Lexikon

Wahres Kreuz Christi

Der Legende nach soll auf Veranlassung von Helena, der Mutter Konstantins des Großen, um das Jahr 325 n. Chr. das Kreuz, an dem Jesus starb, in Jerusalem gefunden worden sein. Dieses gab den Anlass zum Bau der Grabeskirche in Jerusalem, die auch heute noch von vielen Pilgern aufgesucht wird. Im Mittelalter wurden viele Reliquien des Wahren Kreuzes an unterschiedlichen Orten verehrt.

Wallfahrt

ist eine Reise zu einem heiligen Ort, die oft zu Fuß gemacht wird. Nicht nur das Ziel ist wichtig, sondern vor allem auch das Unterwegs-Sein. Wallfahrten gibt es in vielen Religionen. Zu Jesu Zeit kamen die Menschen zu den großen Wallfahrtsfesten Pessach, Schawuot und Sukkot nach Jerusalem. Im Islam gehört die Pilgerfahrt nach Mekka zu den Fünf Säulen der Religion. Berühmte christliche Wallfahrtsorte sind heute neben Jerusalem, z. B. Altötting und Santiago di Compostela (Jakobsweg).

Weihwasser

Wenn Katholiken ihre Kirche betreten, bekreuzigen sie sich mit geweihtem Wasser, das sich in einem kleinen Becken im Eingangsbereich befindet. Das Weihwasser erinnert an die Taufe. Es besteht aus Wasser und Salz und wird in der Osternacht feierlich vom Priester gesegnet.

Weimarer Republik

bezeichnet die erste demokratische Epoche Deutschlands, die mit der Aus­rufung der (parlamentarisch verfassten) Republik am 9. November 1918 begann und mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichs­kanzler am 30. Januar 1933 endete. Sie war von großen Gegensätzen geprägt: Während die neuen Frei­heiten z. B. Kunst und Kultur beflügelten, lasteten Massenarbeitslosigkeit, Kriegs­schäden und Reparationsforderungen aus dem Ersten Weltkrieg schwer auf ihr. Nach dem Börsensturz am sog. Schwarzen Freitag im Oktober 1929 verschlimmerte sich die wirtschaftliche Lage noch mehr und führte zu einer größeren politischen Radika­lisierung der Be­völ­kerung. Dies begünstigte den Auf­stieg der NSDAP unter der Führung Hitlers, von der sich viele ein Ende des politischen und wirtschaftlichen Chaos’ versprachen.

Weiße Rose

1942 gegründete Widerstandsbewegung zur Zeit des Nationalsozialismus, deren Hauptvertreter die beiden Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie deren Kommilitonen Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell, außerdem der Universitätsprofessor Kurt Huber waren. Im Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl bei der Verteilung von Flugblättern in der Münchner Universität verhaftet. Sie wurden nach langen Verhören am 22. Februar 1943 hingerichtet. Auch Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell wurden zum Tode verurteilt und enthauptet.

Weisheit

Die biblischen Bücher Hiob, Kohelet (Prediger), Sprüche, das Hohelied, das Buch der Weisheit und einige Psalmen gehören zur sogenannten Weisheitsliteratur. Im Alten Israel und seiner Umwelt umfasst »Weisheit« Weltwissen und soziale Kompetenz, beides galt als Geschenk Gottes. Weisheitslehren wurden zunächst in den Familien überliefert, seit der Königszeit professionell durch gebildete Schreiber und Gelehrte, die für die Ausbildung junger Beamter zuständig waren. Zur Weisheit gehört auch der sog. Tun-Ergehens-Zusammenhang: Gutes bzw. schlechtes Verhalten hat unmittelbare Folgen für den Einzelnen und sein soziales Umfeld. Diese Erfahrung geriet allerdings in die Krise, als die Sippe nicht mehr den tragenden Lebenszusammenhang bildete: Das Buch Hiob zeugt von dieser Krise.

Welle-Teilchen-Dualismus

Während ein Teilchen in der klassischen Physik ein Massenpunkt mit einem wohlbestimmten Ort ist und eine Welle ein beliebig weit ausgedehntes Gebilde darstellt, zeigt der bekannte Doppelspaltversuch, dass Licht (also Photonen) beide Eigenschaften gleichzeitig aufweist und es nur von der Ausrichtung der Versuchsanordnung abhängt, welche dieser Größen man misst.

WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (engl. World Health Organization) ist die Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen. Ihr Ziel ist es, die bestmögliche Gesundheit bei allen Menschen auf der gesamten Welt zu erreichen. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Bekämpfung von Erkrankungen, mit besonderem Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten, sowie in der Förderung der allgemeinen Gesundheit.

