Lexikon

Liturgisch / Liturgie

(griech. leiturgia: Dienst für die Öffentlichkeit): Liturgie beschreibt den Ablauf des Gottesdienstes, insbesondere den Teil, der zwischen der Pfarrerin /dem Pfarrer und der Gemeinde mit Wechsel­gesängen, Lesungen und Gebeten verläuft.

Löhe, Wilhelm

(* 1808 in Fürth; † 1872 in Neuendettelsau) war Pfarrer und Gründer der ers­ten bayerischen Diakonissenanstalt in Neuen­dettelsau 1853, die zu einer der größten diakonischen Einrichtungen in Deutschland wurde. Sie bot Mädchen und Frauen die Ausbildungs­mög­lichkeit zur Diakonisse und stand ihnen auch als allgemeine Bildungs­einrichtung zur Verfü­gung, was damals ungewöhnlich war. Daneben engagierte sich Löhe im Bereich der Pflege kranker und alter Menschen und in der Fürsorge für Waisenkinder und Menschen mit geistiger Behin­derung. Löhes Konzept von Innerer Mission unterschied sich von dem J. H. Wicherns (Wichern, Johann Hinrich): Dia­konie sollte »vom Altar«, d. h. vom Pfarrer ausgehen und eindeutig konfessionell-lutherisch sein. Während Wichern sich auch für Vereine aussprach und ausdrücklich Laien dazu aufforderte, sich am Kampf gegen das soziale Elend zu beteiligen, siedelte Löhe diese Aufgabe ausschließlich im Bereich der Kirche an, die den Menschen zurück zu Gott führen sollte.

Luther, Martin

(*10. November 1483, † 18. Februar 1546 jeweils in Eisleben) ist der wichtigste Mitbegründer der Reformation und damit der evangelischen Kirche. Luther hatte ursprünglich nicht vor, eine eigene Kirche zu gründen. Es ging ihm vor allem darum, Missstände zu überwinden, zum Beispiel den sogenannten Ablasshandel. Dabei dachten Menschen, sie könnten sich die Gnade Gottes mit Geld oder guten Taten erkaufen. Luther lehrte dagegen, dass man Gottes Liebe einfach vertrauen darf. Damit sich jeder Christ selbst von dieser frohen Botschaft überzeugen kann, hat Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt.

Lutheraner

sind Anhänger Martin Luthers und Mitglieder der lutherischen Kirche.

Manna

heißt die Nahrung, die die hungrigen und sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurücksehnenden Israeliten in der Wüste fanden. Man hat dafür natürliche Erklärungen gesucht, z. B. könnte es sich bei Manna um die Ausscheidung der Tamariskenschildläuse handeln. Den biblischen Erzählern geht es wohl darum, dass Gott den Menschen jeden Tag neu gibt, was sie zum Leben brauchen.

Märtyrer

von griechisch martyrion: Zeugnis, Beweis) sind Menschen, die verfolgt werden oder den Tod erleiden, um ihren Glauben zu bezeugen. Darüber hinaus werden auch Menschen »Märtyrer« genannt, die wegen ihrer (z. B. politischen) Überzeugung verfolgt und umgebracht werden. Der Märtyrerbegriff wird missbraucht, wenn damit Gewalt gegen An­dersdenkende gerechtfertigt werden soll (z. B. im Fall von terroristischen Selbstmordatten­taten).

