Lexikon

Palästina

ist wie Kanaan eine Bezeichnung für Gebiete des heutigen Israel und Jordaniens. Der Name, der ursprünglich »Philisterland« bedeutet, stammt vom römischen Kaiser Hadrian, der die Provinz Judäa nach der Niederschlagung des letzten jüdischen Aufstands 135 n. Chr. in Palästina umbenannte. Heute bezeichnet man als Palästinenser die arabischen Bewohner der von Israel besetzten Gebiete (Ostjerusalem, Westjordanland, Gazastreifen).

Paradies

In vielen Religionen stellt das Paradies einen Ort des Glückes (Glückseligkeit) dar, an dem sich die Menschen entweder am Anfang der Zeit befunden haben oder am Ende der Zeit befinden werden. Wenn der Garten Eden in Gen 2 als Paradies (hebr. eden: Wonne) bezeichnet wird, meint man das verlorene Paradies. Die Bezeichnung kann aber ebenso Gottes neue Welt meinen, in der die Menschen ewiges Glück, Ruhe und Frieden, also umfassendes Heil finden werden. – Es gibt daneben auch eine nicht religiöse Verwendung, welche die mit dem Wort Paradies verbundenen positiven Vorstellungen nutzt, z. B. wenn vom »Urlaubsparadies« die Rede ist.

Passion

(lat. passio: Leiden) bezeichnet die Leidensgeschichte Jesu. Die vier Evangelien erzählen vom Leiden und Sterben Jesu, beginnend mit seinem Einzug in Jerusalem bis zu seiner Gefangennahme, Kreuzigung und Grab­legung. Die Passionszeit nimmt ihren Anfang mit dem Aschermittwoch und dauert bis Karsamstag. Die entsprechenden Berichte der Evangelien nennt man die Passionsgeschichten. Ihre musikalischen Vertonungen (z. B. von Hein­rich Schütz oder Johann Sebastian Bach) werden ebenfalls Passion genannt. In der All­tagssprache kann das Wort auch »Leidenschaft« oder »starke Vorliebe« bedeuten.

Passionszeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit zur Vorbereitung auf das Osterfest. Die Zahl 40 hat dabei symbolischen Charakter. Viele Men­schen nehmen sich während dieser sieben Wochen vor Ostern Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet und / oder verzichten freiwillig auf liebgewordene Gewohnheiten wie Süßigkeiten, Alkohol, Rauchen und Fernsehen.

Patriarchal

oder patriarchalisch (von lat. pater Vater und griech. arche Herrschaft) nennt man eine Gesellschaftsordnung, die von Männern bestimmt wird. Im Zuge der Emanzipation von Frauen bezeichnet man mit diesem Begriff die Unterdrückung, Verdrängung, Abwertung von Frauen in der Gesellschaft.

Pergament

(abgeleitet von der für ihre Pergamenterzeugung bekannten Stadt Pergamon) wird der Vorläufer des Papiers genannt, der aus bearbeiteter Tierhaut hergestellt wurde. Das Pergament löste den Papyrus als Schreibmaterial ab, da es haltbarer war und zudem mehrmals neu beschrieben werden konnte: Mit einem Messer wurde dafür die oberste Schicht abgekratzt. Wenn mehrere Lagen zugeschnittener Pergament-Blätter in der Mitte gefaltet und zusammengeheftet wurden, entstand ein sogenannter Codex.

Pessach

(auch: Passa): jüdisches Fest zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten. Es beginnt mit dem Sederabend. Auf die Frage des jüngsten Kindes »Warum ist diese Nacht ganz anders als andere Nächte?« antwortet der Vater mit der Erzählung (Haggada) vom Auszug aus Ägypten. Verschiedene Speisen auf dem Tisch erinnern an die Gefangenschaft und die Befreiung. Es heißt im Judentum: »Jeder soll sich so verstehen, als sei er selbst aus Ägypten befreit worden.« Das Pessachfest war zur Zeit Jesu eines der drei großen Wallfahrtsfeste und war für Jesus der Anlass, nach Jerusalem zu gehen, wo er gekreuzigt wurde. So ist Pessach auch der Ursprung der christlichen Kartage und des Osterfestes.

Petit, Philip

französischer Hochseilartist, wurde 1974 durch einen illegalen Drahtseilakt auf einem Hochseil zwischen den Türmen des World Trade Centers in New York City weltbekannt.

