Lexikon

Palästina

Aus geografischer Sicht bezeichnet der Begriff in etwa die Region zwischen Mittelmeer und Jordan bzw. Totem Meer. Diese gehörte in alttestamentlicher Zeit zum Königreich Israel (David). Historisch entstanden ist der Begriff »Palästina« nach der Niederschlagung des letzten jüdischen Aufstands 135 n. Chr. Der siegreiche römische Kaiser Hadrian benannte die Provinz Judäa in Palästina um (ein Name, der ursprünglich »Philisterland« bedeutet). Heute befinden sich in der Region Palästina sowohl der Staat Israel als auch die seit 1967 von Israel besetzten Gebiete (Ostjerusalem, Westjordanland, Gazastreifen). Es ist umstritten, ob man das Land, in dem Jesus lebte, »Palästina« oder »Israel« nennt.

Pali

ist die Sprache der ältesten Schriften des Buddhismus. Das Wort Pali bedeutet Text, was darauf hinweist, dass Pali keine Sprache ist, die ursprünglich gesprochen wurde, sondern im Laufe der Zeit als reine Schriftsprache entstanden ist: Buddha selbst hat wahrscheinlich den Dialekt seiner Heimat gesprochen. Dieser ist zusammen mit vielen anderen Dialekten von denjenigen, die den Pali-Kanon über Jahrhunderte überliefert haben, in die Sprache des Kanons eingeflossen. Pali ist also eine Mischsprache. Sie ist mit dem Sanskrit verwandt.

Pali-Kanon

Er enthält die ältesten überlieferten Lehrreden des Buddha sowie die Ordensregeln in der Form, in der sie nach langer mündlicher Überlieferung im 1. Jh. vor Christus niedergeschrieben wurden. Die Kanonisierung, also Auswahl und Ordnung der heiligen Texte, begann aber bereits kurz nach Buddhas Tod, als sich etliche der Anhänger Buddhas in einer Höhle trafen, um die ihnen bekannten Texte gemeinsam zu rezitieren und zu memorieren. Durch die lange Zeit des Memorierens hat der Text einen eigentümlichen Sprachstil erhalten, der das Auswendiglernen erleichtert.

Pantheismus

(griech. pan theos: alles Gott) bezeichnet die Überzeugung, dass das Göttliche eins ist mit der Welt, dass es in allen Dingen, z. B. in der Natur oder auch im Prozess der Evolution wirksam und präsent ist.

Pantokrator

(griech.: der Allesbeherrscher): eine Art der Christusdarstellung, wie man sie besonders in der byzantinischen Kunst und in griechisch- und russisch-orthodoxen Kirchen findet: In der Apsis (meist von einer Halbkuppel überdeckter Raumteil einer Kirche) oder der Ikonostase (mit Ikonen geschmückte Wand zwischen Altarraum und Kirchenschiff) ist Christus als göttlicher Weltenherrscher dargestellt, den Blick auf den Betrachter gerichtet, mit segnender Geste.

Paradies

In vielen Religionen stellt das Paradies einen Ort des Glückes (Glückseligkeit) dar, an dem sich die Menschen entweder am Anfang der Zeit befunden haben oder am Ende der Zeit befinden werden. Wenn der Garten Eden in Gen 2 als Paradies (hebr. eden: Wonne) bezeichnet wird, meint man das verlorene Paradies. Die Bezeichnung kann aber ebenso Gottes neue Welt meinen, in der die Menschen ewiges Glück, Ruhe und Frieden, also umfassendes Heil finden werden. – Es gibt daneben auch eine nicht religiöse Verwendung, welche die mit dem Wort Paradies verbundenen positiven Vorstellungen nutzt, z. B. wenn vom »Urlaubsparadies« die Rede ist.

Paramente

Textilien, die der Gestaltung von Gottesdiensträumen und dem Gebrauch im Gottesdienst dienen, werden Paramente genannt. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern pare: bereiten und mensa: Tisch. Dazu gehören vor allem die Altar- und Kanzelbehänge, auch Antependien (lat.: ante: vor/vorn; pendere: hängen) genannt. Sie unterstreichen durch unterschiedliche Farben und Gestaltung die Zeiten und Feste im Kirchenjahr.

