Lexikon

Kaaba

arabisch: Würfel) ist das Hauptheiligtum im Islam und trägt den Beinamen »Haus Gottes«. Architektonisch handelt es sich um ein Gebäude in Mekka, in das ein schwarzer Stein (Hadjar al-Aswad), ein Meteorit, eingebaut ist. An der Kaaba wurden schon in vorislamischer Zeit Stammes­götter verehrt, Muhammad bezog ihre Widmung auf Allah und »reinigte« aus seiner Sicht damit insofern die Kaaba, als sie nur noch einem Gott gewidmet war. Heute ist sie Hauptziel der Hadjj / Hadsch / Hajj.

Kanaan

wird in der Bibel das Land genannt, das die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten erobern; für sie bedeutet es das von Gott verheißene »gelobte Land«. Es umfasst ungefähr den Bereich des heutigen Staates Israel und die Landschaften östlich und westlich des Jordans.

Kanon

(griech.: Richtschnur): Zusammenstel­lung der von der Kirche anerkannten Schriften der Bibel. Bis 350 n. Ch. wurde der Kanon des Alten Testaments auf der Basis des Tanach festgelegt; ca. 400 n. Chr. stand der Kanon des Neuen Testaments fest.

Karl V.

(1500–1558) ist der Kaiser, zu dessen Regierungszeit sich die Auseinandersetzungen um Martin Luther und die Reformation abspielten. Aus der Familie der Habsburger stammend, hatte er die Landesherrschaft über das habsburgische Österreich (die er an seinen Bruder Fer­di­nand übertrug), die Herrschaft über die spanischen Länder (mit Ausnahme Portugals) sowie über Süditalien mit Sizilien und Sardinien. Nach dem Tod seines Großvaters Maximilian, des deutschen Kaisers, wurde Karl von den Kurfürsten 1519 zum deutschen König gewählt. Ständige militärische Auseinander­setzungen (in fünf Kriegen zwischen 1521 und 1556) mit Frankreich und ein Dauerkonflikt mit dem Papst (unter anderem wegen der Herrschaft in Italien) bestimmten sein Handeln auch in der Religionsfrage. Zudem gab es einen gefährlichen Krieg im Osten: Das Os­manische Reich eroberte Serbien und Ungarn und näherte sich der Reichshauptstadt Wien, die 1529 von den Türken belagert wurde. Karl V. versuchte, die Reformation in Deutschland gewaltsam zu unterdrücken oder wenigstens die Pro­testanten zu einem Kompromiss mit der katho­lischen Kirche zu zwingen. Aus machtpolitischen Interessen sah er sich aber lange Zeit zu Kompromissen mit den reformationsbereiten Fürsten gezwungen. 1530 wurde er von Papst Clemens VII. zum Kaiser gekrönt.

Katechismus

nennt man eine Darstellung und Erklärung der christlichen Glaubensinhalte, vor allem zum Zweck der Lehre. Katechismen haben ihren Ursprung in der mündlichen Unterweisung der Taufbewerber. Bekannt wurden vor allem die beiden Katechismen Martin Luthers von 1529. Der Kleine Katechismus sollte ursprünglich der Weitergabe des Glau­bens innerhalb der Familie dienen. In der Form von Fragen und Antworten erläutert er die Zehn Gebote, das Glaubens­bekenntnis (Credo), das Vaterunser, die Taufe und das Abendmahl. Als Bestandteil der lutherischen Bekenntnis­schrif­ten ist der Kleine Kate­chismus im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt. Der Große Katechis­mus richtet sich an Pfarrer. Der wichtigste Katechismus der evangelisch-reformierten Kirche ist der Heidelberger Katechismus (1563).

Kierkegaard, Soeren

(* 1813, † 1855), dänischer Philosoph, Schriftsteller, Theologe, der vielfach als Begründer der Existenzphilosophie gesehen wird.

King, Martin Luther

(* 15. Januar 1929, † 4. April 1968): Der amerikanische Pfarrer Martin Luther King ist die wichtigste Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Diese kämpfte gewaltlos für die Gleichstellung der Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft. Mittel dieses gewaltlosen Widerstands waren neben dem Nicht­einhalten ungerechter Gesetze Demonstra­tionen, Boykotts und Sitzstreiks. Das rednerische Geschick Martin Luther Kings hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Proteste tatsächlich gewaltlos blieben und dass 1964 schließlich ein Gesetz erlassen wurde, das die Rassentrennung verbot. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu diesem Erfolg war seine berühmte Rede »I have a dream«, die er im August 1963 bei einer Massendemonstration in Washington gehalten hat. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis /Tennessee erschossen.

