Damit stellt er sich gegen die Lehre der sieben Sakramente, an der die römisch-katholische Kirche ihre Heilsbedeutung für die Menschen deutlich macht. In »An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung« entfaltet Martin Luther das Priestertum aller Gläubigen und vollzieht somit seinen endgültigen Bruch mit dem Papst. Luthers heute wohl meistgelesene Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen« beschäftigt sich mit der scheinbar widersprüchlichen Existenz des »Christenmenschen«: Indem sich der Mensch ganz auf Gott verlässt, ist er von allen Zwängen der Welt frei. Da der Mensch die Liebe, die er selbst von Gott erfährt, anderen weitergeben möchte, bindet er sich aber freiwillig im Dienst an seinen Mitmenschen.

reformierte Kirche

Die reformierte Kirche ist eine der großen christlichen Konfessionen in reformatorischer Tradition. Als ihre »Gründungsväter« gelten die beiden Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin: Beide setzten auf eine radikale Erneuerung der Kirche. Sie gaben den traditionellen Ablauf der Messe auf und feierten an normalen Sonntagen »reine« Wortgottesdienste, in deren Mittelpunkt die Predigt steht. Zudem setzten sie auf nüchterne Sachlichkeit der Kirchen, damit nichts vom Wort Gottes ablenkt. Reformierte Kirchen gibt es auf allen Kontinenten. Die Zahl der Christinnen und Christen  mit reformiertem Bekenntnis wird auf über 80 Millionen geschätzt.

Reich Gottes oder Herrschaft Gottes

bezeichnet die Frage nach Gottes Gegenwart und Wirken in der Welt: Wird Gott erst noch herrschen oder herrscht Gott schon? Führt Gott seine Herrschaft selbst herauf oder müssen Menschen sie durchsetzen? Wirkt Gott überhaupt wie ein König oder doch eher wie ein Vater oder ein Freund? Diese und ähnliche Fragen haben Menschen immer wieder beschäftigt, denn eigentlich geht es in ihnen um den Sinn und das Ziel unseres Lebens. Jesus stellte die Verkündigung der angebrochenen Herrschaft Gottes in den Mittelpunkt seiner Botschaft.

Reichsacht

Die Reichsacht war eine vom König oder vom Kaiser unter Mitwirkung der Reichsgerichte und der Kurfürsten verhängte Ächtung im gesamten Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Täter wurde durch sie rechtlos, jeder konnte ihn töten.

Reichsstände

Wer Sitz und Stimme im Reichstag besaß, gehörte zu den Reichsständen. Dies waren zur Zeit Martin Luthers mehr als 300 geistliche und weltliche Fürsten sowie freie Reichs­städte, Grafen und Ritterorden. Der Kaiser konnte die Reichsstandschaft auch solchen Per­sonen verleihen, die über kein Territorium verfügten.

Reichstag

Auf dem Reichstag traten die Reichsstände zusammen und berieten unter Anwesenheit des Kaisers über anstehende Themen. Bis zum 16. Jahrhundert wurde er in unregelmäßigen Abständen jeweils in einer Bischofs- oder Reichsstadt einberufen und war das maßgebliche Gegengewicht der Stände gegenüber der kaiserlichen Zentralgewalt.

Reichstag zu Worms

1521 fand in Worms ein von Kaiser Karl V. einberufener Reichstag statt, in dessen Rahmen Martin Luther vorgeladen und verhört wurde. Dieser war zuvor wegen seiner Lehren vom Papst exkommuniziert (d. h. von der Kirche und ihren Sakramenten ausgeschlossen) worden. Vor dem Reichstag sollte M. Luther seine Lehre widerrufen, weigerte sich aber, da seine Ansichten nicht aus der Bibel widerlegt worden seien. Daraufhin wurde über M. Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängt und seine Schriften wurden verboten.

