Lexikon

Nahrungsmittelspekulation

Nahrungsmittel wer­den auf dem Finanzmarkt nicht nur direkt gekauft und verkauft, sondern auch auf dem sogenannten Terminmarkt gehandelt. Ein Erzeuger bietet dort seine Ernte des nächsten Jahres an, ohne genau zu wissen, was diese wert sein wird. Zwischenhändler, die sog. Hedger (engl. hedge: absichern), sichern den Erzeuger gegen Preisschwankungen ab, indem sie die Verluste übernehmen, sollte der Preis für das Nahrungsmittel sinken. Doch sie streichen auch die Gewinne ein, sollte der Preis steigen. Zu den Hedgern gesellen sich weitere Spekulanten, die versuchen, die Preise zur Profitmaximierung in die Höhe zu treiben. Dadurch werden Nahrungsmittel immer mehr von einem Nutzwert zur Geldanlage.

Name Gottes

Gott offenbart Mose am brennenden Dornbusch seinen Namen »ähjäh«, was heißen kann »Ich werde (da)sein« oder auch »Ich bin (da)«. In diesem Wort stecken die Konsonanten des alttestamentlichen Gottesnamens JHWH. Gesprochen klänge das »Jahwe«. Juden dürfen den Gottesnamen nicht aussprechen. Respektvoll ersetzen sie ihn durch Namen wie »Herr« oder »der Ewige«. Auch Martin Luther schreibt in seiner Bibelübersetzung an solchen Stellen: HERR. Der »Name« wird manchmal sogar gleichbedeutend mit »Gott« gebraucht (vgl. Vaterunser: »Geheiligt werde dein Name«).

narrative Ethik

betont die »lebensweltliche und lebensgeschichtliche Einbettung menschlichen Urteilens und Handelns in den Zusammenhang identitätsstiftender und -vermittelnder Geschichten« (M. Hofheinz) und konzentriert sich deshalb nicht auf die Frage der normativen Ethik, was man tun soll, sondern untersucht, wie bestimmte eigene und fremde Erzählungen unser Handeln und Urteilen prägen und inwieweit sie dies besser können als allgemeine Handlungsnormen. Als christliche Ethik »erkennt narrative Ethik die Notwendigkeit an, sich in kritische Distanz zu den verschiedenen Erzählungen zu begeben und sie zu jener ›story‹ Gottes in Beziehung zu setzen, die die Lebensweise von Christenmenschen prägt und formt.« (ders.)

Narzisstisch (von Narzissmus)

Selbstliebe oder Auf-Sich-Selbst-Bezogensein. Selbstliebe ist zunächst lebensnotwendig, sie kann aber auch problematische Gestalt annehmen, etwa wenn man nicht aus Interesse an anderen mit ihnen Kontakt aufnimmt, sondern v.  a. um von ihnen bewundert zu werden. Der Begriff geht auf die Sage vom schönen Jüngling Narziss zurück, der sich in der griechischen Mythologie zur Strafe, weil er die Nymphe Echo abgewiesen hat, in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Er stirbt bei dem Versuch, sich mit dem Spiegelbild im Wasser zu vereinigen.

Nathan der Weise

Hintergrund für dieses 1779 erschienene Drama um die gleichnamige Hauptfigur von Gotthold Ephraim Lessing ist der sog. Fragmentenstreit. Der Schriftsteller kündigte 1778 der Tochter von Reimarus dieses Stück wie folgt an: »Ich muss versuchen, ob man mich auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater, wenigstens noch ungestört will predigen lassen.« Der Stoff des Dramas geht zurück auf eine Novelle in Boccaccios »Decamerone«, die um den Juden Melisedech kreist und bereits die Wanderparabel von den drei Ringen enthält. Schon der Untertitel »Dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen« gibt einen Hinweis darauf, dass in diesem Werk eher das Lehrhafte als das Dramatische im Vordergrund steht; Lessing selbst hielt das Stück für kaum aufführbar. Das Drama spielt in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge am Ende des 12. Jahrhunderts, wo Judentum, Christentum und Islam aufeinandertreffen; gedankliches Zentrum ist der Toleranzgedanke der Aufklärung. Dies wird besonders deutlich in der Schlüsselszene im siebten Auftritt des dritten Aktes, in der Nathan der Weise auf die  Ringparabel Bezug nimmt.

