Lexikon

Habermas, Jürgen

(* 1929 in Düsseldorf), ist einer der meistgelesenen Philosophen und Soziologen der Gegenwart. Durch sein kritisches Nachdenken über die Theorie der (post)modernen Gesellschaft und die Probleme, denen die Menschen in der Postmoderne gegenüberstehen, gab und gibt er wichtige Impulse für die Gegenwart, wie z. B. durch seine Vision eines »herrschaftsfreien Diskurses«. Sein Denken zielt einer Selbstaussage nach auf eine »Versöhnung der mit sich selber zerfallenden Moderne« ab, so dass mithilfe der Vernunft eine Grundlage für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen gefunden und das Projekt der Aufklärung sinnvoll fortgeführt werden kann. Er bezog zu allen großen gesellschaftspolitischen Kontroversen der Bundesrepublik Stellung.

Hadjj / Hadsch / Hajj

nennt man die Pilger­reise oder Wallfahrt eines Muslim nach Mekka zu den heiligen Städten der Muslime (Kaaba). Der Hadsch ist eine der Fünf Säulen des Islam und sollte von jedem Muslim nach Möglichkeit einmal im Leben absolviert werden. Durch ihn wird ein Muslim von allen Sünden gereinigt. Er wird als das größte Ereignis im Leben eines Muslim gesehen. Wegen der Besonderheiten des Arabischen gibt es in lateinischer Umschrift die unterschiedlichsten Schreibweisen von Hadsch: z. B. Hatsch, Haddsch, Hitschra, Hetschra, Hadjdj, Hagg etc.

Haggada

(hebr., aram. aggada: Erzählung, Sage, Verkündung) bezeichnet die erzählerischen Texte des Talmuds und ist somit Teil der mündlichen Tora. Während die Halacha alle gesetzlichen Inhalte des Talmuds umfasst, bezieht sich die Haggada auf erbauliche Erzählungen, Weisheitsgeschichten, Sagen, Märchen, Fabeln, Anekdoten, Witze, Rätsel und Sprichwörter, die die Beziehung Gottes zu den Menschen und zum Weltganzen sowie der Menschen untereinander deuten. Ein besonders wichtiger Teil der Haggada ist die Pessach-Haggada, aus der am Sederabend vom Auszug aus Ägypten vorgelesen wird.

Halacha

(hebr.: Weg) nennt man die gesetzlichen Bestimmungen des Judentums; ihre Grundlage ist die Offenbarung der Tora am Berg Sinai. Die Halacha regelt das ganze Leben der Jüdinnen und Juden und wird immer wieder neu interpretiert und auf den Alltag bezogen. Es gibt vor Gott keinen unwichtigen Bereich. Der Glaube an Gott soll sich daran zeigen, wie man miteinander umgeht und wie man sein Leben gestaltet.

Hamas

(arab.: Eifer, Begeisterung) Der Name steht in etwa für »Islamische Widerstandsbewegung«. Je nach Sicht wird die Hamas als palästinensische sunnitisch-islamistische paramilitärische Terrororganisation, als eine politische Partei oder gar als eine soziale Hilfsorganisation verstanden. Gemäß ihrer Charta von 1988 geht die Hamas von einer grundsätzlichen Feindschaft der Juden gegenüber dem Islam aus und verlangt die Vernichtung Israels. Entsprechend dieser Überzeugung führt die Hamas den Kampf gegen israelische Militärs und Zivilisten und auch gegen gemäßigte Palästinenser mit hoher Brutalität.

Hatschepsut

war die berühmteste Pharaonin im alten Ägypten. Nach dem Tod ihres Mannes Thutmosis II übernahm sie 1473 v. Chr. für ihren Stiefsohn Thutmosis III die Regierung. Sie ließ sich im Tal der Könige bei Luxor einen Palast und eine Grabstätte bauen. Später hat ihr Stiefsohn und Nachfolger ihren Namen aus den Inschriften löschen lassen.

