Lexikon

Götzen

In der Bibel werden die nichtjüdischen bzw. nichtchristlichen Götter Götzen genannt. Im weiteren Sinne wird (z. B. von Luther, Martin) auch als »Götzendienst« bezeichnet, wenn Menschen sich in gefährlicher Weise abhängig machen, wenn sie z. B. Stars oder Politiker »vergöttern« oder sich ganz auf materiellen Besitz verlassen.

Grundgesetz

Das Grundgesetz für die Bun­des­republik Deutschland (GG) beinhaltet die rechtliche und politische Grundordnung des deutschen Staates: Niemand darf in Deutsch­land etwas tun oder sagen, was diesem widerspricht. Auch jeder Politiker und Richter muss sich am GG orientieren. Der erste Teil des GG enthält die Grundrechte (Art.1–19). Der 1. Ar­tikel beginnt mit dem wichtigsten Satz des GG: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.«

Grünewald, Matthias

(ca. 1480–1528) war ein bedeutender Maler und Grafiker der Renaissance. Von ihm stammt der Isenheimer Altar (bei Col­mar im Elsass), der zu den bekanntesten Dar­stellungen der Passion Jesu gehört.

 

 

Gute Nachricht

(oder Gute Nachricht Bibel) bezeichnet eine moderne ökumenische Bibelübersetzung in heutigem Deutsch, die besonderen Wert darauf legt, dass die biblischen Texte ohne besondere Vorkenntnisse und zusätzliche Erklärungen verständlich sind. Sie wird von evangelischen und katholischen Bibelwerken vertrieben.

Hadjj / Hadsch / Hajj

nennt man die Pilger­reise oder Wallfahrt eines Muslim nach Mekka zu den heiligen Städten der Muslime (Kaaba). Der Hadsch ist eine der Fünf Säulen des Islam und sollte von jedem Muslim nach Möglichkeit einmal im Leben absolviert werden. Durch ihn wird ein Muslim von allen Sünden gereinigt. Er wird als das größte Ereignis im Leben eines Muslim gesehen. Wegen der Besonderheiten des Arabischen gibt es in lateinischer Umschrift die unterschiedlichsten Schreibweisen von Hadsch: z. B. Hatsch, Haddsch, Hitschra, Hetschra, Hadjdj, Hagg etc.

Haggada

nennt man die nachbiblischen erzählerischen Überlieferungen des Judentums, meist auf Grundlage der Bibel

Halacha

(hebr.: Weg) nennt man die gesetz­lichen Bestimmungen des Judentums; ihre Grund­lage ist die Offenbarung der Tora am Berg Sinai. Die Halacha regelt das ganze Leben der Jüdinnen und Juden und wird immer wieder neu interpretiert und auf den Alltag bezogen. Der Glaube an Gott soll sich daran zeigen, wie man miteinander umgeht und wie man sein Leben gestaltet.

Hatschepsut

war die berühmteste Pharaonin im alten Ägypten. Nach dem Tod ihres Mannes Thutmosis II übernahm sie 1473 v. Chr. für ihren Stiefsohn Thutmosis III die Regierung. Sie ließ sich im Tal der Könige bei Luxor einen Palast und eine Grabstätte bauen. Später hat ihr Stiefsohn und Nachfolger ihren Namen aus den Inschriften löschen lassen.

Heiden

Die Bedeutung des Wortes entwickelte sich, als sich das Christentum im Römischen Reich ausbreitete. Es bezeichnet ursprünglich Menschen, die in abgelegenen Gegenden (in der Heide) lebten und im Gegensatz zu den Menschen in der Stadt oft noch den alten römischen Göttern anhingen. Später wurden Menschen unabhängig von ihrem Wohnort Heiden genannt, die weder der jüdischen noch der christlichen Religion angehörten.

Herr

In jüdischer Tradition tritt dieser Titel häufig an die Stelle des unaussprechlichen Gottes­namen Jahwe. Im griechisch-römischen Kultur­kreis gilt »Herr« (kyrios) als Herrscher­titel. Von allen Hoheitstiteln Jesu drückt dieser also am stärksten aus, dass Jesus als Gott verehrt wird. »Herr« ist Jesus Christus allerdings in dem Sinne, dass er auf seine Macht verzichtet und sich nach »ganz unten« begeben hat (Phil 2).