Pfingstkirchen

(häufig auch mit eher abwertendem Ton als Pfingstler, Pfingstlerkirchen bezeichnet) ist der Oberbegriff für die weltweit am schnellsten wachsenden christlichen Glau­bens­bewegungen, die besonders das Wirken des Heiligen Geistes betonen. Dessen Anwesen­heit und sein aktives Wirken in den Gläubigen wird in der Regel anhand bestimmter Erfah­rungen, wie z. B. erfolgreiche Heilungen, Zungen­reden oder ekstatisches Tanzen festgemacht. Diese Erfah­rungen weisen zugleich die Durchführenden als Bevollmächtigte aus, die mit bestimmten Geist­gaben ausgestattet sind (Charismatisch). Bei aller Abgrenzung der Pfingstkirchen von den etablierten Kirchen und der eher geringen Rolle des Recht­ferti­gungs­glaubens leiten sie sich selbst von der Reformation ab. Ihr Name verweist auf Pfings­ten, wo nach biblischer Darstellung in Apg 2 den Jüngern der Heilige Geist verliehen wurde.

Pflichtgebet

(Salat): Im Islam gilt die Verrich­tung des Pflichtgebets als der wichtigste Teil der Verehrung Gottes. Es wird fünfmal am Tag zu bestimmten Zeiten verrichtet. Das Gebet besteht aus mehreren Zyklen von Körperhaltungen und im Wortlaut festgelegten Worten bzw. Koranversen. Ein Muslim reinigt sich vor dem Gebet rituell und betet an einem sauberen Ort, z. B. auf einem Gebetsteppich. Das Gebet beginnt im Stehen. Mit erhobenen Händen wird der Lobpreis »Allahu akbar« (Gott ist groß) und mit verschränkten Armen die 1. Sure gesprochen; anschließend verbeugen sich die Beten­den und ehren Gott in Lob und Segenssprüchen. Dann knien sie sich völlig nieder und berühren mit Stirn und Nase die Erde zwischen ihren Händen. Abschließend verharren die Betenden noch für einen Moment sitzend, die Hände auf den Oberschenkeln ruhend, bevor sie sich wieder aufrichten. Am Ende des Gebetes können im Stehen noch private Bitten an Gott gerichtet werden. Freie Gebete werden aber eher selten formuliert.

Pharao

(eigentlich: großes Haus, Palast) ist der Titel der ägyptischen Herrscher. Der Pharao wurde als Sohn des Sonnengottes und Schöpfers Re verehrt und galt selbst als göttliches Wesen. Ihm gehörte das Land, er bestimmte über alle Menschen, die dort lebten (Religion, ägyptische).

 

Pharisäer

Die Bezeichnung kommt vermutlich von hebr. paroschim und bedeutet »die genau Unterscheidenden«; ihnen war wichtig, die Tora ganz genau einzuhalten, etwa was den Schabbat oder die Speisegebote betraf, und alles Unreine zu vermeiden, also koscher zu leben. Das bedeutete, dass sie sich auch von der römischen Besatzungs­macht und ihrer Kultur konsequent fernhielten; jedoch lehnten sie den gewaltsamen Wider­stand ab. Die Pharisäer betonten die Wichtigkeit des Tora-Lernens und des Streitgesprächs – viele unter ihnen waren ausgezeichnete Schriftgelehrte, die kritisch miteinander umgingen, wenn es um die Frage ging, welche Art von Lebensführung am ehesten dem Willen Gottes entspreche. Obwohl die Pharisäer im Neuen Testament vielfach sehr negativ dargestellt werden (zum Beispiel Mt 23,13 ff), stehen sie in vieler Hinsicht den Lehren Jesu nahe und werden auch an einigen Stellen positiv erwähnt (z. B. Lk 13,31, Joh 3,1 ff.). Gerade die kritische Auseinanderset­zung um Glaubensfragen zeigt, dass Jesus sie als ernsthafte Gesprächspartner geschätzt hat. Auf der Grundlage der Lehren der Pharisäer beruht noch heute das gesetzes­treue Judentum.

Philosophie

(griech. Liebe zur Weisheit): eine Art Grundlagen-Wissenschaft, die auf methodisch reflektierte Weise versucht, die Welt und das menschliche Leben zu verstehen und zu deuten und dabei auch den Blick darauf lenkt, wie Erkennen oder Verstehen überhaupt möglich sind. Im antiken Griechenland erlebt die Philosophie eine Blütezeit: berühmte Philosophen waren z.B. Sokrates, Platon und Aristoteles.

