Lexikon

Kaaba

(arab.: Würfel) ist das Hauptheiligtum im Islam und trägt den Beinamen »Haus Gottes«. Architektonisch handelt es sich um ein Gebäude in Mekka, in das ein schwarzer Stein (Hadjar al-Aswad), ein Meteorit, eingebaut ist. An der Kaaba wurden schon in vorislamischer Zeit Stammesgötter verehrt, Muhammad bezog ihre Widmung auf Allah und »reinigte« aus seiner Sicht damit insofern die Kaaba, als sie nur noch einem Gott gewidmet war. Heute ist sie Hauptziel der Hadjj.

Kaftan

nennt man ein traditionelles Kleidungsstück der aschkenasischen Juden, das heute von sog. Ultraorthodoxen getragen wird. Er ist ein schwarzer Mantel, der in etwa bis zu den Knien (oder auch da­rüber hinaus) reicht.

Kainsmal

Nach Kains Brudermord versieht Gott ihn mit einem Zeichen (1 Mose 4,15); es kennzeichnet ihn als Mörder, soll ihn aber zugleich vor der Rache seiner Umwelt schützen.

Kalif

nennt man im Islam einen religiös-politischen Führer in der Nachfolge Muhammads.

Kalligraphie

ist eine besondere künstlerische Art des Schönschreibens. Geschrieben wird von Hand mit Tinte, Pinsel oder Federkiel. Aufgrund des Bilderverbots wird im Islam häufig auf Kalligraphien zurückgegriffen.

Kanaan

wird in der Bibel das Land genannt, das die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten erobern; für sie bedeutet es das von Gott verheißene »gelobte Land«. Es umfasst ungefähr den Bereich des heutigen Staates Israel und die Landschaften östlich und westlich des Jordans.

Kanon

(griech.: Richtschnur): Zusammenstellung der von der Kirche anerkannten Schriften der Bibel. Bis 350 n. Ch. wurde der Kanon des Alten Testaments auf der Basis des Tanach festgelegt; ca. 400 n. Chr. stand der Kanon des Neuen Testaments fest.

Kant, Immanuel

(1724–1804), deutscher Philosoph, gilt als einer der bedeutendsten Denker der Neuzeit. Seine berühmte Aussage, »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«, wurde zum Wahlspruch der Epoche der Aufklärung. Er war davon überzeugt, dass mit den Mitteln der Vernunft alte Vorstellungen und Vorurteile über die Welt durch kritische Prüfung überwunden werden können und der Mensch sich so zum Positiven weiterentwickeln wird.
Sein Denken stellt einen Wendepunkt der Philosophiegeschichte dar. Er hat sich u. a. intensiv mit der Frage nach den Grenzen unserer Erkenntnis (»Was kann ich wissen?«) und mit Fragen der Ethik (»Was soll ich tun«?) befasst. Daraus erwuchsen die beiden Werke »Kritik der reinen Vernunft« (1781, 1787) und »Kritik der praktischen Vernunft« (1788).

Kapitell

(von lat. capitellum: Köpfchen) nennt man den Abschluss einer Säule. In verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte haben sich unterschiedliche Formen von Kapitellen herausgebildet.

Karl V.

(1500–1558) ist der Kaiser, zu dessen Regierungszeit sich die Auseinandersetzungen um Martin Luther und die Reformation abspielten. Aus der Familie der Habsburger stammend, hatte er die Landesherrschaft über das habsburgische Österreich (die er an seinen Bruder Fer­di­nand übertrug), die Herrschaft über die spanischen Länder (mit Ausnahme Portugals) sowie über Süditalien mit Sizilien und Sardinien. Nach dem Tod seines Großvaters Maximilian, des deutschen Kaisers, wurde Karl von den Kurfürsten 1519 zum deutschen König gewählt. Ständige militärische Auseinander­setzungen (in fünf Kriegen zwischen 1521 und 1556) mit Frankreich und ein Dauerkonflikt mit dem Papst (unter anderem wegen der Herrschaft in Italien) bestimmten sein Handeln auch in der Religionsfrage. Zudem gab es einen gefährlichen Krieg im Osten: Das Os­manische Reich eroberte Serbien und Ungarn und näherte sich der Reichshauptstadt Wien, die 1529 von den Türken belagert wurde. Karl V. versuchte, die Reformation in Deutschland gewaltsam zu unterdrücken oder wenigstens die Pro­testanten zu einem Kompromiss mit der katho­lischen Kirche zu zwingen. Aus machtpolitischen Interessen sah er sich aber lange Zeit zu Kompromissen mit den reformationsbereiten Fürsten gezwungen. 1530 wurde er von Papst Clemens VII. zum Kaiser gekrönt.

