Lexikon

Laizismus

bezeichnet verschiedene verfassungsrechtliche Modelle, die sich am Grundsatz einer strengen Trennung von Staat und Religion orientieren. Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert vor allem in Belgien und Frankreich entwickelt, um den Einfluss von Kirche und Religion auf das öffentliche Leben einzuschränken oder auszuschalten, z. B. im Bereich der Erziehung. Zugleich kann damit aber auch die verfassungsrechtlich garantierte Zusage verbunden sein, dass jeder Bürger ein religiöses Bekenntnis haben darf und dieses als Privatsache auch ausüben darf. Dieses Modell einer laizistischen Republik (république laïque) ist z. B. in der französischen Verfassung verankert. Viele andere Staaten sind zwar gemäß ihrer Verfassung nicht ausdrücklich laizistisch, betonen aber in unterschiedlichem Ausmaß die Neutralität des Staates in religiösen und weltanschaulichen Dingen und praktizieren somit auch eine zumindest gewisse Trennung von Staat und Religion. Solche Staaten werden oft als säkular (im Sinne von: nicht kirchlich, kirchenunabhängig) bezeichnet.

Landesherrliches Kirchenregiment

(auch Summepiskopat genannt) bezeichnet die Tatsache, dass der evangelische Herrscher zugleich oberster Bischof in seinem Herrschaftsgebiet war. Es endete im Jahr 1918. Es galt der Grundsatz »cuius regio, eius religio« (»in wessen Herrschaftsgebiet [man lebt], dessen Religion [muss man annehmen]«), sodass alle Untertanen gezwungen waren, die Religion ihres Herrschers anzunehmen. Das landesherrliche Kirchenregiment bildete die Grundlage für das viele Jahrhunderte andauernde »Bündnis von Thron und Altar« in den protestantischen deutschen Ländern.

Läuterung

meint etwas von Verunreinigungen zu befreien, es also zu reinigen (lauter bedeutet in diesem Zusammenhang »rein«).

Lessig, Lawrence

(*1961) ist ein US-amerikanischer Rechtswissenschaftler und eine der prominentesten Stimmen in der gegenwärtigen Debatte um das  Urheberrecht. In Bezug auf immaterielle Güter (z. B. Musik, Filme etc.) vertritt er eine liberale Position und fordert eine Reform der derzeit gültigen, als restriktiv empfundenen Regelungen, welche die digitale Wirklichkeit nicht angemessen berücksich­tigen. Er ist an zahlreichen Projekten beteiligt, die das Ideal einer Free Culture (»Freie Kultur«) anstreben.

Lessing, Gotthold Ephraim

(*1729, †1789), Dichter und Philosoph der Aufklärung, ist v. a. durch seine Theaterstücke und seine dramentheoretischen und religionsphilosophischen Schriften bekannt, in denen er sich für Toleranz in Fragen von Religion und Weltanschauung einsetzte.

LETS

ist ein Abkürzungswort für engl. Local Exchange Trading System (lokaler  Tauschring). Nach Michael Linton, der als Begründer moderner Tauschringe angesehen wird, kann ein Tauschsystem nur dann als LET bezeichnet werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Es wird kein Profit erwirtschaftet, jedes Mitglied beginnt mit einem leeren Konto, es gibt keine Zinsen, Geld kann weder ein- noch ausgezahlt werden, es gibt keinen Verkaufs- und Kaufzwang, Mitgliedern ist Auskunft über das Guthaben und die Umsätze zu geben und die lokale Verrechnungseinheit ist (in der Regel) an die Landeswährung gekoppelt.

Lévinas, Emmanuel

(* 1906 in Kaunas / Litauen, † 1995 in Paris), war ein französisch-jüdischer Philosoph und Schriftsteller. Als Professor für Philosophie lehrte er in Nanterre und an der Pariser Sorbonne. Er vertrat – in der Tradition des Judentums stehend – eine »Ethik des Anderen«, die eine bemerkenswerte Sicht auf das biblische Liebesgebot ermöglicht und die in unserer Zeit v. a. im Hinblick auf den Umgang mit Fremden diskutiert wird.