Wichern, Johann Hinrich

(* 1808; † 1881 jeweils in Hamburg) war Pfarrer, Lehrer, Ge­fäng­nisreformer und Begründer der Inneren Mission. Er gilt als bedeutendste sozialpolitische Per­sönlichkeit in der Geschichte der evangelischen Kirche. Im Zentrum seines Denkens standen die Taten der »rettenden Liebe«, die aus dem Glauben erwachsen und den Menschen aus seinem sozialen wie auch religiösen Elend herausführen. Sein im Jahr 1833 gegründetes »Rauhes Haus« in Hamburg nahm verarmte und verwahrloste Kin­der auf, damit diese zusammen mit Erziehern in familienähnlichen Gruppen leben und theoretische wie praktische Bildung erfahren konnten. Seine Jugendarbeit verstand er als vom christ­lichen Glauben ausgehende Gesellschaftsreform; er fand in Deutschland viele Nachahmer. Wichern begründete zudem die »Innere Mission« mit dem Ziel, Elend vor allem der Unterschicht zu lindern und dadurch Christus gegenwärtig werden zu lassen. Sein Programm fasste bereits bestehende Aktivitäten einzelner Christen in einer breiten Bewegung zusammen. Der von ihm 1848/49 ins Leben gerufene »Central-Ausschuss für Innere Mission« bildete dafür den organisatorischen Rahmen und ist der Vorläufer der heutigen Diakonie.

Wiedergeburt

oder Reinkarnation bezeichnet allgemein die Vorstellung, dass eine Seele nach dem Tod in einen neuen Körper eines empfindsamen Wesens gelangt und auf diese Weise erneut bzw. weiter existiert. In der westlichen Philosophiegeschichte wurde diese Vorstellung z. B. vom antiken Philosophen Platon vertreten, der darin eine neue Chance sah. In fernöstlichen Religionen wird sie jedoch meist als Zwang zu einer erneuten leidvollen Existenz verstanden, aus dem man sich befreien möchte. Oft ist damit ein Zusammenhang zum Karma-Glaube verbunden, also der Vorstellung, dass frühere Entscheidungen Folgen für die weiteren Existenzen oder die Möglichkeit der Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburt haben.
Anders als der Hinduismus leugnet der Buddhismus die Existenz einer unabhängigen und ewigen Seele (Anatman) und versteht daher die Lehre von der Wiedergeburt als eine Kette von Kausalzusammenhängen, deren einzelne Protagonisten nur durch die Wirkung von Tatabsichten verbunden sind, welche die Wiedergeburt ohne Seelenwanderung – besser »das bedingte Entstehen« – verursachen. Alle Wesen sind Produkte von karmischen Bedingungen und haben mit ihren »Vorexistenzen« einen karmisch-kausalen Zusammenhang gemeinsam, der gewissermaßen vererbt wurde. Die Abfolge von zwölf aufeinander folgenden Bedingungen der Wiedergeburt wird im äußeren Bereich des Rades des Lebens gezeigt. In diesem Zusammenhang wirft die Tradition des tibetischen Buddhismus, eine Folge von geistlichen Würdenträgern (z. B. die des Dalai Lama) zu einer Kette von Inkarnationen zu verknüpfen, gewisse Probleme auf, da der Buddha die Existenz einer verbindenden Seele ja verneint hat. Auch für den Dalai Lama muss aus buddhistischer Sicht gelten, dass er mit seinem Vorgänger nicht seelenidentisch ist, sondern mit diesem durch das bedingte Entstehen verbunden und insofern von diesem auch nicht völlig verschieden ist.
 

Wiesel, Eli

(*1928 in Rumänien): US-amerikanischer jüdischer Schriftsteller, der Auschwitz überlebte und seine schriftstellerische Tätigkeit in den Dienst der Erinnerungsarbeit stellt. Er ist Träger des Friedensnobelpreises.

Winfrey, Oprah

(* 1954), US-amerikanische Schauspielerin und Talk-Masterin; ihre »Oprah-Winfrey-Show« ist die erfolgreichste Show des amerikanischen Fernsehens.

Wormser Edikt

Das Wormser Edikt bezeichnet den Erlass Kaiser Karls V., in dem kurz nach Martin Luthers Verhör vor dem Reichstag in Worms 1521 über Martin Luther die Reichsacht verhängt und das Lesen und die Verbreitung seiner Schriften (vgl. auch reformatorische Hauptschriften) verboten wurde. Jeder war verpflichtet, ihn an Rom auszuliefern, und es war verboten, ihn bei sich aufzunehmen.

Wüste

Das heutige Israel besteht zu 50 % aus Wüste und ist an seinen Grenzen vielfach von Wüste umgeben. Auf ihrem Weg ins gelobte Land mussten die Israeliten nach biblischer Überlieferung durch die Wüste Sinai und die Negev-Wüste ziehen. Man darf sich diese Wüsten nicht als Sandwüsten wie die Sahara vorstellen. Es ist eine Kalksteinwildnis mit Steinen und dornigem Gestrüpp, in der mannigfaltiges Leben gedeihen kann und in der (noch heute) Beduinen leben mit ihren Schafen, Ziegen und Kamelen. Die Wüste wird in der Bibel einerseits als ein Ort geschildert, an dem man Entbehrungen erleidet und sich nicht mehr zurechtfindet, andererseits als Ort des Rückzugs, an dem man sich auf Gott besinnen kann, an dem man Gott begegnet.