Marx, Karl

(*1818, † 1883 in London) wirkte als Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Ökonom. Vielen Menschen heute ist er vor allem als einer der bedeutendsten Religions­kritiker der Moderne und einflussreichster Theore­tiker des Kommunis­mus und Sozialismus bekannt. In seinem dreibändigen Haupt­werk »Das Kapital« (1. Bd. 1867 veröffentlicht; Bde. 2 und 3 posthum durch Friedrich Engels herausgegeben) übt er grundsätzliche Kritik am Kapitalismus, indem er auf die Ausbeutung der Arbeiter verweist (Industrialisierung), die Unver­söhn­lichkeit der Interessen von »Prole­ta­riern« (Arbeitern) und der »Bourgeoisie« (Kapita­listen, Arbeit­geber) betont und die Arbeit im Kapita­lismus als »entfremdete« Arbeit bezeichnet, die dadurch charakterisiert ist, dass sie nur noch auf das Erzielen von Tausch­werten ausgerichtet sei – statt Ausdruck freier, schöpferischer Tätigkeit zu sein oder sich zumindest an dem Ge­brauchswert von Arbeit auszu­richten.

Mauren

(abgeleitet von griech. mauros: dunkel) sind ein muslimisches nomadisierendes Berber­volk. Im Mittelalter nannte man die Mauren meist Sarazenen.

Mediator

ein Vermittler in einem Konflikt; bei einer Mediation versuchen die Gegner in einer Auseinandersetzung freiwillig, diese (außergerichtlich) zu lösen.

Mekka

Die Geburtsstadt des Propheten Mohammed im heutigen Saudi-Arabien gilt als heiligster Ort des Islam und ist Ziel der Hadjj / Hadsch / Hajj.

Melanchthon, Philipp

1497 als Sohn eines Waffenschmieds geboren, studierte an der Uni­ver­sität Heidelberg und schloss das Studium 1514 mit der Magisterpromotion ab. 1518 erhielt Me­lanchthon den Ruf als Professor für Griechisch und Hebräisch an die neu gegründete Universität Wittenberg. Seine Kontakte zu Martin Luther, der ebenfalls an der Witten­berger Universität lehrte, führten schließlich zu einer engen Freundschaft der Männer und dem gemeinsamen Einsatz für die reformatorischen Ideen. Auf dem AugsburgerReichstag 1530 vertrat Melanchthon die Sache der Reformation. Er starb 1560.

Menchu, Rigoberta

 1959 in Chimel, Gua­te­mala, setzt sich für Menschenrechte in Guatemala ein. 1992 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Mendelssohn, Moses

*1729 in Dessau, † 1786 in Berlin): Der jüdische Philosoph vertrat ein aufgeklärtes, vernünftiges Judentum; es gelang ihm, jüdische Traditionen mit dem christlich-theologischen und philosophischen Denken seiner Zeit zu vermitteln. Er übersetzte die Fünf Bücher Mose und die Psalmen für seine jüdischen Zeit­genossen ins Deutsche und wurde deshalb »der jüdische Luther« genannt. Aus seiner Familie gingen zahlreiche berühmte Künstler, Gelehrte, Bankiers und Industrielle hervor, z. B. die Schrift­stellerin Dorothea Schlegel, der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy und dessen Sohn Paul, der Firmengründer von AGFA.

Menschenrechte

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UN-Menschenrechts­charta) formuliert die unveräußerlichen persön­lichen, zivilen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte, die jedem Menschen ohne Unterschied zustehen. Sie wurde 1948 von den Vereinten Nationen einstimmig angenommen.

Menschensohn

bezeichnet im Aramäischen, der Sprache Jesu, zunächst einfach einen Men­schen. Jesus hat vermutlich von sich selbst als »Menschensohn« gesprochen und damit seine Menschlichkeit betont. Der Titel kommt aber auch in einigen jüdischen Visionen des Weltendes (Apokalypsen) vor; erstmals in Dan 7,13 wird ein himmlischer »Menschensohn« als Weltenrichter erwähnt. Auch diese Bedeutung scheint in der Verwendung des Menschensohn-Titels für Jesus durch. (Hoheitstitel)

Messias

(hebr. maschiach) bedeutet »der gesalbte (König)«. Im alten Israel wurden Könige durch eine Salbung mit Öl in ihr Amt berufen. Mehrere Propheten des Alten Testaments machen den Menschen Hoffnung darauf, dass Gott einen Messias, einen neuen König, schicken wird, welcher der Welt Frieden und Erlösung bringt. Christen sehen im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus den erhofften Retter. Das griechische Wort christos bedeutet ebenfalls »der Gesalbte«. Der Name Jesus Christus ist also ein Bekenntnis: Jesus ist der Messias.