Hinduismus

die nach Christentum und Islam drittgrößte Religion der Erde und eine der ältes­ten der Welt mit Ursprung in Indien. Der Hin­duismus vereinigt viele sehr unterschiedliche Glaubens- und Frömmigkeits­rich­tungen. Ge­mein­sam ist vielen die Überzeugung, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf sind (Samsara). Durch ein gutes Leben kann der Mensch der endlosen Kette der Wiedergeburten entrinnen und zur Er­lösung gelangen (Moksha). Die Hindus glauben an eine große Seele oder Kraft, ein höchstes Prinzip (Brahman). Brahman ist gestaltlos, formlos und unsichtbar, aber all­gegenwärtig.

Historischer Jesus

Die Evangelien sind keine historisch genauen Berichte und wollen es nicht sein. Ihre Erzählungen über Jesus sind Glaubens­zeugnisse. Doch auch wenn eine Biographie Jesu sich nicht rekonstruieren lässt, kann man einiges über den Menschen Jesus herausfinden. Kennt­nisse, z.B. der Archäologie und der (Sozial-)Geschichte des antiken Israel, vor allem aber der jüdischen Religion helfen dabei. Auch rö­mische Quel­len werden herangezogen; so berichtet Taci­tus im Jahre 116 von einem zur Zeit des Tiberius unter Pontius Pilatus gekreuzigten Aufrührer, der einen merkwürdigen Aberglauben begründet hat und dessen Nachfolger »Christen« genannt werden. Ferner werden auch apokryphe Evangelien inzwischen in der Forschung stärker berücksichtigt. Viele Forscher halten Fol­gendes für konsensfähig: Jesus (aram. Jeschua: Retter) wurde in den Jahren 8–4 vor unserer Zeit­rechnung als ältester Sohn von Maria (Mirjam) und Joseph vermutlich in Nazareth geboren (für diesen Ort spricht u. a. sein Name: Jesus von Nazareth – der biblische Geburtsort Bethlehem wäre dann symbolisch zu verstehen; Sohn Davids). Seine Muttersprache war Aramäisch. Wahr­scheinlich erlernte er das Handwerk seines Vaters und arbeitete zunächst als Zimmer­mann / Bauhandwerker. Im Alter von ca. 30 Jah­ren begann er, als Wanderprediger, begleitet von Jüngerinnen und Jüngern, durch Galiläa zu ziehen. Er verkündete die Nähe des Reiches Gottes und wirkte als Heiler. In seiner Gesellschaft befanden sich Leute aus schlechter Gesellschaft (Zöllner, Prostituierte), aber auch jüdische Gelehrte, mit denen er über die Auslegung der Tora diskutierte. Unterstützung erhielt er u. a. auch von wohlhabenden Frauen. Er geriet in Konflikt mit den religiösen Autoritäten; besonders provokativ war sein Verhalten im Tempel in Jerusalem. In dieser Stadt wurde er unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus ca. 30 n. Chr. hingerichtet – am Kreuz, wie für politische Aufrührer üblich.

Hoheitstitel

Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus war für die Jüngerinnen und Jünger eine überwältigende Erfahrung. Sie waren überzeugt: Jesu Leben und Sterben hat eine besondere Bedeutung »für uns«; in ihm kommt Gott nahe. Beim Versuch, dies auszudrücken und weiterzusagen, mussten sie auf vorhandene Sprach- und Denkmuster zurückgreifen – von denen jedoch keines das Neue wirklich fassen konnte. Sie gaben Jesus Namen wie Messias, (Christus), Sohn Gottes, Menschen­sohn, Herr, Sohn Davids. Viele Forscher meinen, dass Jesus selbst diese Titel – außer vermutlich dem Titel »Menschensohn« – eher nicht für sich beansprucht hat, dass er aber z. B. durch Heilungen, Sündenvergebung oder seine Praxis des Schabbats das Reich Gottes zeichenhaft repräsentiert / vorweggenommen hat

Hohepriester

 

(auch Hohe Priester): Ober­haupt der Priesterschaft des Jerusalemer Tempels; nur der Hohepriester durfte einmal im Jahr das Allerheiligste des Tempels betreten. Daneben hatte er durch den Vorsitz im Hohen Rat auch große politische Macht. In der Zeit von 18–37 n. Chr. war dies Kaiphas, der von den Römern eingesetzt worden war und sich in seiner langen Amtszeit offenbar gut mit der römischen Besatzung vertrug

Hoher Rat

auch: Synhedrium oder (hebr.) Sanhedrin: oberste religiöse, gerichtliche und politische Behörde des Judentums in der Zeit der römischen Besatzung. Er bestand aus dem sadduzäisch gesinnten Hohepriester, den Pharisäern und den Vertretern des (Laien-)Adels.

Hoheslied (Salomos)

In diesem Buch des Alten Testaments wird die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau besungen. Man kann das Hohelied als ein erotisches Gedicht beschreiben, in dem sich die Sprecher / innen abwechseln: eine Frau, ein Mann sowie ein Art Chor / Zuschauer. Die Bezeichnung Hohelied geht auf Martin Luther zurück, wörtlich übersetzt heißt der hebräische Name dieses Buches »Lied der Lieder«. Als das »Hohelied der Liebe« bezeichnet man 1 Kor 13,1–13.

Homophobie

(griech. homos: gleich; phobos: furcht): Feindseligkeit gegenüber Homosexua­lität und gegen Männer und Frauen mit homosexueller Orientierung

Hymnus

(griech. hymnos: Tongefüge): ein Lob­gesang oder Lobgedicht. Zahlreiche Psalmen und Kirchenlieder sind Hymnen. Heute kennt man den Ausdruck auch durch die Nationalhymne.

Ideologie

Dieser Begriff kann negativ oder neutral verwendet werden. Im negativen Sinn meint Ideologie ein einseitiges, verzerrendes und inte­ressengeleitetes Weltbild, das die Wirk­lichkeit in ein simples Raster von gut / böse, richtig / falsch usw. einteilt (z. B. Faschismus, Kommunismus). Ideologiekritik zielt darauf ab, diese Ver­zerrungen und die dahinterstehenden Inter­essen offenzulegen. Im neutralen Sinn bezeichnet der Begriff die Gesamtheit von Überzeugungen, Nor­men und Zielen eines Individuums oder einer gesellschaftlichen Gruppe, also eine »Weltan­schauung«.

Industrialisierung

oder Industrielle Revolu­tion bezeichnet den Übergang von handwerklicher Arbeit (Manufaktur) zu Arbeits- und Pro­duktionsweisen, die sich auf Maschinen stützen und dadurch eine Massenfertigung von Gütern ermöglichen. Diese von England ausgehenden Pro­zesse setzten sich zu Beginn des 19. Jahr­hunderts auch in Deutschland durch und änderten die bisherige Gesellschaftsordnung grundlegend: Während Fa­bri­kanten zu großem Reichtum kamen, fanden sich Arbeiter in der untersten Klasse der Ge­sellschaft, dem Proletariat, wieder. Armut wurde zu einem Massenphänomen, sichtbar vor allem in Großstädten wie Berlin.

Initiation

ist die Einführung eines Anwärters in eine Gemeinschaft oder in einen neuen Lebens­stand, oftmals in Verbindung mit einem Übergang von einer Lebensphase in eine andere. Sie wird in Form eines festgelegten Ritus (zeremonielle Hand­lung mit fest vorgegebener Ordnung) vollzogen. Christliche Initiationsriten sind beispielsweise Taufe und Konfirmation. Es gibt auch nichtreligiöse Initiationsriten, z. B. Mutproben für die Auf­nahme in eine Jugendbande.

Intakte / zerstörte Kirche

Die Unterschei­dung der evangelischen Landeskirchen in »intakt« und »zerstört« wurde von Vertretern der Bekennenden Kirche zur Zeit des Kirchen­kampfes verwendet. Als »intakt« wurden diejenigen evangelischen Landeskirchen bezeichnet, deren Kirchenleitung nicht mehrheitlich von Deutschen Christen besetzt worden war. Dazu zählten die Landeskirchen Württembergs, Bayerns und Hannovers. »Zerstörte« Landes­kirchen waren demgegenüber jene, in deren Kirchenleitung sich mehrheitlich Vertreter der Deutschen Christen befanden.

Isaak

Im hohen Alter bekommen Sara und Abraham noch einen Sohn, Isaak, von dem in Gen 18-35 erzählt wird. Er gehört zu den Stammvätern Israels. Er und seine Frau Rebekka sind die Eltern der Zwillinge Jakob und Esau.

Ischtar-Tor

Das Ischtar-Tor der Hauptstadt Babylon befand sich am Ende einer großen Prozessionsstraße, die alljährlich im Frühling für das Neujahrsfest benutzt wurde. Es ist der Göttin Ischtar gewidmet, die als Göttin der Liebe, des Krieges und der Fruchtbarkeit neben dem obersten Gott Marduk die Hauptgöttin der Babylonier war. Die Wände des Tors sind mit Tier-Symbolen für wichtige Götter der Babylonier geschmückt. Beide Bauwerke wurden von Nebukadnezar II. errichtet. Das Tor und ein Teil der Prozessionsstraße stehen seit 1930 in einem rekonstruierten Zustand im Pergamon-Museum in Berlin.

Islam

Einen Anhänger des Islam bezeichnet man als Muslim (Plural Muslime; weiblich: Muslimin oder Muslima, Plural Musliminnen oder Muslimas). Muslim leitet sich wie Islam von arabisch aslama (sich unterwerfen, sich [völlig] hingeben, sich ohne Vorbedingung anvertrauen) ab. Ein frommer Muslim ist also jemand, der sich ganz auf den Willen Gottes einlässt und ihm gehorcht. Das Gott-Ergeben-Sein, also »Islam«, zielt sowohl auf den (inneren) Glauben als auch auf die Erfüllung äußerer Pflichten.

Jakob

Sohn von Isaak und Rebekka (Gen 25–50). Er betrügt seinen Zwillingsbruder Esau um den väterlichen Segen und flieht eine Zeitlang von zuhause. Nach einem Kampf mit Gott, der ihn verändert, bekommt er einen neuen Namen: Israel, Gottesstreiter. Von seinen zwölf Söhnen stammen die zwölf Stämme Israels ab.

Jeremia

ein Priestersohn aus der Nähe von Jerusalem, wirkte ca. 627–586. Er interpretierte die kommende Zerstörung Jerusalems als Strafe Gottes, sagte aber auch einen »neuen Bund« mit Gott an. Mehr als andere Prophetenbücher berichtet das Buch Jeremia vom Schicksal und Leiden dieses Propheten, von seinen Kon­flikten mit Priestern und König, aber auch mit seinem eigenen Amt. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jeremiabuch wie andere Prophetenbücher auch aus vielen Quellen zusammengesetzt ist. Die wenigen historischen Worte Jeremias werden schon im Buch selbst vielfach gedeutet und fortgeschrieben.

Jerusalem

wurde von David zur Hauptstadt Israels gemacht; Salomo ließ dort den ersten Tempel bauen. Jerusalem wurde 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört; ein großer Teil der Bevölkerung wurde nach Babylon ins Exil verschleppt. Unter römischer Herrschaft baute Herodes der Große (ca. 73–4 v. Chr.) Jerusalem prachtvoll aus. An den großen Wallfahrts­festen pilgerten die Israeliten nach Jerusalem. Auch Jesus ging zum Pessachfest nach Jerusalem. Dort wurde er gekreuzigt und begraben. 70 n. Chr. wurden Stadt und Tempel von den Römern zerstört. Heute ist Jerusalem heilige Stadt von Juden, Christen und Muslimen; Palästinenser und Juden beanspruchen sie als ihre Hauptstadt.

Jesaja

Das gleichnamige Prophetenbuch besteht aus drei Teilen, die in einem Zeitraum von ca. 400 Jahren entstanden sind: Der erste Teil (bis Kap. 39) enthält Verkündigungen des Propheten Jesaja (berufen ca. 740 v. Chr.) im Umfeld der Assyrischen Krise; der zweite Teil (»Deutero­jesaja«, Kap. 40–55) enthält Trost und Hoffnungs­perspektiven für die Exilierten in Babylon; der dritte Teil (56–66) führt diese Gedanken nach dem Exil fort.

Johannes der Täufer

der Sohn der Elisabeth und des Zacharias, wurde nach biblischer Überlieferung (Lk 1) ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Er kündigte als Umkehrprediger das herbeikommende Gericht Gottes als eine Art großes Vernichtungsfeuer an und forderte die Menschen auf, sich von ihm taufen zu lassen und ihr Leben radikal zu ändern. Auf den Neuanfang weist auch sein Wirkungsort hin: das östliche Jordanufer. Hier, an der Grenze zur Wüste, wo einst die Israeliten nach der Flucht aus Ägypten das gelobte Land betreten haben sollen, lebte er als Asket. Herodes Antipas ließ ihn gefangen nehmen und hin­richten, weil Johannes ihn immer wieder öffentlich kriti­sierte.