Reimarus, Hermann Samuel

(*1694, †1768) war ein sehr geachteter Hamburger Gymnasialprofessor für orientalische Sprachen. Als Deist vertrat er die Sicht einer sog. natürlichen Religion, deren Zentrum die Vorstellung einer unsterblichen Seele, einer vernünftigen Moral und einer naturwissenschaftlich haltbaren Gottesvorstellung bildete. Während manche seiner Publikationen unter den Augen der Zensur eine nur moderate Kritik am zeitgenössischen Christentum enthielten, arbeitete er für einen Kreis Gleichgesinnter eine Schrift aus, die eine Radikalkritik der Bibel als Offenbarungsquelle enthielt und schließlich von Lessing 1774–1778 in drei Teilen als »Fragmente eines Ungenannten« herausgegeben wurden. Dies führte zum sog. Fragmentenstreit. Reimarus gab mit dieser Schrift der historisch-kritischen Forschung (S. 134 f) wichtige Impulse.

Reinheitsvorschriften

Das Gebot der Reinheit im Judentum hat nichts mit (hygienischer) Sauberkeit zu tun, sondern bezieht sich darauf, dass der Zustand eines Menschen so sein soll, dass er Gott nahe kommen kann. In der Antike galt dies vor allem für die Teilnahme am Gottesdienst im Tempel; doch bis heute prägt die Unterscheidung von Rein und Unrein, die sich auf bestimmte Dinge, Handlungen oder Zustände beziehen kann, den Alltag gesetzestreuer Jüdinnen und Juden. Kein Bereich ist unwichtig, das ganze Leben soll heilig sein und Gottes Willen entsprechen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Speisegesetze (koscher). Die Reinheitsvorschriften sind in der Halacha niedergelegt.

Relativismus

Es wird davon ausgegangen, dass letztlich alle Religionen – trotz anderslautender Aussagen auf der »Oberfläche« – in einem »tieferen« Sinn gleich bzw. gleichwertig sind. Sie konkurrieren somit nicht miteinander um den Anspruch auf Wahrheit oder auf den exklusiven Zugang zum Heil. Dies macht es auch denkbar, nur Teilaspekte einzelner Religionen für sich zu adaptieren und ggf. auch zu kombinieren. Von Vertretern einer  exklusivistischen Position wird der Begriff »Relativismus« meist in einem abwertenden Sinn für alle Modelle verwendet, die die Möglichkeit einräumen, dass nicht nur eine Religion allein die Wahrheit erkannt hat und damit alle anderen nicht. Der Relativismus ist vom Anspruch her eine gegenüber anderen Wahrheitsansprüchen tolerante Auffassung; gleichzeitig muss er sich die Frage gefallen lassen, wie tolerant er selbst ist gegenüber der Überzeugung, dass eben nicht alle Wahrheitsansprüche relativ sind.

Religion, ägyptische

Die alten Ägypter glaubten an eine Vielzahl von Göttern. Im Zentrum der ägyptischen Religion stand der Glaube an ein Totengericht und ein Leben im Jenseits. Davon zeugen gewaltige Grabanlagen (Pyramiden) mit kostbaren Grabbeigaben, die Mumifizierung der Toten sowie die Totenbücher. Der König Pharao wurde sowohl als sterblicher Mensch als auch als Gott auf Erden angesehen. Er hatte die göttliche Schöpfungsordnung (Maat) zu bewahren.

Religionskritik

wird oft synonym mit Atheismus verwendet, verneint aber noch umfassender nicht nur die Existenz eines göttlichen Wesens, sondern die Sinnhaftigkeit von religiösen Überzeugungen und religiöser Praxis. Daneben gibt es auch eine Form der Religionskritik, die von gläubigen Menschen vorgebracht wird (wie z. B. von Karl Barth) und z. B. eine stabilisierende Funktion von Religion kritisiert oder religiöse Bemühungen, mit denen sich der Mensch Gott zu Willen machen will.

Reliquien

Die Überreste (lat.: reliquiae) des Körpers oder auch der Kleidung und anderer Gegenstände eines Verstorbenen, die von Gläubigen verehrt werden, weil sie damit sein Gedenken bewahren und zudem hoffen, an seinen Wirkkräften Anteil und seinen Segen zu erhalten.

Rilke, Rainer Maria

(*1875 in Österreich-Ungarn, † 1926 in der Schweiz) ist einer der maßgeblichen Dichter der literarischen Moderne. Bekannt sind v. a. seine Gedichte, Erzählungen und Briefwechsel.

