Lexikon

Baal

(Herr, Gott) ist eine altorientalische Regen- und Fruchtbarkeitsgottheit, die in Kanaan vor der Einwanderung der Israeliten verehrt wurde. Auch später war der Baalskult für die Israeliten immer wieder attraktiv, was die Propheten aufs Schärfste kritisierten. Das Symbol für Baal ist der Stier; auch in der Geschichte vom Goldenen »Kalb« spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Baalsver­ehrung.

Baalskult

Baal (Herr, Gott) ist eine altorientalische Regen- und Fruchtbarkeitsgottheit, die in Kanaan vor der Einwanderung der Israeliten verehrt wurde. Auch später war der Baalskult für die Israeliten immer wieder attraktiv, was die Propheten aufs Schärfste kritisierten. Das Symbol für Baal ist der Stier; auch in der Geschichte vom Goldenen »Kalb« spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Baalsverehrung.

Babylon

(hebräisch: Babel) war die Hauptstadt Babyloniens und ist heute eine Ruinenstadt im Irak. Unter Nebukadnezar II. (ca. 605–562 v.Chr.) wurde sie zur Weltstadt ausgebaut. Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschaft konnten Anfang des 20. Jahrhunderts Teile der Stadt freilegen, u. a. das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße, den Tempelbezirk des Marduk, den babylonischen Tempelturm und vielleicht Teile der berühmten hängenden Gärten.
Nach der Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier wurde die jüdische Oberschicht nach Babylon verschleppt, wo sie von ca. 587 bis 537 v. Chr. im Exil lebte. Dort begegneten die Israeliten vermutlich auch den riesigen Stufentürmen (Zikkurat), die möglicherweise als Vorbild für die Geschichte vom Turmbau zu Babel dienten.

Bach, Johann Sebastian

(1685–1750) ist einer der bedeutendsten deutschen Komponisten, der in der Kirchenmusik bis heute eine zentrale Rolle spielt. Er wirkte viele Jahre als Kantor in der Thomaskirche in Leipzig und komponierte eine Fülle von Kantaten, Chorälen und Oratorien sowie Orgel- und Instrumentalmusik. Besonders bekannt sind seine Oratorien Matthäuspassion, Johannespassion und das Weihnachtsoratorium. Darin vertonte er die biblischen Passions- bzw. Weihnachtsüberlieferungen für Chor, Orchester und Sologesang und gestaltete und deutete sie durch hinzugefügte Arien und Choräle.

Bandura Albert

* 1925, ist ein bekannter kanadischer Psychologe, der (in Ergänzung zur behavioristischen Lerntheorie) v. a. über das Nachahmungslernen / Lernen am Vorbild geforscht hat.

Baptisten

(von griech. baptizein: eintauchen, taufen) nennt man die Mitglieder der größten evangelischen Freikirche. Diese wurde im 17. Jahrhundert in England gegründet und breitete sich besonders in den USA aus. In Deutschland leben 84.000 getaufte Baptisten in 836 Gemeinden. Wichtige Kennzeichen dieser Kirche sind Erwachsenentaufe, Autorität der Heiligen Schrift, demokratische Kirchenstruktur und Trennung von Kirche und Staat.

Bar Mizwa/Bat Mizwa

(hebr. Sohn bzw. Tochter des göttlichen Gebotes): Feier der Aufnahme in die jüdische Kultgemeinde. Ein jüdischer Junge wird mit dreizehn Jahren religionsmündig, ein jüdisches Mädchen bereits mit zwölf. Für einen Jungen bedeutet dies, dass er von nun an als vollwertiges Mitglied seiner jüdischen Gemeinde angesehen und zu der für die Durchführung eines Gottesdienstes erforderlichen Mindestzahl von zehn Männern hinzugezählt wird. Im nächsten Synagogengottesdienst nach seinem 13. Geburtstag wird er erstmals zum Lesen der Tora aufgerufen. Oft werden noch kleine Reden von den Jugendlichen gehalten, in denen sie auf den gelesenen Toraabschnitt eingehen und Dankesworte an Eltern und Lehrer richten. Ob Frauen und Mädchen zur Toralesung aufgerufen werden dürfen, ist in den verschiedenen Richtungen des Judentums umstritten. Im Anschluss an den Gottesdienst wird ein Familienfest mit Festessen, Musik und Tanz und natürlich mit Geschenken gefeiert.

