Lexikon

Taizé

An die 200.000 junge Menschen aller Konfessionen und Nationalitäten kommen alljährlich zu Jugendtreffen nach Taizé in Frankreich. Sie werden von der ökumenischen Ordensgemein­schaft von Taizé eingeladen, mit ihnen zusammen zu beten und zu singen, sich Zeit für Stille und persönliches Nachdenken zu nehmen, sich mit biblischen Texten auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, wie christliche Lebensgestal­tung konkret im Alltag aussehen kann. Andachten mit meditativen Gesängen aus Taizé werden mittlerweile in vielen Gemeinden in Deutschland gefeiert.

Tasbih

nennt man eine islamische Gebetskette, vergleichbar dem katholischen Rosenkranz; 99 (manchmal auch 33) Perlen stehen für die 99 Namen Gottes.

Taufe

Die Taufe ist ein Sakrament, durch das der Täufling in die christliche Gemeinde aufgenommen wird. Sie wird durch dreimaliges Begießen des Kopfes mit Wasser oder Untertauchen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen. Dazu kommt das Bekenntnis des Glaubens durch den Täufling, das bei der Taufe eines Säuglings die Eltern und Paten bzw. Patinnen stellvertretend sprechen. Die Taufe ist einmalig und wird von allen christlichen Konfessionen anerkannt. Sie ist ein Geschenk Gottes, in ihr wendet sich Gott dem Menschen bedingungslos zu.

Tempel

Der Tempel in Jerusalem bildete über ein Jahrtausend das Zentrum jüdischen Lebens und Glaubens. Er war der Lebensmittelpunkt des Volkes, diente der Versammlung zum Gottesdienst und wurde für die täglichen Opfergaben genutzt. Er galt als sichtbares Zeichen für Gottes Gegenwart, da dieser nach jüdischer Vorstellung im Allerheiligsten wohnt. Der erste Tempel wurde von Salomo vermutlich im Jahr 961 v. Chr. erbaut, 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört, ab 520 v. Chr. als zweiter Tempel wieder aufgebaut, bis ihn 70 n. Chr. die Römer endgültig zerstörten. Nur ein Teil der westlichen Stützmauer steht heute noch und ist unter dem Namen »Klagemauer« bekannt. Sie gilt heute als der heiligste Ort des Judentums.

Tempelschatz

Er enthielt die heiligen Gerät­schaften, die zum Teil aus Gold und Silber waren, die Tempelsteuer, die jeder über 20-jährige Jude jährlich entrichtete, und wertvolle Ge­schenke. Der Tempelschatz wurde im Laufe der Geschichte immer wieder geplündert.

Teufel

(griech. diabolos: »Durcheinanderwerfer«, »Verleumder«): Viele Religionen kennen einen Glauben an eine böse Macht und versuchen so das Böse in der Welt zu erklären. Manchmal wird diese böse Macht als Gegenspieler im Streit mit einer guten Macht vorgestellt (Dualismus, von lat. duo: zwei), manchmal der guten Macht untergeordnet, manchmal als von der guten Macht bereits besiegt gesehen. In der Religionsgeschichte wurden ihr viele Namen gegeben, die dann auch Unter­schied­liches bedeuten können: Satan (hebr.: Wider­sacher), Beelzebub (hebr. baal zebub: Flie­gengott, Name einer aus israelitischer Sicht feindlichen kanaanäischen Gottheit), Lucifer (lat.: Lichtträger, nach dem Mythos ein gefallener Eng­el, Jes 14,12). Viele weitere Namen und Symbole entstanden im Volksmund. Das Symbol »666« entstammt der Offenbarung des Johannes (Offb 13,18) und soll wahrscheinlich auf Kaiser Nero, einen Verfolger der ersten Christen hinweisen. Im Alten Testament ist Jahwe die Ursache für gutes wie böses Geschehen. Sehr selten und in sehr spät entstandenen Schriften ist dort auch von Satan die Rede. Wahrscheinlich ist die Vorstellung einer bösen Gegenmacht aus benachbarten Reli­gionen eingeflossen. Man kann sich vorstellen, dass der Gedanke, das Böse sei nicht das Werk des einen Gottes, sondern stamme von einer bösen Gegenmacht, immer wieder einleuchtend erschien. Im Hiobbuch oder in Sach 3,1 gehört allerdings Satan zum Hofstaat Jahwes und tritt dort als Ankläger auf. Nur in 1 Chr 21 ist Satan ein von Jahwe gelöster böser Dämon. Im Neuen Testament wird immer wieder mit dem Teufel gerechnet. Er ist dort der böse Herrscher der von Gott abgefallenen Welt, wurde aber von Christus besiegt (Mt 4). In der Kirchengeschichte dagegen gab es immer wieder Epochen großer Teufelsangst, die dann oft zu schrecklichen Auswüchsen führte (Inquisition, Hexenverfolgung). Die heutige evangelische Theologie hat kein großes Interesse an der Figur des Teufels. Manchmal wird seine Bedeutung als Symbol für das Böse in der Welt gesehen, das um der Opfer willen nicht schön oder klein geredet werden darf. Vor allem aber wird betont, dass Christen an Christus glauben und sie darum der Teufel nicht schert. Der Satanismus heute nimmt die alten, sehr unterschiedlichen Gedanken, Bilder und Mythen auf und formt sie in eigene Lehren um.