Levit

einfacher Tempelpriester (Priester), der Hilfsdienste verrichten und als Chorsänger oder Musikant am Opfer teilnehmen durfte. Der Name leitete sich vom Stammvater Levi ab.

liberal

Der Begriff »liberal« wird je nach Zusammenhang recht unterschiedlich verstanden. Im Hinblick auf Richtungen in einer Religion wird damit u. a. ausgedrückt, dass dem Einzelnen viel Freiheit für mündige Entscheidungen zugetraut wird und dass sie einem aufgeklärten Umgang mit der religiösen Tradition verpflichtet ist (im Gegensatz zu einem fundamentalistisch-verengten Umgang). Z. T. wird »liberal« eher in einem abwertenden Sinn verwendet, weil unterstellt wird, hier ginge es um einen beliebigen Umgang mit der biblischen bzw. christlichen Überlieferung.

Lithosphäre

bezeichnet in der Geologie den Gesteinsmantel der Erde.

liturgisch

meint, zur Liturgie, d. h. zur Feier des Gottesdienstes gehörend (von griech. leiturgia, Dienst für die Öffentlichkeit).

Logos

(griech.) bedeutet u. a. Wort, Rede, Sinn, vernünftiges Denken, Weltordnung. Schon in der Antike verwendete man diesen Begriff auch im Gegensatz zu Mythos und charakterisierte mit diesem Begriffspaar unterschiedliche Weltzugänge: Während der Mythos Sinnfragen erzählend und bildhaft-symbolisch zur Sprache bringt, steht der Logos für wissenschaftliche, »logisch« nachvollziehbare, empirisch nachprüfbare und beweisbare Erkenntnis.

Löhe, Wilhelm

(1808–1872) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer, der durch sein Wirken und seine Schriften die evangelische Kirche über Bayern hinaus wesentlich prägte. Im Jahr 1853 eröffnete er in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) eine Diakonissenanstalt, mit der er Frauen aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine Ausbildung ermöglichte. Dem sog. »Mutterhaus« folgten weitere Einrichtungen (z. B. Krankenhäuser und ein Waisenhaus), später auch bayernweit und darüber hinaus. 1849 rief er mit dem Ziel, Menschen zu einem Leben in der Nachfolge Jesu zu verhelfen, die »Gesellschaft für Innere und Äußere Mission« ins Leben. Die von Löhe gegründete institutionelle Diakonie in Neuendettelsau ist bis heute von großer Bedeutung.

Lorenz, Konrad

(* 1903, † 1989), war einer der wichtigsten Vertreter der vergleichenden Verhaltens-forschung und der evolutionären Erkenntnistheorie. Seine Haltung in der NS-Zeit war umstritten, doch erhielt er 1973 gemeinsam mit Nikolas Tinbergen und Karl von Frisch den Nobelpreis für Medizin.

Loriot

(1923–2011), mit bürgerlichem Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, war ein deutscher Humorist, der als Karikaturist, aber auch als Schauspieler, Regisseur und Moderator bekannt wurde.

Luther, Martin

(* 10. November 1483, † 18. Februar 1546 jeweils in Eisleben) ist der wichtigste Mitbegründer der Reformation und damit der evangelischen Kirche. Luther hatte ursprünglich nicht vor, eine eigene Kirche zu gründen. Es ging ihm vor allem darum, Missstände zu überwinden, zum Beispiel den sogenannten Ablasshandel. Dabei dachten Menschen, sie könnten sich die Gnade Gottes mit Geld oder guten Taten erkaufen. Luther lehrte dagegen, dass man Gottes Liebe einfach vertrauen darf. Damit sich jeder Christ und jede Christin selbst von dieser frohen Botschaft überzeugen könne, hat Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt.

Lutheraner

sind Anhänger Martin Luthers und Mitglieder der lutherischen Kirche.