Barabbas

Die Evangelien erzählen, dass sich zur Zeit der Verurteilung Jesu ein Gefangener mit diesem Namen, der vermutlich des gewaltsamen Aufruhrs angeklagt war, in Haft befand. Pontius Pilatus habe dem Volk die Wahl gelassen, Barabbas oder Jesus freizulassen, woraufhin sich das Volk für Barabbas entschied. Allerdings ist der Brauch, am Pessachfest einen Gefangenen freizulassen, außerhalb der Evangelien nirgends historisch bezeugt.

Barlach, Ernst

(1870–1938) war ein deutscher Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner.

Barmer Theologische Erklärung (BTE)

Die Erklärung der Synodalversammlung in Barmen vom 31. Mai 1934 (»Bekenntnissynode«) ist die zentrale theologische Äußerung der Bekennenden Kirche unter der nationalsozialistischen Herrschaft 1933–1945. Sie richtet sich gegen die Theologie und das Kirchenregime der sog. Deutschen Christen, welche die evangelische Kirche der Diktatur Adolf Hitlers anzugleichen versuchen. Die EKD bestätigt in Artikel 1 (3) ihrer Grundordnung mit ihren Gliedkirchen die von dieser Bekenntnissynode getroffenen Entscheidungen. Auch die Gliedkirchen der EKD betrachten die BTE als wegweisendes Lehr- und Glaubenszeugnis der Kirche.

Barockzeit

heißt eine Epoche der Kunst, die sich im 17. und 18. Jahrhundert in Werken der Architektur, Malerei, Musik und Literatur zeigte. Barockkirchen sind häufig prächtig mit Gold und Marmor ausgestattet und wirkten auf die damaligen Menschen wie ein Stück Himmel auf Erden. Sie weisen runde Grundformen auf, große, unbemalte Glasfenster, üppige Verzierungen aus Stuck (Masse aus Gips, Kalksteinmehl, Sand und Wasser), unzählige Putten (kleine, meist nackte Kinderengel mit oder ohne Flügel) und großflächige Deckengemälde. In der Literatur der Barockzeit werden in der Folge des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) oft Themen wie Zeit und Vergänglichkeit behandelt. Der Vanitas (Eitelkeit, Leere, Vergänglichkeit) des Menschen wird die Ewigkeit Gottes gegenüberstellt. Berühmte Barockdichter sind z. B. Andreas Gryphius (1616–1664) und Martin Opitz (1597–1639). Aus dieser Zeit stammen auch die Lieder von Paul Gerhardt (1607–1676), von denen sich viele im Evangelischen Gesangbuch finden.

Barth, Karl

(* 1886, † 1968), war ein Schweizer evangelisch-reformierter Theologe. Als Vertreter der »dialektischen Theologie« betonte er die grundlegende Differenz zwischen Gott und Mensch und machte den Glauben an Jesus Christus kritisch gegen Kultur, Staat und auch gegen »Religion« geltend. Er war Hauptverfasser der Barmer Theologischen Erklärung (1934) und Mitbegründer der Bekennenden Kirche.

BasisBibel

bezeichnet eine Bibelübersetzung aus den Originaltexten, die von Fachleuten vorgenommen wurde. Außer in gedruckter Form gibt es sie als App (fürs Smartphone), als PC- oder Internet-Version und als Hörbuch. Zum Teil sind dann Zusatzinformationen zu Begriffen oder Bildern aufrufbar. Außerdem sollen kurze Sätze und klar gegliederte Abschnitte eine Hilfe zum Lesen am Bildschirm sein.

