Lexikon

Baal

(Herr, Gott) ist eine altorientalische Regen- und Fruchtbarkeitsgottheit, die in Kanaan vor der Einwanderung der Israeliten verehrt wurde. Auch später war der Baalskult für die Israeliten immer wieder attraktiv, was die Propheten aufs Schärfste kritisierten. Das Symbol für Baal ist der Stier; auch in der Geschichte vom Goldenen »Kalb« spiegelt sich die Auseinandersetzung mit der Baalsver­ehrung.

Babylon

(hebräisch: Babel) war die Hauptstadt Babyloniens und ist heute eine Ruinenstadt im Irak. Unter Nebukadnezar II. wurde sie zur Weltstadt ausgebaut. Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschaft konnten Anfang des 20. Jahrhunderts Teile der Stadt freilegen, u. a. das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße, den Tempelbezirk des Marduk, den babylonischen Tempelturm und vielleicht Teile der berühmten hängenden Gärten.

Baptisten

(von griech. baptizein: eintauchen, taufen): Mitglieder der größten evangelischen Frei­kirche; sie wurde im 17. Jahrhundert in Eng­land gegründet und breitete sich besonders in den USA aus; in Deutschland leben 84.000 getaufte Bap­tisten in 836 Gemeinden. Wichtiges Kenn­zei­­chen dieser Kirche sind Erwachsenentaufe, Auto­ri­tät der Heiligen Schrift, demokratische Kirchen­struktur und Trennung von Kirche und Staat.

Bar Mizwa / Bat Mizwa

(hebr.: Sohn / Tochter des Gebotes): Die Begriffe bezeichnen die Reli­gionsmündigkeit jüdischer Jugendlicher, die Jungen mit 13 Jahren und Mädchen mit 12 erlangen. Der Junge wird zum ersten Mal aufgerufen, öffentlich im Gottesdienst die Tora zu lesen; er zählt von nun an mit bei der für das Zustandekommen eines Gottesdienstes nötigen Mindestzahl von zehn Männern. Ob Mädchen und Frauen zur Toralesung aufgerufen werden, ist in den verschiedenen jüdischen Richtungen unterschiedlich. Im Anschluss an den Gottesdienst wird die Bar / Bat Miwza in der Familie festlich begangen.

Barock

Eine Epoche der Kunst, die sich im 17. und 18. Jahrhundert in Werken der Architektur, Malerei, Musik und Literatur zeigte. So sind auch viele Kirchen nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) im Barockstil erbaut. Sie sind häufig prächtig mit Gold und Marmor ausgestattet und wirkten auf die damaligen Menschen wie ein Stück Himmel auf Erden. Kennzeichnend für eine Barockkirche sind runde Grundformen, große, unbemalte Glasfenster, üppige Verzierungen aus Stuck (Masse aus Gips, Kalksteinmehl, Sand und Wasser), unzählige Putten (kleine, meist nackte Kinderengel mit oder ohne Flügel) und großflächige Deckengemälde.

BasisBibel

bezeichnet eine Bibelübersetzung aus den Originaltexten, die von Fachleuten vorgenommen wurde. Außer in gedruckter Form gibt es sie als App (fürs Smartphone), als PC- oder Internet-Version und als Hörbuch. Zum Teil sind dann Zusatzinformationen zu Begriffen oder Bildern aufrufbar. Außerdem sollen kurze Sätze und klar gegliederte Abschnitte eine Hilfe zum Lesen am Bildschirm sein.

Bauernkrieg

Als Deutscher Bauernkrieg wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz bezeichnet. Die Bauern trugen im 16. Jahrhundert eine große Last: Adel und Geist­lichkeit lebten von ihrer Arbeitskraft, die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten, stiegen ständig an. Wirtschaftliche Probleme, häufige Missernten und der große Druck der Grundherren führten immer mehr Bauern in die Leibeigenschaft. Die sich ständig verschlech­ternde Situation der Bauern war Ursache für viele regionale Aufstände. 1524 / 25 entstanden einige Schriften der Bauern, in denen sie eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse forderten. Am bekanntesten waren die »Zwölf Artikel der schwäbischen Bauern«. Sie beinhalteten unter anderem: die Abschaffung der Leib­eigen­schaft, Rückgabe des gemeinschaftlichen Ei­gen­­tums und des Gemeindewaldes an die Bauern, Wiederherstellung der alten dörflichen Jagd- und Fischereirechte, Reduzierung der Fron­dienste und der Abgaben, freie Pfarrerwahl der Gemeinden, Verbesserung der Recht­sprechung. Schon 1525 wurden die Aufstände niedergeschlagen. Schätzungen zufolge haben allein dadurch etwa 100.000 Bauern ihr Leben verloren. Die überlebenden Aufständischen fielen automatisch in Reichsacht und verloren damit alle ihre staatsbürgerlichen, privaten und Lehnsrechte – sie waren somit vogelfrei. Die Anführer wurden mit dem Tod bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände mussten die Strafgerichte der Landesherren fürchten, die zum Teil sehr grausam waren. Ganzen Gemeinden wurden Rechte aberkannt, weil sie die Bauern unterstützt hatten.