Parlament der Weltreligionen

ist die Selbstbezeichnung eines Kongresses mit Vertretern verschiedenster Religionsgemeinschaften. Anlässlich der Kolumbus-Weltausstellung in Chicago 1893 traf sich dieser zum ersten Mal, um über Verständnis und gegenseitige Toleranz der Religionen nachzudenken. Das zweite Parlament fand 100 Jahre später am gleichen Ort statt. Es wurde die maßgeblich von Hans  Küng ausgearbeitete »Erklärung zum Weltethos« beraten und schließlich von der Mehrheit der Delegierten unterzeichnet. Darin wird eine Art Grundkonsens der verschiedenen Religionen in Bezug auf einen friedlichen Umgang miteinander und die gemeinsame globale ökologische wie soziale Verantwortung festgehalten. Das Parlament der Weltreligionen tagt seitdem regelmäßig in Abständen von zwei bis fünf Jahren an verschiedenen Orten.

Passion

(von lat. passio: Leiden) bezeichnet in christlichen Zusammenhängen den Leidens- und Sterbensweg Jesu in Jerusalem. Die entsprechenden Berichte der Evangelien nennt man die Passionsgeschichten. Ihre musikalischen Vertonungen (z. B. von Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach) werden ebenfalls Passion genannt. In der Alltagssprache kann das Wort auch »Leidenschaft« oder »starke Vorliebe« bedeuten.

Passionszeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Die Zahl 40 hat dabei symbolischen Charakter. Viele Menschen nehmen sich während dieser sieben Wochen vor Ostern Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet und/oder verzichten freiwillig auf Gewohnheiten wie Süßigkeiten, Alkohol oder Fernsehen.

Patchworkfamilie

(von engl. patchwork: Flickwerk oder Stückwerk) ist eine moderne Bezeichnung für (gleichsam wie ein bunter Flickenteppich) zusammengesetzte Familien. Konkret sind damit meist Familien gemeint, in denen mindestens ein Elternteil mindestens ein Kind aus einer anderen Beziehung mitbringt. Der Begriff kann aber auch Pflege- bzw. Adoptivfamilien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern umfassen.

Patriarchal

oder patriarchalisch (von lat. pater Vater und griech. arche Herrschaft) nennt man eine Gesellschaftsordnung, die von Männern bestimmt wird. Im Zuge der Emanzipation von Frauen bezeichnet man mit diesem Begriff die Unterdrückung, Verdrängung, Abwertung von Frauen in der Gesellschaft.

Patriarchat

Ein Patriarchat ist eine Teilkirche, zu der weitere Bistümer gehören und an deren Spitze ein Patriarch, also ein besonders mächtiger Bischof, steht. Untereinander sind Patriarchate gleichrangig.

Paulus

wurde in Tarsus in der heutigen Türkei geboren. Ursprünglich Zeltmacher studierte er später die jüdische Überlieferung bei seinem Lehrer Gamaliel in Jerusalem und rechnete sich zu den Pharisäern. Im aufkommenden Christentum sah er eine Bedrohung für die alte Ordnung und verfolgte deshalb die Christengemeinde. Auf dem Weg nach Damaskus, wo er ebenfalls gegen die Christinnen und Christen vorgehen wollte, hatte er um 33 n. Chr. ein Berufungserlebnis, das sein Leben von Grund auf änderte. Er begann als Apostel auf Missionsreisen zu gehen, um die christliche Botschaft zu verkünden, und gründete dabei zahlreiche Gemeinden, denen er Briefe schrieb, die im Neuen Testament überliefert sind. Auf einer Reise nach Jerusalem wurde er inhaftiert und nach Rom überführt, wo er wahrscheinlich etwa 60 n. Chr. den Märtyrertod starb.

Paulusstatue

Auf der Statue vor dem Petersdom in Rom wird Paulus mit Schriftrolle und Schwert dargestellt. Das Schwert spielt darauf an, dass Paulus vermutlich als Märtyrer gestorben und mit dieser Waffe hingerichtet worden sein soll, die Schriftrolle weist auf seine Briefe hin.

Pentateuch

(altgriech. penta: fünf und teuchos: Gefäß) ist begrifflich abgeleitet von den tönernen Krügen, in denen Schriftrollen aufbewahrt wurden, und meint die fünf Bücher Mose. Die jüdische Tradition bezeichnet diese als Tora (im engeren Sinne), als Weisung Gottes für sein Volk Israel. Dazu gehören nicht allein die Rechtssätze aus den Büchern Exodus bis Deuteronomium, sondern auch die erzählenden Passagen. Die griechisch-lateinischen Bezeichnungen geben Aufschluss über den Inhalt der Bücher: Genesis (»Ursprung«), Exodus (»Auszug [aus Ägypten]«), Levitikus (»priesterliche Gesetzgebung«), Numeri (»Zählungen [der Israeliten]«) und Deuteronomium (»zweites Gesetz«). Die genaue Entstehung des Pentateuchs ist in der Forschung bis heute umstritten.