Karma

Der Begriff stammt aus der fernöstlichen Religiosität und beschreibt das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alles, was ein Mensch tut, denkt oder fühlt, hat Folgen. Ob ein Mensch gutes oder schlechtes Karma gesammelt hat, wirkt sich nach hinduistischer und buddhistischer Auffassung auf sein nächstes Leben aus. Höchstes Ziel ist dabei, so zu leben, dass Befreiung aus dem Kreislauf der ewigen Wiedergeburt erreicht wird.

Kartäuser

Der Kartäuserorden geht auf den in Köln geborenen Heiligen Bruno zurück, der im 11. Jahrhundert in den französischen Alpen und in Kalabrien Klöster gründete, in denen das Leben als Eremit (Einsiedler) und das Leben in einer christlichen Gemeinschaft miteinander verbunden wurden. Anders als andere Orden, in denen z. B. auch die Armenfürsorge oder die Krankenpflege eine wichtige Rolle spielen, ist das Leben der Kartäuser rein auf Kontemplation gerichtet. Sie unterwerfen sich einem Schweigegelübde und leben als Eremiten innerhalb ihres Klosters.

Käßmann, Margot

(*1958), Pfarrerin, Autorin zahlreicher theologischer Bücher. Sie war Landes­bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers (1999–2010) und Ratsvorsitzende der EKD (2009–2010), bis sie 2010 wegen einer Trunkenheitsfahrt zurücktrat.

Katastrophenfilm

(von griech. katastrophe: Wendung zum Niedergang – aus kata: herab, nieder und strephein: wenden) verweist als Genrebegriff darauf, dass eine drohende oder tatsächliche Wendung zum Niedergang handlungsbestimmend ist. Die Kata­strophe kann dabei durch Menschen oder die Natur verursacht sein und sich auf reale, erfundene oder auch zukünftige Ereignisse beziehen. Sie wird zur Folie, um zu zeigen, wie unterschiedliche Menschen angesichts elementarer Bedrohung reagieren; fast immer gehören dabei einzelne Heldenfiguren, die in der gefährlichen Situation über sich selbst hinauswachsen und sich aufopferungsvoll für andere einsetzen, zum Repertoire der Filmgattung. Übergänge zum  Endzeitfilm können fließend sein.

Katechismus

nennt man eine Darstellung und Erklärung der christlichen Glaubensinhalte, vor allem zum Zweck der Lehre. Katechismen haben ihren Ursprung in der mündlichen Unterweisung der Taufbewerber. Bekannt wurden vor allem die beiden Katechismen Martin Luthers von 1529. Der Kleine Katechismus sollte ursprünglich der Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familie dienen. In Form von Fragen und Antworten erläutert er die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis (Credo), das Vaterunser, die Taufe und das Abendmahl. Als Bestandteil der lutherischen Bekenntnisschriften ist der Kleine Katechismus im Evangelischen Gesangbuch (EG) abgedruckt. Der Große Katechismus richtet sich an Pfarrer. Der wichtigste Katechismus der reformierten Kirche ist der Heidelberger Katechismus (1563).

Kategorischer Imperativ

ist die Grundregel der Ethik (bzw. praktischen Philosophie) Immanuel  Kants. Er existiert in unterschiedlichen Formulierungen; die gängigste lautet: »Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.« Grundlegend für den ethischen Wert einer Handlung ist demzufolge die Verallgemeinerbarkeit des hinter ihr stehenden Willensgrundsatzes (= Maxime). Kants Leistung besteht darin, ein universell-allgemeingültiges, rein formales (d. h. von Inhalten unabhängiges) ethisches Prinzip aufgestellt zu haben. Es erhebt den Anspruch, für alle Menschen unter allen Bedingungen zu jeder Zeit und an jedem Ort gültig zu sein.

Kathedrale

(von griech. kathedra: Lehrstuhl): Hauptkirche einer katholischen Diözese (eines Verwaltungsbezirks), Sitz des Bischofs. Viele Kathedralen werden auch als »Dom« oder »Münster« bezeichnet; allerdings ist ein Dom oder Münster nicht immer ein Bischofssitz.

Kichée-Maya

(auch Quiché-Maya, sprich: Kitsché) sind ein indigenes Volk (treffendere Bezeichnung für Ureinwohner) in Guatemala und gehören zur Großgruppe der Maya-Indios. Diese bildeten ca. 1000 Jahre lang eine mächtige Hochkultur in Mittelamerika aus und sind u. a. berühmt für ihre Mathematik, die hoch entwickelten Kalender, die Hieroglyphen-Schrift und den Anbau von Mais. Das Quiché-Reich zerfiel ab 900 n. Chr. immer mehr und wurde von den Spaniern ab 1524 erobert. Im »Buch des Rates«, dem Poopol Wuuj (auch Popol Wuj und Popol Vuh, sprich: Popol Wuch), sind uralte Überlieferungen der Maya-Kultur festgehalten.

Kierkegaard, Søren

(*1813, †1855), dänischer Philosoph, Schriftsteller, Theologe, der vielfach als Begründer der Existenzphilosophie gesehen wird.