Heiden

Die Bedeutung des Wortes entwickelte sich, als sich das Christentum im Römischen Reich ausbreitete. Es bezeichnet ursprünglich Menschen, die in abgelegenen Gegenden (in der Heide) lebten und im Gegensatz zu den Menschen in der Stadt oft noch den alten römischen Göttern anhingen. Später wurden Menschen unabhängig von ihrem Wohnort Heiden genannt, die weder der jüdischen noch der christlichen Religion angehörten.

heilig

bezeichnet etwas Verehrungswürdiges, das in einen religiösen, göttlichen Bereich verweist. Dadurch besitzt es eine besondere Würde.

Heraklit

(ca. 520–460 v. Chr.) war ein vorsokratischer Philosoph aus Ephesus. Er sah hinter allen Dingen, die sich in spannungsvollen Gegensätzen realisieren und sich stets in Veränderung und im Fluss befinden (griech: panta rhei), ein einheitliches vernünftiges Weltprinzip (Logos) wirksam.

Hermeneutik

(griech. hermeneuein: auslegen, abgeleitet vom Gott Hermes): Die Kunst und Methodik der Auslegung und des Verstehens, zunächst auf die Bibel bezogen, später allgemein auf Texte. Bedeutende Impulse für die Theorie der Hermeneutik gaben in den letzten beiden Jahrhunderten F. Schleiermacher, G. W. Dilthey (der den hermeneutischen Zugang als typischen Zugang der Geisteswissenschaften im Unterschied zu den  Naturwissenschaften beschrieb), H. G. Gadamer und J. Habermas (für den Verstehen immer auch einen kritischen Zugang beinhaltet). Der hermeneutische Zirkel beschreibt die Wechselwirkung zwischen (immer schon vorhandenem) Vorverständnis der/des Lesenden und der Auslegung eines Textes, der dieses Vorverständnis korrigiert.

Hermes

Griechischer Gott, Bote des Zeus und Geleiter ins Totenreich; er gilt u. a. als Gott der Kaufleute und Reisenden, der Hirten, Wissenschaftler, Magier, Diebe, der Redekunst, des Dolmetschens und der Träume.  

Herodes Antipas

Sohn Herodes’ »des Großen«, war im Auftrag der Römer Herrscher der Provinzen Galiläa und Peräa. Er machte Sepphoris zu seiner Hauptstadt und gründete Tiberias am See Genezareth. Zunächst war er mit einer nabatäischen Prinzessin verheiratet. Er verstieß diese, um Herodias zu heiraten, die Frau seines Halbbruders (und zugleich Antipas’ Nichte). Damit handelte er gegen jüdische Gesetze, was Johannes der Täufer scharf anprangerte.

Herodes »der Große«

ca. 73 v. Chr. geboren, von 40–4 v.Chr. von den Römern eingesetzter jüdischer König von Judäa, Vater des Herodes Antipas. Er ist der König, der in der Geschichte von den »drei Weisen aus dem Morgenland« (den sogenannten »Heiligen Drei Königen«) erwähnt wird (Mt 2).

Herr (als Hoheitstitel Jesu)

In jüdischer Tradition tritt dieser Titel häufig an die Stelle des unaussprechlichen Gottesnamens Jahwe. Im griechisch-römischen Kulturkreis gilt »Herr« (kyrios) als Herrschertitel. Von allen Namen und Titeln, die man Jesus gegeben hat, drückt dieser also am stärksten aus, dass Jesus als Gott verehrt wird. »Herr« ist Jesus Christus allerdings in dem Sinne, dass er auf seine Macht verzichtet und sich nach »ganz unten« begeben hat (Phil 2).

Herrnhuter

Als Herrnhuter Brüdergemeine oder Brüder-Unität bezeichnet sich eine ökumenisch ausgerichtete evangelische Freikirche, die ihren Ursprung in der böhmischen Reformation des 15. Jahrhunderts hat und von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf Anfang des 18. Jahrhunderts in Herrnhut (Sachsen) neu gegründet wurde. Sie ist der EKD angegliedert, zugleich Gastmitglied in der Vereinigung evangelischer Freikirchen (VEF) und beteiligt sich am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Bekannt ist die Brüder-Unität neben der regen Missionstätigkeit in Afrika, Asien und Mittel- und Südamerika für die Herrnhuter Sterne und die Herausgabe der Losungen, einem Andachtsbuch, das für jeden Tag zwei Bibeltexte und einen Liedvers bzw. ein Gebet enthält.

