Lexikon

Sadduzäer

eine religiös-politische Gruppe im Judentum, die sich um 200 v. Chr. herausbildete und vor allem einflussreiche und wohlhabende Kreise der Bevölkerung umfasste: reiche Landbesitzer, Kaufleute, Tempelpriester (Priester) und Leviten. Sie waren im Hohen Rat (Staatsrat) vertreten und glaubten z. B. im Gegensatz zu den Pharisäern nicht an die Auferstehung der Toten. Außerdem sahen sie sich als Bewahrer der alten Ordnungen, waren also nicht sonderlich an Veränderungen inte­ressiert.

Sakramente

sind kirchliche Handlungen, durch die Menschen in besonderer Weise die Gegenwart Gottes, seine Liebe und Zuwendung erfahren können. Die römisch-katholische Kirche hat im Mittelalter die Zahl von sieben Sakramenten festgelegt: Taufe; Eucharistie; Buße / Beichte; Firmung; Ehe; Krankensalbung /letzte Ölung; Weihe der Diakone, Priester und Bischöfe. Dagegen beschränken sich die evangelischen Kirchen auf die zwei Sakramente, die nach Aussage der Bibel von Jesus Christus selbst eingesetzt und mit einer Heilsverheißung und einem Ritus verbunden worden sind: Taufe und Abendmahl. Vor allem beim Abendmahl gibt es unter den Gläubigen wie auch unter den verschiedenen Kirchen unterschiedliche Vor­stellungen, wie und wodurch Jesus Christus in diesem Sakrament gegenwärtig ist. Einig sind sich aber alle darin, dass Menschen durch die sichtbaren Zeichen (Brot und Wein) und die dazu gesprochenen Worte etwas spüren können von der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Sie können daraus Kraft und Hoffnung schöpfen für ihr Leben in der Welt.

Sara

(urspr. Sarai) hieß die Ehefrau Abrahams. Von ihr wird im Buch Genesis erzählt, dass sie erst im hohen Alter ihren Sohn Isaak bekam.

Schabbat

(auch: Sabbat): Zur Erinnerung an Gottes Ruhe am siebten Schöpfungstag und an die Befreiung aus Ägypten feiern Juden den siebten Tag der Woche als Ruhe- und Freuden­tag. An diesem Tag soll nicht »gearbeitet«, d. h. in Gottes Schöpfung eingegriffen werden, sondern es soll ein Tag des Gebets, der Gemeinschaft und der Freiheit sein – ein Vorgeschmack auf das Reich Gottes.

Schahada

das muslimische Glaubensbekenntnis, lautet: »Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und dass Muhammad sein Gesandter ist.« Es begleitet muslimische Männer und Frauen von der Geburt bis zum Tod. Wer zum Islam übertritt (Konvertit), muss es vor Zeugen sprechen.

Schalom

(hebräisch) wird meist mit Friede übersetzt, bedeutet aber mehr als das, was wir normalerweise unter Friede verstehen. Schalom wird als eine Gabe Gottes an die Menschen angesehen und umfasst neben Frieden zum Beispiel auch Gerechtigkeit, Freiheit und Glück. Schalom bezeichnet also ein rundum gutes und gelingendes Leben. Dies wünscht man auch, wenn man jemanden mit »Schalom« grüßt.

Schawuot

Wochenfest) ist im Judentum das »Fest der ersten Feldfrüchte«. Vor allem aber erinnert man sich an diesem Tag an die Offenbarung der Zehn Gebote auf dem Berg Sinai. Zusammen mit Pessach und Sukkot (dem Laubhüttenfest) gehört es zu den Wallfahrtsfesten, also zu den Festen, die zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen wurden.

Schilfmeer

Der Ort, an dem Israel seine grundlegende Erfahrung der Befreiung macht, ist jedenfalls nicht das »Rote Meer«, wie manche denken. Man weiß nicht, wo dieses »Meer« liegt, so wie man nicht weiß, welche Route die Israeliten durch die Wüste genommen haben.