Nationalsozialismus

bezeichnet die Weltanschauung Adolf Hitlers und seiner Partei, der NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands), die in Deutschland um 1920 entstand und mit der Adolf Hitler 1933 an die Regierungsmacht kam. Die Vertreter des Nationalsozialismus dachten totalitär, (sie beanspruchten alle Macht für sich), rassistisch (Herabsetzung anderer Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion) und antisemitisch (feindlich gegenüber Juden). Sie führten Deutschland in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und verschuldeten in ihrem Rassenwahn die Tötung von Millionen Männern und Frauen sowie 1,5 Millionen Kindern.

Naturwissenschaft(en)

wie die Physik, Chemie, Biologie oder Geologie versuchen, die unbelebte und belebte Natur wissenschaftlich zu beschreiben und zu erklären. Sie haben einen erfahrungsbezogenen (= empirischen) Zugang zur Wirklichkeit, indem sie gezielt Experimente und Beobachtungen durchführen, um theoretische Annahmen zu überprüfen oder neue zu entwickeln. Solche Beobachtungen und Experimente müssen dokumentiert sein und sich wiederholen lassen, damit ein höchstes Maß an Zustimmung durch andere Wissenschaftler erzielt wird (wird oft missverständlich als Objektivität bezeichnet). Zur ihrer Exaktheit gehört es, die gefundenen Strukturen in mathematische Formeln zu bringen. Während die Mathematik Beweise kennt, können im Gegensatz zur landläufigen Meinung Naturwissenschaften ihre Theorien nicht beweisen. Ihre Methodik führt gleichwohl zu Erkenntnissen, die überaus vertrauenswürdig sind (wie z. B. die Naturgesetze), weil sie sich über lange Zeit in verschiedenen Gebieten immer wieder bewährt haben. Mit dem Aufkommen der Quantenphysik im 20. Jh. ist aber das Natur- und Wirklichkeitsverständnis des 18. und 19. Jahrhunderts grundlegend überholt worden: Die Quantenphysik ist so genau, dass sie zeigen kann, dass naturwissenschaftliche Ergebnisse immer nur Annäherungen sein können und Exaktheit nur dadurch erzielt wird, dass man Unterschiede und Beziehungsstrukturen ignoriert, was im Bereich der klassischen Physik oftmals ohne Probleme möglich ist. – Unter den Naturwissenschaften hat die Physik den größten Geltungsbereich, da sie sich mit den ganz grundlegenden Strukturen in der Natur beschäftigt.

Nazareth

in Galiläa ist als Heimatort Jesu und seiner Familie überliefert. Dafür, dass Jesus tatsächlich aus diesem Dorf kam, spricht u. a., dass »Nazareth« fast so etwas wie ein »Nachname« Jesu ist: »Jesus von Nazareth«. Vielleicht hat seine Familie in einer der in den Fels gehauenen Wohnungen gewohnt, die Archäologen entdeckt haben.

Neander, Joachim

(1650–1680 jeweils in Bremen) war ein evangelischer Pfarrer und Kirchenlieddichter. Sein bekanntestes Lied »Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren« wird noch heute oft gesungen. Er gab dem Neandertal seinen Namen.

Nebukadnezar II

 

(ca. 605–562 v. Chr.) ist der mächtigste König der Babylonier. Er besiegte die Assyrer und Ägypter, zerstörte 586 v. Chr. Jerusalem mit dem ersten Tempel und führte die Oberschicht Jerusalems ins babylonische Exil. Unter ihm entwickelte sich Babylon zur prächtigsten Stadt seiner Zeit. Nebukadnezar errichtete eine große Prozessionsstraße mit dem berühmten Ischtar-Tor und vollendete den großen quadratischen Tempelturm zu Babel.