Methodisten

sind Mitglieder einer Freikirche, die auf den anglikanischen Geistlichen John Wesley (1703–1791) zurückgeht. Er verfolgte, gemeinsam mit seinem Bruder Charles, das Ziel, das spirituelle Leben der Kirche von England zu intensivieren und lebendiger zu gestalten. Ihre Bemü­hungen führten schließlich zur Entstehung einer separaten Kirche. Methodistische Kirchen verstehen sich als Teil der universalen Kirche. Sie glauben an das Priestertum aller Gläubigen und setzen sich für die persönliche und gesellschaftliche Heili­gung und für soziales Engagement ein.

Minarett

(arabisch: Platz, wo Feuer oder Licht ist) nennt man den Turm einer Moschee, meist mit einem Balkon oder eine Galerie, von dem aus der Muezzin die Muslime zum Gebet ruft.

Mirjam

war nach dem Buch Exodus die Halbschwester des Mose. Ihr Freudenlied nach der Errettung am Schilfmeer ist eines der ältesten Überlieferungsstücke der Bibel überhaupt. Andere Prophetinnen sind Debora (Ri 4 f.) und Hulda (2 Kön 22).

Monotheismus

von griech. monos: allein und theos: Gott) meint den Glauben daran, dass es nur einen Gott gibt. Der Eingottglaube verbindet die drei abrahamitischen Religionen.

Montagsdemonstrationen

Im Herbst des Jahres 1989 erreichte der Widerstand gegen die SED-Herrschaft ihren Höhepunkt. Im Zentrum standen dabei die Montagsdemonstrationen, die seit Anfang September in Leipzig und später auch in anderen Städten der DDR stattfanden. Mit dem Ruf »Wir sind das Volk!« protestierten die Teil­nehmer gegen das SED-Regime und für einen grundlegenden politischen Wandel. Sie legten damit den Grundstein für die friedliche Revolution, die zum Ende der DDR führte und die – wider alle Erwartungen – gewaltlos verlief.

Mose

gilt als Anführer der Israeliten bei ihrer Flucht aus Ägypten und bei ihrer Wüstenwanderung ins gelobte Land. Er empfängt von Gott die Gebotstafeln; die fünf Bücher Mose, die nach heutiger Erkenntnis aus vielen mündlichen und schriftlichen Quellen stammen, tragen seinen Namen. Ihre lateinischen Bezeichnungen lauten: Genesis (Schöpfung), Exodus (Auszug), Leviticus (zu den Leviten, d. h. Tempeldienern aus dem Stamm Levi, gehörig), Numeri (Zahlen), Deuteronomium (zweites Gesetz).

Muezzin

ist der Gebetsrufer, der die Muslime fünfmal täglich vom Minarett der Moschee aus zum Gebet ruft. Heute wird dazu oft auch ein Tonband verwendet.

Mutter Teresa

(geb. Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu, *1910 in Üsküb (heute Skopje, Maze­donien); † 5. September 1997 in Kalkutta, Indien, war Ordensschwester und Missionarin. Sie gründete und organisierte Hilfsprojekte für Arme, Kranke und Sterbende. Dafür bekam sie 1979 den Friedensnobelpreis und wurde sie in der katholischen Kirche seliggesprochen.