Bauernkrieg

Als Deutscher Bauernkrieg wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz bezeichnet. Die Bauern trugen im 16. Jahrhundert eine große Last: Adel und Geistlichkeit lebten von ihrer Arbeitskraft, die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten, stiegen ständig an. Wirtschaftliche Probleme, häufige Missernten und der große Druck der Grundherren führten immer mehr Bauern in die Leibeigenschaft. Die sich ständig verschlechternde Situation der Bauern war Ursache für viele regionale Aufstände. 1524/25 entstanden einige Schriften der Bauern, in denen sie eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse forderten. Am bekanntesten waren die »Zwölf Artikel der schwäbischen Bauern«. Sie beinhalteten unter anderem: die Abschaffung der Leibeigenschaft, Rückgabe des gemeinschaftlichen Eigentums und des Gemeindewaldes an die Bauern, Wiederherstellung der alten dörflichen Jagd- und Fischereirechte, Reduzierung der Frondienste und der Abgaben, freie Pfarrerwahl der Gemeinden, Verbesserung der Rechtsprechung. Schon 1525 wurden die Aufstände niedergeschlagen. Schätzungen zufolge haben allein dadurch etwa 100.000 Bauern ihr Leben verloren. Die überlebenden Aufständischen fielen automatisch in Reichsacht und verloren damit alle ihre staatsbürgerlichen, privaten und Lehnsrechte – sie waren somit vogelfrei. Die Anführer wurden mit dem Tod bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände mussten die Strafgerichte der Landesherren fürchten, die zum Teil sehr grausam waren. Ganzen Gemeinden wurden Rechte aberkannt, weil sie die Bauern unterstützt hatten.

Befreiungstheologie

entstanden in Lateinamerika in den Jahren 1960–1970, fragt aus der Perspektive von unterdrückten bzw. unterprivilegierten Gruppen, Völkern und Ethnien nach dem Befreiungspotential der christlichen Botschaft. Sie ist stark eschatologisch geprägt. Dabei wird auch an apokalyptische Traditionen positiv angeknüpft. Darüber hi­naus werden in Aufnahme prophetischer Kritik bestehende Unrechtsverhältnisse und Ursachen für Armut und Ungerechtigkeit angeprangert. Sie fordert eine Kirche der Armen, in der schon jetzt darum gerungen wird, wie sich Kennzeichen des Reiches Gottes wie Friede und Gerechtigkeit verwirklichen lassen.

Ben Chorin, Schalom

(geb. Fritz Rosenthal), *1913 in München, †1999 in Jerusalem, jüdischer Journalist und Religionsphilosoph, der sich in seinen Schriften für die Überwindung des Antisemitismus und für einen jüdisch-christlichen Dialog eingesetzt hat. Besonders bekannt ist sein Buch »Bruder Jesus«.

Ben Gurion, David

(1886–1973) war von 1948 bis 1953 der erste Ministerpräsident des neu gegründeten Staates Israel, danach Verteidigungsminister und von 1955 bis 1963 noch einmal Ministerpräsident. Er erklärte am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit des jüdischen Staates, nachdem er in den Jahrzehnten zuvor maßgeblich daran beteiligt war, eine solche Staatsgründung vorzubereiten. Er gilt daher bis heute als »Gründungsvater« Israels.

Benedikt von Nursia

wurde um 480 in Mittelitalien geboren. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Rom suchte er die Einsamkeit und lebte zunächst zurückgezogen in einer Höhle östlich von Rom. Bald leitete er eine kleine Siedlung von Klöstern, bevor er schließlich auf dem Monte Casino, 150 km südöstlich von Rom, ein großes Kloster gründete. Die von ihm dort verfasste Mönchsregel hatte entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung des Klosterlebens im westlichen Europa. Benedikt galt als der »Vater des abendländischen Mönchtums«.

Bentham, Jeremy

(*1748, †1832) war ein englischer Philosoph und Sozialreformer. Er begründete den ethischen »Utilitarismus«: Handlungen sollen nach dem Nutzen für die Allgemeinheit beurteilt werden. Als Prinzip gilt das größtmögliche Glück für eine größtmögliche Anzahl an Menschen.

Berliner Mauer

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die innerdeutsche Grenze auch mitten durch die Stadt Berlin. Während Ostberlin die Hauptstadt der DDR war, gehörte Westberlin zur Bundesrepublik Deutschland, obwohl es von DDR-Gebiet umschlossen war. In den ersten Jahren flohen aufgrund der wirtschaftlich schlech­ten Situation und der zunehmenden Ein­­schrän­kung von Freiheiten immer mehr DDR-Bürger in den Westen. Darum wurde am 13. August 1961 zunächst ein Stacheldrahtzaun errichtet. Später wurde eine Betonmauer gebaut und von einem »Todesstreifen« umgeben. Bei Fluchtversuchen starben an der Berliner Mauer viele Menschen

Beschneidung

Im traditionellen Judentum werden Jungen am achten Tag beschnitten, d. h. es wird ihnen die Vorhaut des Penis entfernt. Dies symbolisiert die Verbindung zu Gott und bestätigt, dass in diesem Kind der Bund Gottes mit Israel weiterlebt (Gen 21,4). Auch im Islam ist die Beschneidung der Jungen im Säuglings- oder Kindesalter üblich, obwohl sie nicht im Koran vorgeschrieben ist. Auch aus hygienischen und medizinischen Gründen wird die Beschneidung von Jungen praktiziert.