Pontius Pilatus

stammte wohl aus niederem römischen Adel. Er war in den Jahren von 26 bis 36 n. Chr. Präfekt (Statthalter) des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa und hatte unter seinen Zeitgenossen den Ruf, schonungslos und brutal zu sein. Er sah in Jesus vermutlich eine beim einfachen Volk beliebte Führerpersönlichkeit, die von einigen Nach­folgern als »König der Juden« bezeichnet wurde. Nur er als Präfekt durfte ein Todesurteil aussprechen. Obwohl er also die letzte Verant­wortung für die Kreuzigung Jesu trug, wurde er später in den Evangelien zunehmend sympathisch dargestellt und die Juden für Jesu Tod verantwortlich gemacht – einer der Gründe für die jahrhundertelange Verfolgung der Juden. (Antisemitismus)

Priester

Die Aufgaben der Priester Israels waren vor allem an den Tempel und die dortigen Opfer gebunden. Zweimal im Jahr kamen sie turnusgemäß dorthin und verrichteten ihren Dienst. In ihren Heimatorten waren sie als Richter, Schrei­ber oder Toralehrer tätig. Wie die Leviten gingen auch die Priester auf den Stamm Levi zurück, sahen sich aber als direkte Nach­fahren Aarons (Moses älteren Bruder, der der erste Hohepriester war). Neben dem Tempel­gottesdienst und den Opferriten kam ihnen auch die Unterscheidung zwischen rein und unrein zu (koscher). Den einmaligen Höhepunkt im Leben eines Priesters stellte die Auslosung zum Rauchopfer dar, da der Priester hierbei den Bezirk des Heiligen hinter dem Tempelvorhang betreten durfte.

Prophet

Ein Prophet tritt mit dem Anspruch auf, im Namen Gottes zu sprechen. Oft beginnt seine Rede mit: »So spricht der Herr« (»Botenformel«). Der Prophet vertritt das Recht Gottes (die Tora) wie ein Anwalt. Deshalb beobachtet er, was im öffentlichen Leben geschieht, prangert begangenes Unrecht an und benennt, was für Folgen es haben wird. Er sagt also weniger etwas »vorher«, sondern mehr etwas »offen heraus«. In Zeiten großer Not haben Propheten auch getröstet und Rettung angesagt.

Provinzen

Palästina war zur Zeit Jesu eingeteilt in die Bezirke Judäa, Samaria, Gau­la­nitis, Trachonitis, Batanäa, Galiläa und Peräa. Diese Landesteile waren mit Erlaubnis Roms unter den Söhnen Herodes’ des Großen aufgeteilt worden. Sie behielten also jüdische Herr­scher, die allerdings weitgehend von Rom abhängig waren. Nur Judäa mit der Hauptstadt Jerusalem wurde direkt der römischen Ver­wal­tung unterstellt und erhielt einen Präfekten. Zur Zeit des Todes Jesu war das Pontius Pilatus.

Psalmen

Das Psalmenbuch (Psalter) ist das biblische Gebet- und Gesangbuch jüdischer und christlicher Gemeinden. Es stellt eine Sammlung unterschiedlicher Lieder darunter anderem von Hymnen, Dankliedern, Bittpsalmen und Klagepsalmen. In Hymnen und Dankliedern wird Gott als Schöpfer der Welt und als Retter aus der Not gepriesen. Klagepsalmen bestehen in der Regel aus dem Anruf Gottes, der eigentlichen Klage – einer Schilderung der eigenen Not, wie z. B. Krankheit und Anfeindungen durch andere Menschen, und einer Bitte an Gott. Viele Klagepsalmen geben der Gewissheit Ausdruck, dass das Gebet von Gott erhört werden wird. Bekannte Beispiele sind etwa Ps 3, Ps 22 und Ps 69. Fast die Hälfte der 150 Psalmen trägt die Überschrift: »Ein Psalm Davids« oder »Von David« (zum Beispiel auch Psalm 23). Bei einigen Psalmen wird zusätzlich auch noch ein Ereignis aus Davids Leben genannt, in dessen Zusammenhang David den Psalm gedichtet und gesungen haben soll. Historisch ist es unwahrscheinlich, dass diese Psalmen tatsächlich von David stammen, da Psalmen Lieder sind, die im Rahmen von Gottesdiensten im Tempel gesungen wurden. Dieser wurde aber erst von Davids Sohn Salomo erbaut.