Pergament

(abgeleitet von der für ihre Pergament-erzeugung bekannten Stadt Pergamon) wird der Vorläufer des Papiers genannt, der aus bearbeiteter Tierhaut hergestellt wurde. Das Pergament löste den Papyrus als Schreibmaterial ab, da es haltbarer war und zudem mehrmals neu beschrieben werden konnte: Mit einem Messer wurde dafür die oberste Schicht abgekratzt. Wenn mehrere Lagen zugeschnittener Pergament-Blätter in der Mitte gefaltet und zusammengeheftet wurden, entstand ein sogenannter Codex.

Personalität

(von griech. prosopon: Maske, Rolle oder etruskisch phersu: Maske) bezeichnet beim Menschen die Individualität, verbunden mit unverfügbarer Würde. In Bezug auf Gott ist »Personalität« zu unterscheiden von einer anthropomorphen Redeweise (Reden von Gott). Letztere erzählt von Gott wie von einem Menschen, z. B. geht er im Garten spazieren, 1. Mose 3 o. Ä.). Die Rede von Gott als »Person« zielt hingegen darauf ab, Gott nicht als überpersönliches Prinzip, sondern als »Du« des Menschen zu sehen, als ansprechbar und beziehungsfähig.

Pessach (auch Passa)

Jüdisches Fest zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten. Es beginnt mit dem Sederabend. Auf die Frage des jüngsten Kindes »Warum ist diese Nacht ganz anders als andere Nächte?« antwortet der Vater mit der Erzählung (Haggada) vom Auszug aus Ägypten. Verschiedene Speisen auf dem Tisch erinnern an die Gefangenschaft und die Befreiung. Es heißt im Judentum: »Jeder soll sich so verstehen, als sei er selbst aus Ägypten befreit worden.« Das Pessachfest war zur Zeit Jesu eines der drei großen Wallfahrtsfeste und war für Jesus der Anlass, nach Jerusalem zu gehen, wo er gekreuzigt wurde. So ist Pessach auch der Ursprung der christlichen Kartage und des Osterfestes.

PET

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) bezeichnet ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, bei dem mithilfe eines schwach radioaktiv markierten Stoffes Stoffwechselvorgänge von Organen und Geweben sichtbar gemacht werden können, da sich die sog. Tracer mit den radioaktiven Stoffen vermehrt an den besonders aktiven Stellen im Körper anreichern. PET kann somit erhöhte Stoffwechselaktivitäten darstellen, aber nicht z. B. die Gewebestrukturen von Organen.

Petit, Philip

französischer Hochseilartist, wurde 1974 durch einen illegalen Drahtseilakt auf einem Hochseil zwischen den Türmen des World Trade Centers in New York City weltbekannt.

Petrus

der ursprünglich Simon hieß, war einer der ersten Jünger Jesu. Er stammte aus Galiläa, vermutlich aus Kapernaum am See Genezareth, wo auch Jesus sich öfters aufhielt. Seinen Namen Petrus, griech: der Fels, bekam er nach Mt 16,16 aufgrund seines »felsenfesten« Glaubens an Jesus als Messias. Doch die Evangelien berichten auch von der anderen Seite des Petrus in der Nacht vor Jesu Kreuzigung, als er aus Angst leugnete, Jesus zu kennen. Nach Jesu Tod und Auferstehung wurde Petrus zu einer führenden Persönlichkeit der ersten Christengemeinde. Möglicherweise starb er in Rom den Märtyrertod. Die katholische Kirche sieht in ihm nach Mt 16,18 f. den Stellvertreter Christi auf Erden und in dem jeweiligen Papst den direkten Nachfolger des Petrus.

Pfingstbewegung

(häufig auch mit z. T. eher abwertendem Ton als Pfingstler, Pfingstlerkirchen bezeichnet) ist der Oberbegriff für die weltweit am schnellsten wachsenden christlichen Glaubensbewegungen, die besonders das Wirken des Heiligen Geistes betonen. Dessen Anwesenheit und sein aktives Wirken in den Gläubigen werden in der Regel anhand bestimmter Erfahrungen, wie z. B. erfolgreiche Heilungen, Zungenreden oder ekstatisches Tanzen festgemacht. Diese Erfahrungen weisen zugleich die Durchführenden als Bevollmächtigte aus, die mit bestimmten Geistgaben ausgestattet sind. Bei aller Abgrenzung der Pfingstkirchen von den etablierten Kirchen und der eher geringen Rolle des Rechtfertigungsglaubens leiten sie sich selbst von der Reformation ab. Ihr Name verweist auf Pfingsten, wo nach biblischer Darstellung in Apg 2 den Jüngern der Heilige Geist verliehen wurde.