Hesiod

griechischer Dichter, vermutlich im 8. Jh. v. Chr.

Heteronomie

(griech. heteros: der andere, und nomos: Gesetz, Regel): Fremdbestimmung.

Heuschreckenkapitalismus

Der Begriff wurde vom deutschen Politiker Franz Müntefering (*1940) als politisches Schlagwort geprägt und meint die besonders von internationalen Finanzinvestoren betriebene, oft den Verlust von Arbeitsplätzen mit sich bringende Strategie, in Unternehmen zu investieren, sie rasch (z. B. durch Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer) profitabel zu machen und dadurch möglichst hohe Gewinne für den Investor zu erzielen.

Hidschra

Bezeichnung für die Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina im Jahr 622. Von Medina aus verbreitete Muhammad den Islam. Das war vielen Muslimen so wichtig, dass sie mit diesem Jahr ihre eigene Zeitrechnung begannen. Nach ihr richtet sich der islamische Mondkalender bis heute.

Hinduismus

die nach Christentum und Islam drittgrößte Religion der Erde und eine der ältes­ten der Welt mit Ursprung in Indien. Der Hin­duismus vereinigt viele sehr unterschiedliche Glaubens- und Frömmigkeits­rich­tungen. Ge­mein­sam ist vielen die Überzeugung, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf sind (Samsara). Durch ein gutes Leben kann der Mensch der endlosen Kette der Wiedergeburten entrinnen und zur Er­lösung gelangen (Moksha). Die Hindus glauben an eine große Seele oder Kraft, ein höchstes Prinzip (Brahman). Brahman ist gestaltlos, formlos und unsichtbar, aber all­gegenwärtig.

Hip Hop

bezeichnet eine Richtung der Popmusik, die in den 1970er-Jahren aus den afroamerikanischen Ghettos der USA hervorgegangen ist und sich weltweit verbreitet hat. Ein bekanntes Element ist der Rap (rhythmischer Sprechgesang).

hippokratischer Eid

Benannt wurde dieser Eid, der als eine erste Formulierung ärztlicher  Standesethik gilt, nach dem Arzt Hippokrates von Kos (um 460 – 370 v. Chr.). Der hippokratische Eid wird heute in seiner ursprünglichen Formulierung nicht mehr geleistet, aktuelle Gelöbnisse für Ärztinnen und Ärzte orientierten sich aber in der Regel an diesem.

historischer Jesus

Seit dem Zeitalter der Aufklärung begann man mit der neutestamentlichen Überlieferung kritisch umzugehen: Man entdeckte, dass viele Texte vom nachösterlichen Glauben geprägt und nicht auf den historischen Jesus zurückzuführen sind. Es entwickelte sich die historisch-kritische Forschung, die die historisch »echte« Jesusüberlieferung von einer nachträglichen Deutung zu unterscheiden und den Prozess der Entstehung der biblischen Schriften zu analysieren versucht. In der Geschichte dieser Forschung gab es extrem gegensätzliche Positionen: Zunächst war man sehr optimistisch, das Leben Jesu rekonstruieren zu können (»Leben-Jesu-Forschung«). Dagegen richtete sich die Überzeugung, dass man vom historischen Jesus nichts zu wissen brauche; es reiche die Tatsache, dass Jesus gelebt habe: Denn entscheidend sei der Glaube an den Auferstandenen (wie schon bei Paulus, der ja auch kein Wort über das Leben Jesu schreibt!). In jüngerer Zeit geht man wieder stärker auf »Spurensuche« im Leben Jesu. Es geht dabei nicht um eine Biographie, sondern um die Frage, ob und wie der Glaube an Christus mit dem historischen Jesus im Zusammenhang steht. Während man zunächst glaubte, den »echten« Jesus vor allem in der Differenz zu seiner Zeit finden zu können (original ist, was weder jüdische noch hellenistische Parallelen hat), geht man heute davon aus, dass Jesus gerade auch als Kind seiner Zeit verstehbar ist. So helfen Kenntnisse z.B. der Archäologie und der (Sozial-)Geschichte des antiken Israel, ein lebendigeres Bild von Jesus zu gewinnen. Auch römische Quellen werden herangezogen; so berichtet Tacitus im Jahre 116 von einem zur Zeit des Tiberius unter Pontius Pilatus gekreuzigten Aufrührer, der einen merkwürdigen Aberglauben begründet hat und dessen Nachfolger »Christen« genannt werden. Ferner werden auch  apokryphe Evangelien inzwischen in der Forschung stärker berücksichtigt. Viele Forscher halten Folgendes für konsensfähig: Jesus (aram. Jeschua: Retter) wurde in den Jahren 8–4 vor unserer Zeitrechnung als ältester Sohn von Maria (Mirjam) und Joseph vermutlich in Nazareth geboren (für diesen Ort spricht u. a. sein Name: Jesus von Nazareth – der Geburtsort Bethlehem wäre dann symbolisch zu verstehen Sohn Davids. Seine Muttersprache war Aramäisch. Wahrscheinlich erlernte er das Handwerk seines Vaters und arbeitete zunächst als Zimmermann / Bauhandwerker. Im Alter von ca. 30 Jahren begann er, als Wanderprediger, begleitet von Jüngerinnen und Jüngern, durch Galiläa zu ziehen. Er verkündete die Nähe des Gottesreichs und wirkte als Heiler. In seiner Gesellschaft befanden sich Leute aus schlechter Gesellschaft (Zöllner, Prostituierte), aber auch jüdische Gelehrte, mit denen er über die Auslegung der Tora diskutierte. Unterstützung erhielt er u. a. auch von wohlhabenden Frauen. Er geriet in Konflikt mit den religiösen Autoritäten; besonders provokativ war sein Verhalten im Tempel in Jerusalem. In dieser Stadt wurde er unter dem römischen Statthalter Pilatus ca. 30 n. Chr. hingerichtet – am Kreuz – wie für politische Aufrührer üblich.