Mythos

Ein Mythos ist eine Erklärungs­ge­schich­te für grundlegende Fragen des Mensch­seins. In ihm haben sich die Fragen, Erfah­rungen und Einsichten eines Volkes zu einer Erzählung verdichtet, die am Anfang der Zeit (Urzeit, Vorzeit, Schöpfung) spielt. Damit macht man deutlich, dass es sich um etwas besonders Wichtiges und Typisches handelt, weil es die ganze Welt und die Bestimmung des Menschen betrifft. Die Wahrheit des Mythos besteht also nicht darin, dass es so tatsächlich passiert sein soll, sondern dass seine Fragen wichtig sind und seine Bedeutung zutrifft: So ist Gott (bzw. die Götter), so verhält er sich zu uns. So ist der Mensch, das ist seine Bestim­mung. Weil es im Mythos um solche Sinnfragen geht, kann er heute für uns genauso bedeutend sein wie für seine Verfasser damals.

Name Gottes

Gott offenbart Mose am brennenden Dornbusch seinen Namen »ähjäh«, was heißen kann »Ich werde (da)sein« oder auch »Ich bin (da)«. In diesem Wort stecken die Konsonanten des alttestamentlichen Gottesnamens JHWH. Gesprochen klänge das »Jahwe«. Juden dürfen den Gottesnamen nicht aussprechen. Respektvoll ersetzen sie ihn durch Namen wie »Herr« oder »der Ewige«. Auch Martin Luther schreibt in seiner Bibelübersetzung an solchen Stellen: HERR. Der »Name« wird manchmal sogar gleichbedeutend mit »Gott« gebraucht (vgl. Vaterunser: »Geheiligt werde dein Name«).

Nationalsozialismus

bezeichnet die Welt­an­schauung Adolf Hitlers und seiner Partei, der NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands), die in Deutschland um 1920 entstand und 1933 an die Regierungsmacht kam. Die Weltanschauung ist totalitär (sie beansprucht alle Macht für sich), rassistisch (Herabsetzung anderer Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion) und anti­semitisch (feindlich gegenüber Juden). Sie führ­te Deutschland in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und verschuldete in ihrem Rassenwahn die Tötung von Millionen Män­nern, Frauen und 1,5 Millionen Kindern. (Schoa)

Naturwissenschaft(en)

wie Physik, Chemie, Biologie oder Geologie versuchen, die unbelebte und belebte Natur wissenschaftlich zu beschreiben und zu erklären. Sie haben einen erfahrungsbezogenen (= empirischen) Zugang zur Wirklichkeit, indem sie gezielt Experimente und Beobachtungen durchführen, um theoretische Annahmen zu überprüfen oder neue zu entwickeln. Solche Beobach­tungen und Experimente müssen dokumentiert sein und sich wiederholen lassen, damit ein höchs­tes Maß an Zustimmung durch andere Wissen­schaftler erzielt wird (wird oft missverständlich als Objektivität bezeichnet). Zur Exaktheit der Natur­wissenschaften gehört es, die gefundenen Struk­turen in mathematische Formeln zu bringen. Während für Teilbereiche der Mathe­matik tatsächlich Beweise möglich sind, können im Gegensatz zur landläufigen Mei­nung Natur­wissenschaften ihre Theorien nicht beweisen. Ihre Methodik führt gleichwohl zu Er­kenntnissen, die überaus vertrauenswürdig sind (wie z. B. die Naturgesetze), weil sie sich über lange Zeit in verschiedenen Gebieten immer wieder bewährt haben. Mit dem Aufkommen der Quan­tenphysik im 20. Jahrhundert ist aber das Natur- und Wirk­lichkeits­verständnis des 18. und 19. Jahr­hunderts grundlegend überholt worden, wonach es eine »objektive Wirklichkeit« gebe, die in etwa so ist, wie wir es im Alltag erleben. Die Quanten­physik kann zeigen, dass naturwissenschaftliche Ergebnisse immer nur An­nä­he­rungen sein können und Genauigkeit nur da­durch erzielt wird, dass man Unterschiede und Beziehungs­strukturen ignoriert, was im Bereich der klassischen Physik oftmals ohne Probleme möglich ist. – Unter den Naturwissen­schaften hat die Physik den größten Geltungs­bereich, da sie sich mit dem Allereinfachsten in der Natur beschäftigt.