Pfingstkirchen

(häufig auch mit eher abwertendem Ton als Pfingstler, Pfingstlerkirchen bezeichnet) ist der Oberbegriff für die weltweit am schnellsten wachsenden christlichen Glau­bens­bewegungen, die besonders das Wirken des Heiligen Geistes betonen. Dessen Anwesen­heit und sein aktives Wirken in den Gläubigen wird in der Regel anhand bestimmter Erfah­rungen, wie z. B. erfolgreiche Heilungen, Zungen­reden oder ekstatisches Tanzen festgemacht. Diese Erfah­rungen weisen zugleich die Durchführenden als Bevollmächtigte aus, die mit bestimmten Geist­gaben ausgestattet sind (Charismatisch). Bei aller Abgrenzung der Pfingstkirchen von den etablierten Kirchen und der eher geringen Rolle des Recht­ferti­gungs­glaubens leiten sie sich selbst von der Reformation ab. Ihr Name verweist auf Pfings­ten, wo nach biblischer Darstellung in Apg 2 den Jüngern der Heilige Geist verliehen wurde.

Pflichtgebet

(Salat): Im Islam gilt die Verrich­tung des Pflichtgebets als der wichtigste Teil der Verehrung Gottes. Es wird fünfmal am Tag zu bestimmten Zeiten verrichtet. Das Gebet besteht aus mehreren Zyklen von Körperhaltungen und im Wortlaut festgelegten Worten bzw. Koranversen. Ein Muslim reinigt sich vor dem Gebet rituell und betet an einem sauberen Ort, z. B. auf einem Gebetsteppich. Das Gebet beginnt im Stehen. Mit erhobenen Händen wird der Lobpreis »Allahu akbar« (Gott ist groß) und mit verschränkten Armen die 1. Sure gesprochen; anschließend verbeugen sich die Beten­den und ehren Gott in Lob und Segenssprüchen. Dann knien sie sich völlig nieder und berühren mit Stirn und Nase die Erde zwischen ihren Händen. Abschließend verharren die Betenden noch für einen Moment sitzend, die Hände auf den Oberschenkeln ruhend, bevor sie sich wieder aufrichten. Am Ende des Gebetes können im Stehen noch private Bitten an Gott gerichtet werden. Freie Gebete werden aber eher selten formuliert.

Pflugschar

bezeichnet die Schneide eines Pfluges. Mit ihrer Hilfe wird der Ackerboden zerteilt.

Pharao

(eigentlich: großes Haus, Palast) ist der Titel der ägyptischen Herrscher. Der Pharao wurde als Sohn des Sonnengottes und Schöpfers verehrt und galt selbst als göttliches Wesen. Ihm gehörte das Land, er bestimmte über alle Menschen, die dort lebten (Religion, ägyptische).

 

Pharisäer

Die Bezeichnung kommt vermutlich von hebr. paroschim und bedeutet »die genau Unterscheidenden«; ihnen war wichtig, die Tora ganz genau einzuhalten, etwa was den Schabbat oder die Speisegebote betraf, und alles Unreine zu vermeiden (Reinheitsvorschriften). Das bedeutete, dass sie sich auch von der römischen Besatzungsmacht und ihrer Kultur konsequent fernhielten; jedoch lehnten sie den gewaltsamen Widerstand ab. Die Pharisäer betonen die Wichtigkeit des Tora-Lernens und des Streitgesprächs – viele unter ihnen waren ausgezeichnete Schriftgelehrte, die kritisch miteinander umgingen, wenn es um die Frage ging, welche Art von Lebensführung am ehesten dem Willen Gottes entspreche. Obwohl die Pharisäer im Neuen Testament vielfach sehr negativ dargestellt werden (zum Beispiel Mt 23,13 ff.), stehen sie in vieler Hinsicht den Lehren Jesu nahe und werden auch an einigen Stellen positiv erwähnt (z. B. Lk 13,31, Joh 3,1 ff.). Gerade die kritische Auseinandersetzung um Glaubensfragen zeigt, dass Jesus sie als ernsthafte Gesprächspartner geschätzt hat. Auf der Grundlage der Lehren der Pharisäer beruht noch heute das gesetzestreue Judentum.

Philosoph/in

(von griech. philosophos: Freund der Weisheit): Denker/in, der/die sich in methodisch reflektierter Weise darum bemüht, die Welt und das menschliche Leben zu verstehen und zu deuten, und dabei auch den Blick darauf lenkt, wie Erkennen oder Verstehen überhaupt möglich ist.