Hobbes, Thomas

(* 1588, † 1679), englischer Philosoph, Staatstheoretiker und Mathematiker, verfasste in seinem bekanntesten Werk »Leviathan« (benannt nach dem biblischen Meerungeheuer) eine theoretische Begründung des Absolutismus; angesichts des unsicheren Naturzustands der Menschen, deren Zusammenleben durch Egoismus, Gewalt und den Kampf aller gegen alle charakterisiert ist, sieht er die Notwendigkeit der Übertragung aller Macht auf den Souverän.

Hoheitstitel

Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus war für die Jüngerinnen und Jünger eine überwältigende Erfahrung. Sie waren überzeugt: Jesu Leben und Sterben hat eine besondere Bedeutung »für uns«; in ihm kommt Gott nahe. Beim Versuch, dies auszudrücken und weiterzusagen, mussten sie auf vorhandene Sprach- und Denkmuster zurückgreifen – von denen jedoch keines das Neue wirklich fassen konnte. Sie gaben Jesus Namen wie Messias (Christus), Sohn Gottes, Menschensohn, Herr, Sohn Davids. Viele Forscher meinen, dass Jesus selbst diese Titel – außer vermutlich dem Titel »Menschensohn« – eher nicht für sich beansprucht hat, dass er aber z. B. durch Heilungen, Sündenvergebung oder seine Praxis des Schabbats Gottes Reich zeichenhaft repräsentiert / vorweggenommen hat.

Hoherpriester

 

Oberhaupt der Priesterschaft des Jerusalemer Tempels; nur der Hoherpriester durfte einmal im Jahr das Allerheiligste des Tempels betreten. Daneben hatte er durch den Vorsitz im Hohen Rat auch große politische Macht. In der Zeit von 18–37 n. Chr. war dies Kaiphas, der von den Römern eingesetzt worden war und sich in seiner langen Amtszeit offenbar gut mit der römischen Besatzung vertrug.

Hohes Lied (Salomos)

In diesem Buch des Alten Testaments wird die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau besungen. Man kann das Hohelied als ein erotisches Gedicht beschreiben, in dem sich die Sprecher / innen abwechseln: eine Frau, ein Mann sowie ein Art Chor / Zuschauer. Die Bezeichnung Hohelied geht auf Martin Luther zurück, wörtlich übersetzt heißt der hebräische Name dieses Buches »Lied der Lieder«. Als das »Hohelied der Liebe« bezeichnet man 1. Kor 13,1–13.