Bethel

(hebr.: Haus Gottes) ist ein ca. 17 km nördlich von Jerusalem gelegener Ort, der im Alten Testament häufig erwähnt wird. Nach Gen 28 hatte Jakob hier seine erste Gotteserscheinung. Nach der Reichsteilung wurde Bethel zum bedeutendsten religiösen Zentrum des Nordreichs Israel und konkurrierte mit dem Tempel in Jerusalem.

Bethlehem

7 km von Jerusalem entfernt, ist nach alttestamentlicher Überlieferung die Heimatstadt König Davids. Obwohl es historisch nicht sicher ist, ob Jesus wirklich dort geboren ist, hat sich Bethlehem in der christlichen Tradition untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden. Wenn die Evangelisten Lukas und Matthäus von Jesu Geburt in Bethlehem erzählen, wollen sie damit ausdrücken: Dieses neugeborene Kind ist der verheißene Nachkomme Davids, der Messias.

Bibel in gerechter Sprache

bezeichnet eine moderne Bibelübersetzung. Männer und Frauen werden darin grundsätzlich gleichberechtigt genannt, wenn dies von der Sache her möglich ist. Außerdem möchte sie Gott gerecht werden, in dem der Gottesname grau markiert ist und durch viele abwechselnd gebrauchte Ersatzwörter (wie z. B. der/die Ewige, Adonaj, der/die Heilige, der/die Eine) vertreten wird, die so die Größe und Nicht-Festlegbarkeit Gottes andeuten. Besonderen Wert wird auch auf einen angemessenen Umgang mit den jüdischen Traditionen gelegt.

Biblische Hermeneutik

Der Umgang mit der Bibel ist heute geprägt von einer Vielfalt von Aus­legungsmethoden; jede von ihnen eröffnet neue Perspektiven, stößt aber auch an Grenzen. Ausgangspunkt wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Bibel ist die historische-kritische Exegese (Auslegung), die in verschiedenen methodischen Schritten den Entstehungsprozess einer biblischen Schrift zu rekonstruieren versucht. Sie wird ergänzt durch andere vorwiegend historisch akzentuierte Zugänge: So kann die Bibel religionsgeschichtlich untersucht werden, indem z. B. archäologische Funde und Texte aus der Umwelt herangezogen werden. Dadurch werden  gegenseitige Einflüsse, aber auch Abgrenzungen deutlich. Die sozialgeschichtliche Exegese untersucht die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen und Interessen, die den biblischen Texten zugrundeliegen (z. B. beschreibt sie die Jesusbewegung im Kontext römischer Herrschaft).
Als Gegengewicht zur historischen Exegese, der mitunter vorgeworden wird, sie zerpflücke den Text zu sehr und verliere angesichts der Vielzahl ihrer Hypothesen die Glaubensbedeutung der Bibel aus dem Auge, sind Zugänge entwickelt worden, die den Text bewusst als Einheit nehmen.
Die kanonische Bibelexegese geht vom kanonischen Endtext als dem allein verbindlichen Verstehensrahmen aus und betont damit gegenüber der historisch-kritischen Exegese die Wichtigkeit einer gesamtbiblischen Perspektive. In der Regel betrachtet sie den Entstehungsprozess, der zu dieser Endgestalt geführt hat, als inspiriert. Intertextuelle Bezüge (z. B. Doppelungen, Verbindungen, Spannungen zwischen verschiedenen biblischen Texten) werden nicht historisch erklärt, sondern (wie bei einem Buch eines Autors) synchron gedeutet. Kanonische Bibelauslegung kann, muss aber nicht in die Nähe eines fundamentalistischen Bibelverständnisses geraten. Sie würdigt die Bibel in ihrer Endgestalt als vielstimmigen Diskurs und kann so eine wertvolle Ergänzung zur historisch-kritischen Exegese sein.
Literaturwissenschaftlich und linguistisch orientierte Methoden untersuchen sehr präzise die grammatische und formale Struktur eines Textes.
Andere hermeneutische Zugänge nehmen den Rezipienten / die Rezipientinnen und ihre Erfahrungen noch stärker in den Blick. So fragt die wirkungsgeschichtliche (rezeptionsgeschichtliche) Exegese, welche unterschiedlichen Deutungen, Bearbeitungen, Fortschreibungen ein Text in unterschiedlichen historischen und persönlichen Kontexten freigesetzt hat.
Die tiefenpsychologische Interpretation entdeckt in den biblischen Geschichten Urbilder seelischer Erfahrungen und setzt auf die heilende Wirkung der Beschäftigung mit solchen Traditionen (so wird z. B. die Exodustradition als eine Symbolisierung des schwierigen Befreiungsprozesses verstanden, den jeder Mensch, z. B. beim Erwachsenwerden, durchmacht).
Die befreiungstheologische Bibelexegese hat ihren Ursprung in Lateinamerika. Biblische Texte werden aus der Perspektive der Armen und Unterdrückten gelesen; die Begegnung mit den Befreiungs- und Hoffnungstraditionen der Bibel mündet konkret in politischen Widerstand. Als eine Spielart befreiungstheologischer Exegese kann man die feministische Bibelauslegung sehen. Sie versucht, in den in einer patriarchalischen Gesellschaft entstandenen biblischen Texten die verdrängte Frauenperspektive (wieder) sichtbar zu machen.