Neuapostolen

Die Neuapostolische Kirche ist eine christliche Gemeinschaft, die sich 1863 von der katholischen Kirche abgespalten hat. Sie ist geprägt von der Erwartung, dass Jesus Christus bald wiederkommt; der Sonntagsgottesdienst ist von ganz besonderer Bedeutung. Der Name bezieht sich darauf, dass diese Gemeinschaft von sog. »Aposteln« geleitet wird. Als Sakramente kennt die Neuapostolische Kirche neben Taufe und Abendmahl auch die sog. »Versiegelung«, bei der ein »Apostel« durch Handauflegung den Heiligen Geist an die einzelnen Gemeindeglieder vermittelt.

Nidation

Einnistung (vgl. lat. nidus: Nest) einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Bei Menschen findet die Einnistung ab dem 5. bzw. 6. Tag nach der Befruchtung der Eizelle statt. 

Nidationshemmer

Methoden zur Vermeidung von Schwangerschaften, die nicht die Entstehung befruchteter Eizellen verhindern, sondern deren Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine befruchtete Eizelle einnistet, liegt ansonsten bei ca. 30 %. Am bekanntesten sind die »Spirale« und die sog. »Pille danach«, die hormonell wirkt. Diese Methoden sind sehr umstritten, was sich beispielsweise im Streit um die Frage zeigt, ob diese als »Verhütungsmethoden« bezeichnet werden können oder eher »Frühabtreibungsmittel« darstellen.

Nietzsche, Friedrich

(*1844, †1900) war ein deutscher Philosoph und Schriftsteller. Als scharfer Kritiker von Religion, Moral und Philosophie der europäisch-abendländischen Tradition setzte er sich insbesondere mit dem Christentum und seiner »Sklavenmoral« des Mitleids auseinander, gipfelnd in der Aussage: »Gott ist tot«. An seine Stelle sollen der »Übermensch«, die »Umwertung aller Werte«, der »Wille zur Macht« und die »ewige Wiederkehr des Gleichen« treten.

Nomaden

nennt man Hirtenvölker, die nicht sesshaft leben, sondern mit ihren Herden von einem Weideplatz zum anderen ziehen. Die Erzeltern Israels, von denen das Buch Genesis erzählt, Abraham, Sara, Isaak, Jakob, Esau, Josef und seine Brüder waren Nomaden.

Nordreich Israel

Nach dem Tod König Salomos, der Israel zu einem großen Königreich ausgebaut hatte, machten sich ca. 926 v. Chr. die zehn Stämme des Nordens selbständig und es kam zur Reichsteilung. Von nun an existierten das Südreich Juda mit Jerusalem als Hauptstadt und das Nordreich Israel mit Samaria als Hauptstadt nebeneinander. Das Nordreich wurde 722/21 v. Chr. von den Assyrern erobert; das Südreich 587 v. Chr. von den Babyloniern.

Normalnull

wird oft für die Höhe des Meeresspiegels gehalten. Tatsächlich meint es einen festgelegten Punkt, in Bezug auf den die amtliche Höhenmessung erfolgt ist, um von dort aus die Höhe über dem Meeresspiegel zu ermitteln. Seit 1993 wird dieser Normalhöhennull (NHN) genannt.

Nürnberger Religionsfriede

Der Nürn­ber­ger Religionsfriede von 1532 hob das Wormser Edikt, das alle Protestanten für vogelfrei erklärt hatte, auf und war somit ein erster (befristeter) Friedensschluss zwischen Kaiser Karl V. und den Protestanten. Die Entscheidung Karls für den Nürnberger Religionsfrieden erklärt sich aus der außenpolitischen Situation des Reiches: Er konnte nicht militärisch gegen die Protestanten vorgehen, weil die Türken Ungarn überfallen hatten und er zur Abwendung der Türkengefahr im Reich freie Hand brauchte.

Nussbaum, Martha

(*1947) ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago.