Lexikon

Bilderverbot

Das zweite Gebot alttestamentlicher Zählung (Ex 20,4) bezog sich ursprünglich auf die Verehrung fremder Gottheiten. In den Nachbarländern Israels wurden Götter z. B. in Gestalt von Stieren verehrt (darauf spielt die Geschichte vom »goldenen Kalb« an). Im Judentum, im Islam und in einigen christlichen Konfessionen, z. B. der Reformierten Kirche, wird dieses Bilderverbot ganz wörtlich befolgt. In der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche wird das Bilderverbot übertragen verstanden: Es verbietet, Gott auf eine bestimmte Vorstellung festzulegen. Vgl. dazu auch die Zehn Gebote.

Bischof

ist in vielen christlichen Kirchen ein geistlicher Würdenträger, der die Leitung eines bestimmten Gebietes innehat, das zahlreiche Gemeinden umfasst. Katholische Bischöfe sind an der Mitra (Bischofshut), dem Bischofsring, Brustkreuz und dem Bischofsstab zu erkennen. Sie werden vom Papst ernannt. In den evangelischen Landeskirchen wird ein Landesbischof vom Kirchenparlament gewählt. Ihn erkennt man am goldenen Brustkreuz.

Bloch, Ernst

(* 1885, gest. 1977): deutscher Phi­lo­soph jüdischer Herkunft; als sein Hauptwerk und zugleich als Leitmotiv seiner Philosophie gilt das »Prinzip Hoffnung«. Er vertrat einen › Atheismus marxistischer Prägung, doch sah er in den biblischen Traditionen (z. B. in der Exodus­über­lieferung oder im Protest Hiobs) wichtiges Hoff­nungs- und Befreiungspotenzial.

Bodelschwingh, Friedrich von (jun.)

(* 1877; † 1946 jeweils in Bethel) war Pfarrer und Leiter der von seinem Vater gegründeten Von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. 1933 wurde er zum deutschen Reichsbischof gewählt, legte dieses Amt jedoch nieder, als die evangelische Kirche in Preußen von den National­sozialisten unter staatliche Aufsicht gestellt wurde. Vor dem Hintergrund der sog. Euthanasie – der Tötung als lebensunwert betrachteter Men­schen – wurde er entschiedener Gegner der Na­tio­nal­sozialisten und rettete viele geistig und körperlich behinderte Bewohner Bethels vor der Ermordung.

Bodelschwingh, Friedrich von (sen.)

(* 1831 in Tecklenburg; † 1910 in Bethel), war Pfarrer und seit 1872 Leiter der 1867 gegründeten Anstalten für Epilepsiekranke bei Bielefeld. Sein Ziel, durch seine Tätigkeit am Bau des Gottes­reiches mitzuarbeiten, wird auch im Namen der Anstalt deutlich, die seit 1874 »Bethel«, d. h. Haus Gottes, heißt. Durch gute Beziehungen und geschickte Mittelbeschaffung z. B. durch den gezielten Aufbau von sog. Pfennigvereinen zum Spen­den­sammeln, sorgte er für ein rasches Wachstum der Einrichtung, die bald zum größten Hilfswerk der Inneren Mission, also der diakonischen Einrichtungen der evangelischen Kirche in Deutschland, und in ihrer inneren Orientierung zum Modell für viele Fürsorgeeinrichtungen wurde. Beispiels­weise wurde durch Arbeitstherapie das Selbst­wert- und Gemeinschaftsgefühl der Kranken gestärkt und der Kontakt zu Gesunden gefördert. Heute sind die nach ihm benannten von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel mit ihren Einrichtungen im Bereich der Alten-, Behin­derten- und Jugendhilfe, des Hospiz­dienstes, der Psychiatrie und der Behandlung von Menschen mit Hirnschädigungen die größte diakonische Ein­richtung in Europa und führend in der Be­handlung und Erforschung der Epilepsie.

Bolschewismus

eine radikale revolutionäre Richtung des Kommunismus unter der Füh­rung Lenins. Mit der Revolution 1917 übernahmen die Bolschewisten die Macht in Russland, der Bol­schewismus wurde zur Staatsideo­logie der 1922 von den Bolschewisten gegründeten Union der Sozialistischen Sowjetrepub­liken (UdSSR). Vor allem die Nationalsozialisten (Nationalsozialismus) verwendeten »Bolschewismus« später als Kampfbegriff gegen sämtliche kommunistischen Parteien in Europa.

Bonhoeffer, Dietrich

(* 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg) war ein evangelischer Theologe, der sich im »Dritten Reich« aktiv am Widerstand gegen Adolf Hitler und dessen Diktatur (siehe Nationalsozialismus) beteiligte. Am 5. April 1943 wurde er deshalb verhaftet und kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Viele Menschen kennen sein Gedicht »Von guten Mächten wunderbar geborgen« (EG 65 und 637), das er im Gefängnis für seine Verlobte schrieb.

Bora, Katharina von

war die Ehefrau Martin Luthers. 1499 geboren, stammte sie aus einer Familie des sächsischen Landadels. Ihr Vater gab sie Ende 1504 zur Erziehung zunächst in ein Benediktinerinnenkloster, später in ein Kloster der Zisterzienserinnen. Dort erlernte sie lesen, schreiben, singen, etwas Latein und lernte die betriebswirtschaftlichen Abläufe der Landwirtschaft kennen. 1515 legte sie ihr Gelübde als Nonne ab. Bald darauf las Katharina mit ihren Ordens­schwestern die ersten Schrif­ten Martin Luthers. Sie beschlossen gemeinsam aus dem Kloster zu fliehen und baten dafür Martin Luther um Hilfe. Ostern 1523 gelang die Flucht. Da die Frauen nicht nach Hause zurück konnten, brachte Luther sie in Wittenberg bei Freunden unter und vermittelte ihnen »ehrenwerte Männer«. 1525 heirateten Katharina und Martin Luther. Von den sechs in den Jahren 1526 bis 1534 geborenen Kindern starben zwei früh. Katharina prägte als überaus tüchtige Hausfrau, Gärtnerin, Bäuerin, Wirt­schaf­terin, Bierbrauerin, Imkerin und Gastge­be­rin eines offenen Pfarrhauses das Bild der evangelischen Pfarrfrau bis heute. Martin Luther schätzte und liebte seine Frau sehr und setzte sie in seinem Testament viel weitreichender als seine Erbin ein als zur damaligen Zeit üblich und zulässig. 1552 starb sie, sechs Jahre nach ihrem Mann.

Buber, Martin

(* 1878 in Wien, gest. 1965 in Jerusalem) war ein bedeutender jüdischer Religionsphilosoph, der sich in seinen Schriften mit der Religion und Geschichte des Judentums befasste und zusammen mit Franz Rosenzweig eine moderne Übersetzung der hebräischen Bibel verfasste. Er trat für ein friedliches Zusammen­leben in Palästina ein.

Buchdruck

wird Mitte des 15. Jahrhunderts vor allem von Johannes Gutenberg erfunden. Der Buchdruck löst das mühsame Abschreiben in den Klöstern ab und ermöglicht die rasche Verbreitung von Luthers Schriften und seiner deutschen Bibel.

Buchholz, Quint

(*1957) ist ein bekannter deutscher Illustrator und Buchautor, dessen Werke in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden und zahlreiche Preise erhalten haben. Er illustrierte auch viele Kinder- und Jugendbücher wie etwa »Sofies Welt«. 2010 erschien »Die Bibel in Bildern von Quint Buchholz«. Hierfür hat er teils schon zuvor gemalte Bilder mit bestimmten biblischen Geschichten verknüpft, teils neue Bilder gemalt. Sein Ziel ist es, einen Raum zu öffnen und zu eigenen Entdeckungsreisen durch die Geschichten der Bibel anzuregen.

Bund

Die Bibel erzählt, dass Gott mit den Menschen eine Beziehung eingeht, sich mit ihnen verbindet. Das Alte Testament berichtet von Bundesschlüssen Gottes mit einzelnen Menschen: mit Noah, Abraham, Mose und David. Die Propheten klagen die Menschen an, dass sie diesen Bund immer wieder brechen, doch sie machen auch Hoffnung auf einen »neuen Bund« (Jer 31,31–34). Christen sehen diese Hoffnung in Jesus Christus erfüllt (Neues Testament = Neuer Bund).

Bundeslade

(auch: Lade Gottes): Nach Ex 25 war die Bundeslade ein vergoldeter Kasten aus Akazienholz, der an zwei Stangen getragen wurde. Auf ihrem Deckel standen zwei goldene Cheruben (Wächterengel). Im Inneren der Bundeslade befanden sich die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Für die Israeliten war die Lade ein Zeichen für die Anwesenheit Gottes. Sie wurde von David nach Jerusalem gebracht und später von Salomo im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt. Wahrscheinlich ging sie mit der Plünderung Jerusalems durch die Babylonier verloren.

Bürgerrecht, römisches

Wenn man das römische Bürger­recht innehatte, durfte man wählen, sich selbst wählen lassen und war zum Kriegs­dienst verpflichtet. Es schützte ferner vor einer harten Rechtssprechung. Insofern kam es auch dem Apostel Paulus zugute.

Bush, George W.

war 2001–2009 Präsident der USA. In seine Amtszeit fielen die Terror­anschläge des 11. September 2001 und – als Reak­tion darauf – Kriege in Afghanistan und im Irak.

Caritas

(lat.: Liebe, Nächstenliebe): eine in vielen Ländern tätige soziale Hilfsorganisation der katholischen Kirche, die - ähnlich wie auf evangelische Seite die Diakonie - Hilfe für in Not geratene Menschen gewährt.

Chanukka

das jüdische Lichterfest, dauert acht Tage und feiert den Triumph des Lichtes über die Dunkelheit: An jedem der Tage wird abends jeweils ein Licht mehr an dem Leuchter angezündet. Das neunte Licht ist der »Diener«, an dem die anderen Kerzen angesteckt werden. Das Fest erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 165 v. Chr. Nach jüdischer Legende war in dem Tempel nur noch ein kleiner Krug mit Öl, das nicht verunreinigt worden war, zu finden. Dennoch reichte dieses wenige Öl auf wundersame Weise so lange, bis neues Öl zubereitet werden konnte, nämlich acht Tage lang.

Charismatisch

nennt man Glaubensbewe­gun­gen, die besonders das Wirken des Heiligen Geistes und seine Gaben (griech. charisma: geschenkte Gabe) betonen. Paulus spricht von Charismen, wenn er besondere Gaben des Hei­ligen Geistes meint, wie Zungenreden, Heilen usw. oder die wichtigsten Gaben Gottes: Ver­trauen, Liebe und Hoffnung

Christus

bedeutet der »Gesalbte« und ist die griechische Übersetzung von Messias. Das Wort ist also kein Nachname, sondern bedeutet, dass Jesus der Messias ist, der im Alten Testament verheißen wird.

Compassion

(engl., von lat. compassio) bedeutet zunächst Mitleid, Mitgefühl, doch schwingen hier auch »Passion«, »Leidenschaft« mit: aktive, solidarische Mit-Leidenschaft. Unter dem Begriff »Compassion« werden an vielen Schulen Sozial­praktika durchgeführt.

Cranach, Lucas der Ältere

(*1472 in Kronach, † 1553 in Weimar) ist einer der berühmtesten protestantischen Maler. Er war mit Martin Luther und Philipp Melanchthon befreundet. Er fertigte viele Holzschnitte und Bilder zur Bibel und für Reformationsschriften an, um die Anliegen Luthers mithilfe von Bildern zu verdeutlichen.

Credo

(lat.: ich glaube) nennt man das Glaubensbekenntnis der Christen. Es fasst die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens zusammen und ist – im Gottesdienst gesprochen – zugleich das persönliche Bekenntnis, zur Ge­meinschaft der Christen dazuzugehören. Die wichtigsten Bekenntnisse sind das Apos­tolische und das Nizäno-Konstan­tinopo­li­ta­nische Glau­bens­bekenntnis. Sie gelten in allen christlichen Konfessionen und gehen zurück auf die Tauf­bekenntnisse in der Alten Kirche.

David

regierte von ca. 1004–965 v. Chr. als König über Israel. In der Erinnerung der Juden und Christen ist er der wichtigste König Israels – einerseits, weil er das Großreich Israel mit dem politischen und religiösen Zentrum Jerusalem geschaffen hat, vor allem aber auch deshalb, weil nach prophetischer Verheißung aus seinem Stammbaum der Messias hervorgehen soll. Die Bibel berichtet aber auch davon, dass er seine Macht missbraucht hat.

DDR

von 1949 bis 1990 war Deutschland geteilt in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Die DDR, die auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone gegründet worden war, verstand sich als sozialistischer Staat. Sie wurde nicht demokratisch regiert, sondern es bestand eine Diktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Wesentliche Grundrechte wie das Recht auf Meinungs- und Reisefreiheit wurden nicht gewährt, die Menschen wurden mit Hilfe des umfangreichen Überwachungsapparats des Ministeriums für Staats­sicherheit (Stasi) kontrolliert. Aufgrund der friedlichen Revolution 1989 wurde die Berliner Mauer am 9. November 1989 geöffnet. Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt.

Diana

war in der römischen Mythologie die Göttin des Mondes und der Fruchtbarkeit, Be­schüt­zerin der Frauen und Mädchen. Sie war Helferin bei der Niederkunft, hatte jedoch auch Züge einer Todesgöttin. Sie ging aus Jupiters Ver­bindung mit Latona hervor und war die Schwester des Apollo. Sie blieb Jungfrau und vermählte sich nicht.

Diskriminierung

(lat. discriminare, absondern, unterscheiden): herabsetzen, benachteiligen, ungleich behandeln

Doppelgebot der Liebe

 Jesus fand in seiner Bibel, dem Alten Testament, das Gebot, Gott über alles zu lieben (Dtn 6,5), und das Gebot, den Anderen, den Nächsten, zu lieben wie sich selbst (Lev 19,18). Für ihn gehörten diese beiden Gebote zusammen (Lk 10,27); in ihnen sind alle anderen Gebote und Regeln enthalten.