Ringparabel

nennt man die Parabel im Zentrum der Schlüsselszene siebter Auftritt des dritten Aktes in »Nathan der Weise«. Sie erzählt davon, dass ein Vater von einem wertvollen Ring, der über Generationen vom Vater dem geliebtesten Sohn vererbt wurde, zwei nicht unterscheidbare Kopien anfertigen ließ, weil er sich nicht entschließen konnte, welchem seiner drei Söhne er das wertvolle Stück vermachen sollte. Letztere geraten nach dem Tod des Vaters in einen Streit darüber, welcher Ring nun der echte sei, bis ein weiser Richter ihnen den Rat gibt: Jeder möge seinen Ring für den echten halten; welcher das Original sei, könne nicht im theoretischen Streit entschieden werden, sondern dies zeige sich darin, welcher Sohn sich des wertvollen Schmucks durch seine Haltung und Taten als würdig erweise.

Ritual

(lat.) bedeutet ganz allgemein, dass eine bestimmte Handlung immer wieder nach einem gleichen Muster wiederholt wird. Religiöse Rituale sind z. B. Gottesdienste oder Feiern; sie sind durch wiederkehrende Elemente, Gesten und Symbole charakterisiert; aber auch im Alltag gibt es Rituale, z. B. bei Begrüßungen und Abschieden, bei Sportwettkämpfen, beim Übertritt in eine neue Lebensphase etc. Es beinhaltet meist bestimmte Wortformeln und Gesten.

Römerbrief

Den Brief an die (ihm persönlich nicht bekannte) Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen in Rom schrieb Paulus vermutlich vor seiner letzten Reise nach Jerusalem. Von all den Paulusbriefen hat dieser die protestantische Theologie wegen der darin behandelten zentralen Glaubensthemen besonders geprägt. Luther gewann in Auseinandersetzung mit dem Römerbrief seine Einsicht über die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben; ferner denkt Paulus hier z. B. über Taufe und neues Leben nach (Röm 6), über die Freiheit der Kinder Gottes und das Leben im Geist (7 f.), über das Verhältnis von Juden und Christen (9–11) und über das Verhältnis der Christen zur staatlichen Obrigkeit (13).

römisch-katholische Kirche

Die katholische Kirche wird nach dem Sitz des Papstes, ihres Oberhauptes in Rom, auch römisch-katholische oder römische Kirche genannt. Nach katholischer Lehre ist sie durch vier Merkmale als die wahre Kirche Christi gekennzeichnet: Sie ist einig durch die monarchische Leitung des Papstes. Sie ist heilig, weil sie durch die von Christus eingesetzten Sakramente die Menschen heiligt und zu Gott führt. Sie ist katholisch, das heißt allgemein, für alle Zeiten und für alle Völker bestimmt. Sie ist apostolisch, weil der Papst und die Bischöfe Nachfolger der Apostel sind. Ihr gehören weltweit etwa 1,13 Milliarden Mitglieder an.

Rosch ha-Schana

(hebr.: Haupt des Jahres) ist das jüdische Neujahrsfest, das zwei Tage lang gefeiert wird, und eines der höchsten Feste im Judentum ist. Es wird auch »Tag der Erinnerung« genannt, da man sich an den Bund zwischen Gott und Israel erinnern soll, der für die Israeliten eine hohe Verpflichtung darstellt. Die zehn Tage bis zum Jom Kippur sollen dazu dienen, in sich zu gehen, sich vom Bösen abzuwenden und gut zu handeln. Ebenso ist vom »Tag des Posaunenschalls« die Rede, da das bewusste Hören auf den Ton des Schofars eine wichtige Rolle spielt, indem es als äußeres Instrument den Menschen an seine moralischen Pflichten erinnert. Wie am Jom Kippur wünscht man sich: »Mögest du (im Buch des Lebens) für ein glückliches Jahr eingeschrieben sein.« Der Silvestergruß »Guter Rutsch« leitet sich möglicherweise vom Namen des Festes ab.

Roth, Gerhard

(*1942), Biologe und Hirnforscher, lehrte an der Uni Bremen; seine Forschungsergebnisse sind v. a. wegen seiner Aussagen zu Determinismus und Willensfreiheit bekannt und umstritten.