Schoa

(auch Shoah, hebr.: großes Unheil, Katastrophe, Verwüstung, Zerstörung) bezeichnet den Versuch, die Vernichtung von über 6 Mil­lio­nen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten auf einen Begriff zu bringen. Er wird von vielen als angemessener angesehen als der oft synonym verwendete Begriff Holocaust, da damit nach 1 Mose 22 und 3 Mose 1 ein »Ganz­opfer« bzw. »Brandopfer« gemeint ist. Somit unterstelle die Bezeichnung Holocaust indirekt einen positiven religiösen Sinn des Geschehens, kennzeichne die ermordeten Jüdinnen und Juden ausschließlich als wehrlose Opfer und übernehme damit die Perspektive der Täter.

Scholl

Die Geschwister Hans (* 1918) und Sophie (* 1921) Scholl gehörten während des 2. Weltkriegs der studentischen Widerstandsgruppe »Weiße Rose« an. Beim Verteilen von Flugblättern gegen das nationalsozialistische Regime wurden sie am 18. Februar 1943 in der Münchner Universität verhaftet; vier Tage später wurden sie hingerichtet.

Schriftgelehrte

waren in neutestamentlicher Zeit eine einflussreiche Gruppierung, die als Schriftkundige, -forscher und Kommentatoren der jüdischen Überlieferung zu den Lehrern des Volkes wurden. Wer selbst ein Schrift­gelehr­ter werden wollte, musste lange und gründ­lich studieren (Priester wurde man durch Geburt). Zur Zeit Jesu waren Hillel und Schammai die beiden wichtigsten Schul­ober­häupter unter ihnen. Da das jüdische Gesetz für alle Lebensbereiche wichtig ist, hatten die Schriftgelehrten auch richterliche Befugnisse. Die meisten Schriftgelehrten waren Pharisäer.

Sekte

(lat. secta: Richtung; oder sequi: folgen; oder secare: abschneiden) bezeichnet ursprünglich die Abspaltung einer Religion von ihrer Mut­terreligion. Da der Begriff heute als zu allgemein oder abwertend empfunden wird, werden neutralere und besser zutreffende Begriffe wie »neureligiöse Bewegung« oder »religiöse Sonder­ge­mein­schaft« gesucht. Manchmal wird vorgeschlagen, dann von »versektet« zu sprechen, wenn der religiösen Gruppierung bestimmte Kriterien anhaften, wie z. B. dass die Mitglieder schwer austreten können, sie von anderen Men­schen abgesondert werden, die Lehren sich nicht der öffentlichen Diskussion stellen, die Gemein­schaft eine abgeschottete Welt in der Welt formt usw.

Septuaginta

griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel: Sie entstand ca. 250–100 v. Chr. im hellenistischen Judentum (Alexandria) und war die Fassung der Bibel, die den ersten Christen vorlag.

Sexistisch

nennt man Denk- und Verhaltens­weisen, die einen Menschen wegen seines Ge­schlechts abwerten oder benachteiligen.

Sinai

oder auch Horeb heißt in der Bibel der Berg der Gottesbegegnung: Hier offenbarte sich Gott Mose am brennenden Dornbusch, hier übergab er ihm die Zehn Gebote. Heute bezeichnet man mit »Sinai« sowohl die Halbinsel am Roten Meer als auch die dort gelegene Wüste als auch den Berg Dschebel Musa (»Mosesberg«) im heutigen Ägypten, an dessen Fuß das berühmte Katharinenkloster liegt.