Bilderverbot

Das zweite Gebot alttestamentlicher Zählung (Ex 20,4) bezog sich ursprünglich auf die Verehrung fremder Gottheiten. In den Nachbarländern Israels wurden Götter z. B. in Gestalt von Stieren verehrt (darauf spielt die Geschichte vom »goldenen Kalb« an). Im Judentum, im Islam und in einigen christlichen Konfessionen, z. B. der reformierten Kirche, wird dieses Bilderverbot ganz wörtlich befolgt. In der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche wird das Bilderverbot übertragen verstanden: Es verbietet, Gott auf eine bestimmte Vorstellung festzulegen. Vgl. dazu auch die Zehn Gebote.
Der Islam kennt auch ein Bilderverbot, das sich auf lebendige Wesen bezieht. Es geht nicht auf den Koran zurück, sondern bezieht sich auf die prophetische Tradition. Manche Muslime wollen sich deswegen auch nicht fotografieren lassen. Dafür hat sich die Kunst der Ornamentik und der Kalligraphie (Schönschrift) zu einem bedeutenden künstlerischen Darstellungsmittel entwickelt. Ganz durchsetzen konnte sich das Bilderverbot aber nicht. Vor allem an den Höfen der Herrscher entstanden Buchmalereien und Miniaturen zu verschiedensten Themen. Die Kunstwerke waren aber zunächst nicht öffentlich.

Bildung

ist ein pädagogischer Grundbegriff, der im Laufe seiner Geschichte recht unterschiedlich verstanden wurde. Heute wird insbesondere betont, dass Bildung neben Sachkompetenz, rationalem Denken und kritischem Urteilsvermögen auch ästhetische, emotionale und praktische Aspekte umfasst und sich keinesfalls auf berufsbezogene »Ausbildung« und umfassendes »Bescheidwissen« begrenzen lässt. Bildungstheoretiker heben hervor, dass von Bildung nur dann die Rede sein kann, wenn sich ein Mensch selbst bildet und wenn dieser Bildungsprozess auf Freiheit und Autonomie zielt.

Bioethik

Der Begriff kann einerseits stehen für eine Ethik der sog. Biowissenschaften und umfasst dann die Medizin-, die Tier- und die Umweltethik. Andererseits kann er auch spezieller verwendet werden für das ethische Nachdenken über die sog. Biomedizin, also medizinische Verfahren, die auf moderner Biotechnologie beruhen, wie z. B. die Reproduktionsmedizin oder die Verfahren der sog. »Synthetischen Biologie«, bei der es um die Entwicklung biologischer Systeme geht, die so in der Natur nicht vorkommen (z. B. Umprogrammierung von Bakterien).