Kirchenburgen

befanden sich im Mittelalter am höchsten Punkt der Stadt, mit doppelten Mauern, tiefem Graben, Türmen und Vorratsspeichern. Sie boten der Bevölkerung bei Angriffen und Belagerungen Zuflucht.

Kirchengemeinderat

ist die Bezeichnung für die Personen, die eine Kirchengemeinde in der evangelischen Landeskirche in Württem­berg und Baden leiten. In anderen Lan­des­kirchen heißt diese Kirchengemeinde­leitung z. B. Kirchenvorstand, Gemeindekir­chen­rat, Kirchgemeinderat, Presbyterium oder Ältes­tenkreis. Ihm gehören die von der Gemeinde gewählten Mitglieder und der Pfarrer/die Pfarrerin bzw. der Pastor/die Pastorin an. Da es in der evangelischen Kirche keine Unter­scheidung der Gläubigen in Priester und Laien gibt, ist jedes vollwertige Gemeinde­mitglied zur Mitwirkung an der Gemeinde­leitung aufgerufen, zum Beispiel indem es (meist ab 14 oder 16 Jahren) die Gemeinde­leitung wählt oder sich selbst zur Wahl stellt. In der katholischen Kirche liegt die Leitung einer Gemeinde u. a. beim Pfarrgemeinderat, in dem der Pfarrer allerdings eine stärkere Stellung (z. B. durch ein Einspruchsrecht) hat

Kirchentag

ist eine Bezeichnung für eine alle zwei Jahre stattfindende Großveranstaltung, die vor allem von christlichen Laien organisiert und durchgeführt wird. An ihr darf jeder teilnehmen. Es wird über Fragen des Glaubens und der Religion sowie über aktuelle politische Themen wie z. B. Umweltschutz und gerechte Wirtschaftsordnung informiert und diskutiert und es wird vor allem gemeinsam gefeiert.

Kirchenväter

sind Menschen, die sich in den ers­ten Jahrhunderten, als sich das Christentum ausbreitete, grundsätzliche Gedanken zum christlichen Glauben gemacht hat und dadurch entscheidend zur Ausbildung der christlichen Lehre beigetragen haben. Zu den bekanntesten gehören Augustinus, Tertullian, Hieronymus.

Kleiner Katechismus

Der 1529 von Martin Luther verfasste Kleine Katechismus sollte ursprünglich der Vermittlung des christlichen Glaubens innerhalb der Familie dienen. In Form von Fragen und Antworten erläutert er die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Taufe und das Abendmahl. Als Bestandteil der lutherischen Bekenntnisschriften ist der Kleine Katechismus im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt.

Konfession

(lat.: Bekenntnis) nennt man im allgemeinen Sprachgebrauch die Untergruppe einer Religion. So spricht man z.B. von römisch-katholischer, russisch- bzw. griechisch-orthodoxer, evangelisch-lutherischer und evangelisch-reformierter Kirche. Konfession im theologischen Sinn bezeichnet eine Zusammenfassung von wichtigen Glaubensinhalten.

Konfirmation

von (lat. confirmatio: Befestigung, Bekräftigung): Über die Taufe eines kleinen Kindes entscheiden die Eltern gemeinsam mit den Patinnen oder Paten. Mit der Konfirmation (meist im Alter von 14 Jahren) sagen die Konfirmandinnen und Konfirmanden selbst bewusst »Ja« zu ihrer Taufe. Im Konfirmandenunterricht beschäftigen sich die Jugendlichen mit dem christlichen Glauben, bereiten Gottesdienste vor und prüfen dabei für sich, ob sie der Kirche angehören wollen. In einem festlichen Konfirmationsgottesdienst werden die Konfirmandinnen und Konfirmanden eingesegnet. Die Kirche überträgt den Jugendlichen alle Rechte, die jedes Kirchenmitglied hat, und die Gemeinde verspricht, sich für die Interessen der Jugendlichen einzusetzen.

Könige in Israel

Nachdem die Israeliten sess­haft geworden waren, waren sie zunächst ein lockerer Verband von Stämmen unter Lei­tung ihrer jeweiligen Familien- und Stammes­oberhäupter, der »Ältesten«. Bei Angriffen von außen verbündeten sich die Stämme zur Ver­teidigung. Als die Bedrohung durch Angriffe der Philister immer mehr zunahm, machten die Stämme Saul zum König, um die Gefahr besser abwehren zu können. Nach dem Tod Sauls erhoben zunächst nur die Stämme des Südreichs (Juda) David zu ihrem König, im Norden regierte der einzige überlebende Sohn Sauls, Ischbaal. Als dieser ermordet wurde, baten auch die Nordstämme David, ihr König zu werden. Nach Davids Tod regierte sein Sohn Salomo über Israel. Als er starb, zerfiel Israel wieder in ein Süd- und ein Nordreich mit zwei Herrschern, die sich gegenseitig bekämpften

Konvertit

nennt man einen Menschen, der sein ursprüngliches religiöses Bekenntnis aufgibt und sich zu einem anderen bekennt, also z.B. vom Christentum zum Islam konvertiert. Auch wenn jemand zwischen christlichen Konfessionen wech­selt, spricht man von konvertieren.