King, Martin Luther

(1929–1968): Der amerikanische Pfarrer Martin Luther King ist die wichtigste Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Diese kämpfte gewaltlos für die Gleichstellung der Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft. Mittel dieses gewaltlosen Widerstands waren neben dem Nichteinhalten ungerechter Gesetze Demonstrationen, Boykotts und Sitzstreiks. Das rednerische Geschick Martin Luther Kings hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Proteste tatsächlich gewaltlos blieben und dass 1964 schließlich ein Gesetz erlassen wurde, das die Rassentrennung verbot. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu diesem Erfolg war seine berühmte Rede »I have a dream«, die er im August 1963 bei einer Massendemonstration in Washington hielt. Am 4. April 1968 fiel er in Memphis /Tennessee einem Attentat zum Opfer.

Kippa

Kopfbedeckung, die jüdische Männer z. B. beim Gebet, in der Synagoge oder auf einem Friedhof tragen.

Kirchenburgen

befanden sich im Mittelalter am höchsten Punkt der Stadt, mit doppelten Mauern, tiefem Graben, Türmen und Vorratsspeichern. Sie boten der Bevölkerung bei Angriffen und Belagerungen Zuflucht.

Kirchengemeinderat

ist die Bezeichnung für die Personen, die eine Kirchengemeinde in der evangelischen Landeskirche in Württem­berg und Baden leiten. In anderen Lan­des­kirchen heißt diese Kirchengemeinde­leitung z. B. Kirchenvorstand, Gemeindekir­chen­rat, Kirchgemeinderat, Presbyterium oder Ältes­tenkreis. Ihm gehören die von der Gemeinde gewählten Mitglieder und der Pfarrer/die Pfarrerin bzw. der Pastor/die Pastorin an. Da es in der evangelischen Kirche keine Unter­scheidung der Gläubigen in Priester und Laien gibt, ist jedes vollwertige Gemeinde­mitglied zur Mitwirkung an der Gemeinde­leitung aufgerufen, zum Beispiel indem es (meist ab 14 oder 16 Jahren) die Gemeinde­leitung wählt oder sich selbst zur Wahl stellt. In der katholischen Kirche liegt die Leitung einer Gemeinde u. a. beim Pfarrgemeinderat, in dem der Pfarrer allerdings eine stärkere Stellung (z. B. durch ein Einspruchsrecht) hat

Kirchentag

Alle zwei Jahre findet sowohl auf evangelischer als auch auf katholischer Seite eine Großveranstaltung statt, auf der sich (nicht nur) Christinnen und Christen aus ganz Deutschland und darüber hinaus treffen. Sie informieren sich und diskutieren über Fragen des Glaubens und der Religion sowie über aktuelle politische Themen wie z. B. Umweltschutz und gerechte Wirtschaftsordnung – und es wird viel gesungen und gefeiert. Seit 2003 gibt es auch Ökumenische Kirchentage (ÖKT) (2003 in Berlin, 2010 in München, 2021 in Frankfurt am Main).

Kirchenväter

Kirchenväter sind Menschen, die sich in den ersten Jahrhunderten, als sich das Christentum ausbreitete, grundsätzliche Gedanken zum christlichen Glauben gemacht haben und dadurch entscheidend zur Ausbildung der christlichen Lehre beigetragen haben. Zu den bekanntesten gehören Augustinus und Hieronymus. 

Kleiner Katechismus

Der 1529 von Martin Luther verfasste Kleine Katechismus sollte ursprünglich der Vermittlung des christlichen Glaubens innerhalb der Familie dienen. In Form von Fragen und Antworten erläutert er die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Taufe und das Abendmahl. Als Bestandteil der lutherischen Bekenntnisschriften ist der Kleine Katechismus im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt.

Klepper, Joachim Georg Wilhelm

(»Jochen«) (1903–1942) war ein deutscher Theologe, Schriftsteller, Journalist und Dichter zahlreicher Lieder. 1931 heiratete er die jüdische Witwe Johanna Stein, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten (1933) verlor Klepper wegen dieser sogenannten »Mischehe« seine Anstellung zunächst beim Hörfunk, dann bei einem Verlag. Auch seine Familie lehnte die Verbindung mit einer Jüdin ab. Als dem Ehepaar 1942 die Zwangsscheidung drohte und eine Deportation von Johanna und ihrer jüngeren Tochter unmittelbar bevorstand, nahmen sich die drei gemeinsam das Leben.

Klienefeltersyndrom

bezeichnet eine Besonderheit im Hinblick auf die Chromosomenanzahl, die bei Jungen bzw. Männern auftritt. Betroffene haben zusätzlich zum männlichen Chromosomensatz 46 XY mindestens ein weiteres X-Chromosom in allen oder einem Teil der Körperzellen. Dadurch wird die körperliche und kognitive Entwicklung beeinträchtigt; z. B. kommt es häufig zu sprachlichen Schwierigkeiten. Eine Minderung der Intelligenz ist mit dem Syndrom aber nicht verbunden.