Sinn- und Sachfragen

Fragen haben meist Sachverhalte und Abläufe in der Welt zum Gegen­stand. Sie können aber auch auf etwas abzielen, zu dessen Erklärung man sich auf das Weltganze – auf das eigene Weltbild, auf einen möglichen Sinn der Welt – beziehen muss. Zur Unterscheidung spricht man im ersten Fall von Sachfragen (z. B.: Wie ist der Mensch entstanden?), im zweiten von Sinnfragen (z.B.: Warum gibt es den Menschen?). Sinnfragen können prinzipiell nicht abschließend geklärt, aber mit Blick auf mögliche Konsequenzen sehr wohl diskutiert werden. Allerdings kann man Sinn- und Sachfragen nicht immer auf den ersten Blick auseinanderhalten. Die Frage, warum ein Unfall passiert ist, kann z. B. darauf abzielen, wie der Unfallhergang im Einzelnen war (Sach­frage), oder darauf, warum dieser Unfall jemandem passieren musste, den man kennt (Sinnfrage). Ein anderes Problem entsteht, wenn naturwissenschaftliche Theorien (Naturwissenschaft(en)) über den wissenschaft­lichen Rahmen hinaus Spekulationen über das Weltganze anstellen und somit die Grenze zwischen Sach- und Sinnfragen verwischen, ohne dies zu benennen. Dies gilt umgekehrt auch für religiöse Vorstellungen, die etwa aus Mythen Aussagen über das Wie des Ablaufs der Entstehung der Welt machen wollen.

Sinus Studie

Das Sinus-Institut in Heidelberg erforscht die Lebenswelten der Menschen heute; dazu werden regelmäßig Studien zu unterschiedlichen Themenbereichen in Auftrag geben. Viel diskutiert wurde die Jugendstudie 2012, in der der große Leistungsdruck, unter dem Jugendliche stehen, thematisiert wurde.

Sirach

das apokryphe (alttestamentliche) Buch Jesus Sirach, entstanden vermutlich um 175 v. Chr., gehört zur Weisheitsliteratur.

Sohn Davids

Wenn der blinde Mann in Jericho Jesus mit diesem Namen anspricht (Mk 10,47), wenn Matthäus sein Evangelium mit einem Stammbaum beginnt, der über David zu Josef führt und wenn Lukas die Geburt Christi in Bethlehem stattfinden lässt, dann wird damit ausgedrückt, dass in Jesus der erwartete Messias aus der Nachkommenschaft (dem »Haus«) Davids gekommen ist.

Sohn Gottes

Mit dieser aus dem Credo vertrauten Bezeichnung Jesu ist zunächst nicht eine biologische Abstammung gemeint, sondern im Sinne der jüdischen Tradition eher eine besonders enge Zugehörigkeit: Gott und Jesus gehören zusammen. Jesus selbst hat diesen Titel für sich nicht beansprucht, wenn auch die Anrede »Abba« (Papa) seine vertrauensvolle Beziehung zu Gott zeigt. Er wollte jedoch alle Menschen einladen, sich als Kinder Gottes zu verstehen (»Vater unser«). Erst nach Ostern wurde der Titel von den Christen exklusiv auf ihn bezogen. Im Zuge der Ausbreitung des Christentums in der griechisch-römischen Welt (wo man Göttersöhne von altersher kannte, vgl. die Geschichten von Zeus) wurde Jesu Gottes­sohnschaft mehr und mehr im Sinne einer besonderen Abstammung (Jungfrauen­geburt) verstanden. (Hoheitstitel)

Sozialismus

Der Sozialismus entstand als Denkrichtung im 19. Jahrhundert in der kritischen Ausei­nan­dersetzung mit dem Kapitalismus. Seine Ziele bestehen in der Beseitigung sozialer Gegensätze, der Errichtung einer solidarischen Gesellschaft und der Entwicklung einer gerechten, nicht-kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Um dies zu erreichen, sollen Produktionsmittel verstaatlicht und das Privateigentum an ihnen verboten werden.

Spirituals

nennt man die Lieder der schwarzen Sklaven Amerikas; darin gaben sie ihrer Sehnsucht nach Freiheit Ausdruck. Aus den Spirituals entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts die »black gospels«, die oft von einer Jazzband begleitet waren. Gospelchöre gibt es heute auch bei uns in vielen Gemeinden.