Koran

(arab. Qur’an: Lesung) heißt das heilige Buch der Muslime, das nach muslimischem Glauben dem Propheten Muhammad in arabischer Sprache zwischen 610 und 632 durch den Engel Gabriel offenbart wurde. Der Koran besteht aus 114 Suren (Abschnitten), die der Län­ge nach angeordnet sind. Am Anfang von 113 Suren steht die Basmala (bzw. Bismillah): »Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barm­herzigen«. Auch im Alltag wird sie häufig verwendet. So werden z. B. Ansprachen, Refe­rate, Widmungen oder Briefe mit ihr eingeleitet.

Korczak, Janusz

(vermutlich *1878 in Warschau), war polnischer Arzt, Schriftsteller und ein bedeutender Pädagoge, der für seinen Einsatz für die Kinder und ihre Rechte weltberühmt wurde. Er begleitete 200 Kinder seines jüdischen Waisenhauses in das Vernichtungslager Treblinka, wo er 1942 starb.

koscher

(hebr.) bedeutet »rein« nach der Halacha. In der jüdischen Küche werden koschere und unreine (trefe) Speisen unterschieden. So darf man nach 3. Mose 11 und 5. Mose 14,3–21 bestimmte Tiere, z. B. Schwei­ne, Hasen, Schalentiere, Tintenfische u. a. nicht essen; man darf kein Blut (als Sitz des Lebens) verzehren, daher werden Tiere geschächtet (so geschlachtet, dass sie völlig ausbluten). Man darf nach 5. Mose 14,21 »das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen«, d. h. man trennt milchige und fleischige Speisen, benutzt in vielen religiösen Haushalten sogar unterschiedliches Geschirr für beides. Es gibt auch neutrale Lebensmittel, z. B. Eier und Gemüse, die mit beidem kombiniert werden können. Die Beachtung der Speiseregeln ist für Juden in einem nichtjüdischen Umfeld oft schwierig. Bei einem Essen im Gasthaus oder beim Kauf von Fertigprodukten weiß man meist nicht, welche Zutaten verwendet wurden. In Deutschland gibt es in allen größeren Städten Läden mit koscheren Lebensmitteln.

 

 

Kreuzweg

Im 14. Jahrhundert führten in Jerusalem Franziskanermönche Pilger an Lei­dens­stätten Jesu. Nach ihrer Heimkehr bildeten diese die Kreuzweg-Stationen nach. So entstanden schließlich 14 Stationen von Jesu Leidens­weg (fünf davon ohne Entsprechung im Text der › Evangelien): 1. Verurteilung zum Tode, 2. Aufnahme des Kreuzes, 3. der erste Fall unter dem Kreuz, 4. Begegnung mit seiner Mutter, 5. Simon von Cyrenes Hilfe beim Tragen des Kreuzes, 6. Veronika reicht Jesus das Schweiß­tuch, 7. der zweite Fall unter dem Kreuz, 8. Begegnung mit den weinenden Frau­en, 9. der dritte Zusammenbruch unter dem Kreuz, 10. Be­raubung der Kleider Jesu, 11. Jesus wird ans Kreuz genagelt, 12. Tod am Kreuz, 13. Abnahme vom Kreuz und Bettung in den Schoß seiner Mutter, 14. Grablegung des Leichnams Jesu. In der Passionszeit beten vor allem Katholiken Kreuzwegandachten, indem sie die dargestellten Stationen gemeinsam abgehen, an ihnen beten und sich mit dem Leiden Jesu auseinandersetzen. In diesem Leiden sehen sie aber auch die Not aller Menschen und nehmen diese in ihr Gebet auf.

Kruzifix

(lat. crucifixus: gekreuzigt) nennt man eine künstlerische Darstellung des gekreuzigten Christus.

Kurie

Die Römische Kurie (lat. curia: Rat[haus], [Gerichts-]Hof, Senatsgebäude) ist für die Leitung und Verwaltung der gesamten katholischen Kir­che zuständig.