Theodizee

(Kunstwort aus griech. theos: Gott und dikaios: gerecht, Rechtfertigung Gottes) versucht eine gedankliche Auflösung des Wider­spruchs zwischen dem Glauben an den einen allmächtigen und gütigen Gott auf der einen Seite und dem erfahrenen Leiden und Bösen in der Welt auf der anderen Seite. Die klassische For­mulierung des Widerspruchs lautet: Ange­sichts des Leidens in der Welt kann ein gütiger Gott nicht allmächtig oder ein allmächtiger Gott nicht gütig sein. In der Neuzeit versuchte der Philosoph Leibniz eine Lösung, indem er diese Welt als die beste aller möglichen Welten voraussetzte. Die­sem Versuch widersprach Immanuel Kant auch unter dem Eindruck des katastrophalen Erd­bebens von Lissabon 1755, bei dem bis zu 100.000 Menschen umkamen: Die Rechtfertigung Gottes ist »die Sache unserer anmaßenden, hierbei aber ihre Schranken verkennenden Vernunft«. Die gegenwärtige Theologie folgt eher Kant und verweist darauf, dass es nicht im Vermögen des Menschen liegen kann, Gott zu rechtfertigen. Der Glaube an Gott wird die Frage gar nicht beantworten wollen, sondern hütet sich vor zwei Ver­su­chungen: dem Leid einen vorschnellen Sinn geben zu wollen (und es darin nicht wirklich ernst zu nehmen) oder die Frage nach einem Sinn ganz aufzugeben (und darin zu verzweifeln oder zynisch zu werden).

Tischendorf, Konstantin von

 (*18. Januar 1815 in Lengenfeld (Vogtland), † 7. Dezember 1874 in Leipzig), evangelischer Theologe. Er entdeckte auf Reisen in Europa und im Orient viele alte Handschriften des Neuen Testaments, darunter im Katharinenkloster auf dem Sinai den »Codex Sinaiticus«, den er 1862 herausgab.

Tora

Das Wort bedeutet wörtlich Lehre, Wegweisung, Lebensorientierung und meint vor allem die ersten 5 Bücher Mose. Diese enthalten die verbindliche Gesetzesüberlieferung, wobei es neben dieser »schriftlichen« auch eine »mündliche« Tora (Mischna) gibt. Juden betrachten das Gesetz nicht als Zwang, sondern als Lebenshilfe, als Geschenk Gottes, der sein Volk aus Ägypten befreit hat und der die Frei­heit aller Menschen will.

Totalitarismus / totalitär

nennt man eine diktatorische Herrschaftsform, die den Ein­zel­nen uneingeschränkt zu beherrschen und ihn in seiner Gesamtheit zu vereinnahmen versucht. Sie gründet sich auf eine bestimmte Ideologie, der sich alle Mitglieder der Gesellschaft zu unterwerfen haben. Oppositio­nelle Kräfte werden systematisch ausgeschaltet. Ziel totalitärer Herrscher ist die uneingeschränkte Kontrolle aller gesellschaftlichen Bereiche einschließlich der Massen­kom­mu­ni­ka­tionsmittel.

Trinitatiskreis

Das Wort bedeutet wörtlich Lehre, Wegweisung, Lebensorientierung und meint vor allem die ersten 5 Bücher Mose. Diese enthalten die verbindliche Gesetzesüberlieferung, wobei es neben dieser »schriftlichen« auch eine »mündliche« Tora (Mischna) gibt. › Juden betrachten das Gesetz nicht als Zwang, sondern als Lebenshilfe, als Geschenk Gottes, der sein Volk aus Ägypten befreit hat und der die Frei­heit aller Menschen will.

Tutu, Desmond

* 1931 in Klerksdorp, Süd­afrika, ehemaliger anglikanischer Erzbischof; für seinen Einsatz gegen die Rassenpolitik in Süd­afrika erhielt er den Friedensnobelpreis; er setzt sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Dis­kriminierung in der ganzen Welt ein.