Stoiker

sind Philosophen, die inneren Seelen­frieden durch Leidenschaftslosigkeit und Selbst­beherrschung anstreben. Im Gegensatz zu den Epikureern sehen sie in der Fähigkeit zum Ver­zicht auf Bedürfnisse und in der Orientierung an der natürlichen Ordnung der Welt und des eigenen Platzes in dieser Ordnung einen Weg, dieses Ziel mithilfe der Vernunft zu erreichen. Als einen stoischen Menschen bezeichnet man entsprechend jemanden, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Storyboard

Das Storyboard ist die gezeichnete Umsetzung eines Drehbuches. In ihm sind die Vorgaben des Regisseurs und des Kamera­manns zu allen Filmszenen skizziert, damit beim Dreh nichts dem Zufall überlassen bleibt. Es hält z. B. die Größen des Bildausschnittes, die Blickwinkel oder auch Bewegungen der Schau­spieler fest.

Stuttgarter Schulderklärung

wird die Er­klärung führender Vertreter der Bekennenden Kirche genannt, die das Versagen der evangelischen Kirche während der NS-Zeit zum Aus­druck bringen sollte. Sie wurde am 19. Oktober 1945 verlesen. Darin heißt es: »Durch uns ist unendliches Leid über viele Länder und Völker gebracht worden. [...] Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewalt­regi­ment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.« Obgleich hier eine eigene Schuld nur relativ vorsichtig angedeutet wird, löste die Veröffentlichung in Deutschland Empörung und Ablehnung aus.

Sukkot

das Laubhüttenfest, bei dem Juden in selbstgebauten provisorischen Hütten wohnen, durch deren Dach man den Himmel sieht – zur Erinnerung an die Zeit der Wüsten­wan­derung und als Zeichen dafür, dass das Leben unsicher und in Bewegung ist und dass die Menschen auf Gottes Güte angewiesen sind. Das Fest ist zugleich Erntedankfest.

Sunniten und Schiiten

sind weltweit die beiden Hauptrichtungen im Islam. Die Sunniten, welche zahlenmäßig die große Mehrheit bilden (fast 90 Prozent; in manchen Ländern, v. a. Irak, sind allerdings Schiiten in der Mehrzahl), nehmen neben dem Koran auch die Sunna (die mündliche Überlieferung von Leben, Wirken und Aus­sprüchen Muhammads) als Glaubensquelle an. Sie erkennen auch die Kalifen als Glaubens­führer an, die nicht der direkten Nachkommen­schaft Mu­ham­mads entstammen. Schiiten akzeptieren hingegen einzig Nachkommen von Muhammads Vetter Ali als religiöse Führer (Imame). Die meis­ten Muslime in Deutschland sind Sunniten; die zweitgrößte Gruppierung bilden die Aleviten.

Symbol

(griech.: Bild, Sinnbild, Zeichen) Zeichen, Dinge, Worte oder Handlungen, deren Bedeutung über das, was man im ersten Moment sieht oder hört, hinausreicht, nennt man Symbole. Hinter der äußeren, sichtbaren Gestalt eines Symbols gibt es eine andere, unsichtbare Wirklichkeit, die wir nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen wahrnehmen und/oder dem Verstand zu erschließen versuchen. Ein Tisch ist beispielsweise in seiner sichtbaren Gestalt ein Möbelstück, das aus einer Platte und einem oder mehreren Beinen besteht. Er kann aber mehr sein – ein Treffpunkt, wo sich die Familie und Freunde versammeln, miteinander essen und reden. Für diese Familie ist ihr Esstisch zu einem Symbol für Gemeinschaft geworden. Weil es in den Religionen immer auch um eine Wirklichkeit geht, die man nicht unmittelbar sehen kann, spielen hier Symbole eine besonders große Rolle.