Ben-Chorin, Schalom

(geb. Fritz Rosen­thal, * 1913 in München, gest. 1999 in Jeru­salem), jüdischer Journalist und Religionsphilosoph, der sich in seinen Schriften für die Überwindung des Antisemitismus und für einen jüdisch-christ­lichen Dialog eingesetzt hat. Besonders bekannt ist sein Buch »Bruder Jesus«.

Berliner Mauer

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die innerdeutsche Grenze auch mitten durch die Stadt Berlin. Während Ostberlin die Hauptstadt der DDR war, gehörte Westberlin zur Bundesrepublik Deutschland, obwohl es von DDR-Gebiet umschlossen war. In den ersten Jahren flohen aufgrund der wirtschaftlich schlech­ten Situation und der zunehmenden Ein­­schrän­kung von Freiheiten immer mehr DDR-Bürger in den Westen. Darum wurde am 13. August 1961 zunächst ein Stacheldrahtzaun errichtet. Später wurde eine Betonmauer gebaut und von einem »Todesstreifen« umgeben. Bei Fluchtversuchen starben an der Berliner Mauer viele Menschen

Bibel in gerechter Sprache

bezeichnet eine moderne Bibelübersetzung. Die Herausgeber sehen sie als Ergänzung zu anderen Übersetzungen: Sie legt besonders Wert auf eine gleichberechtigte Nennung von Männern und Frauen, wenn dies von der Sache her möglich ist. Außerdem möchte sie Gott gerecht werden, indem der Gottesname grau markiert ist, und durch viele abwechselnd gebrauchte Ersatzwörter (wie z. B. der/die Ewige, Adonaj, der/die Heilige, der/die Eine) vertreten wird, die so die Größe und Nicht-Festlegbarkeit Gottes andeuten. Zudem wer- den die alttestamentlichen Bücher nach der Reihenfolge des Urtextes, also der hebräischen Bibel, angeordnet. Im Neuen Testament soll in der Übersetzung deutlich werden, dass sich Jesus und seine Jünger und Jüngerinnen als Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft verstanden haben.

Bilderverbot

Das zweite Gebot alttestamentlicher Zählung (Ex 20,4) bezog sich ursprünglich auf die Verehrung fremder Gottheiten. In den Nachbarländern Israels wurden Götter z. B. in Gestalt von Stieren verehrt (darauf spielt die Geschichte vom »goldenen Kalb« an). Im Judentum, im Islam und in einigen christlichen Konfessionen, z. B. der Reformierten Kirche, wird dieses Bilderverbot ganz wörtlich befolgt. In der katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche wird das Bilderverbot übertragen verstanden: Es verbietet, Gott auf eine bestimmte Vorstellung festzulegen. Vgl. dazu auch die Zehn Gebote.

Bischof

ist in vielen christlichen Kirchen ein geistlicher Würdenträger, der die Leitung eines bestimmten Gebietes innehat, das zahlreiche Gemeinden umfasst. Katholische Bischöfe sind an der Mitra (Bischofshut), dem Bischofsring, Brustkreuz und dem Bischofsstab zu erkennen. Sie werden vom Papst ernannt. In den evangelischen Landeskirchen wird ein Landesbischof vom Kirchenparlament gewählt. Ihn erkennt man am goldenen Brustkreuz.

Bloch, Ernst

(* 1885, gest. 1977): deutscher Phi­lo­soph jüdischer Herkunft; als sein Hauptwerk und zugleich als Leitmotiv seiner Philosophie gilt das »Prinzip Hoffnung«. Er vertrat einen › Atheismus marxistischer Prägung, doch sah er in den biblischen Traditionen (z. B. in der Exodus­über­lieferung oder im Protest Hiobs) wichtiges Hoff­nungs- und Befreiungspotenzial.

Bodelschwingh, Friedrich von (jun.)

(* 1877; † 1946 jeweils in Bethel) war Pfarrer und Leiter der von seinem Vater gegründeten Von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. 1933 wurde er zum deutschen Reichsbischof gewählt, legte dieses Amt jedoch nieder, als die evangelische Kirche in Preußen von den National­sozialisten unter staatliche Aufsicht gestellt wurde. Vor dem Hintergrund der sog. Euthanasie – der Tötung als lebensunwert betrachteter Men­schen – wurde er entschiedener Gegner der Na­tio­nal­sozialisten und rettete viele geistig und körperlich behinderte Bewohner Bethels vor der Ermordung.

Bodelschwingh, Friedrich von (sen.)

(* 1831 in Tecklenburg; † 1910 in Bethel), war Pfarrer und seit 1872 Leiter der 1867 gegründeten Anstalten für Epilepsiekranke bei Bielefeld. Sein Ziel, durch seine Tätigkeit am Bau des Gottes­reiches mitzuarbeiten, wird auch im Namen der Anstalt deutlich, die seit 1874 »Bethel«, d. h. Haus Gottes, heißt. Durch gute Beziehungen und geschickte Mittelbeschaffung z. B. durch den gezielten Aufbau von sog. Pfennigvereinen zum Spen­den­sammeln, sorgte er für ein rasches Wachstum der Einrichtung, die bald zum größten Hilfswerk der Inneren Mission, also der diakonischen Einrichtungen der evangelischen Kirche in Deutschland, und in ihrer inneren Orientierung zum Modell für viele Fürsorgeeinrichtungen wurde. Beispiels­weise wurde durch Arbeitstherapie das Selbst­wert- und Gemeinschaftsgefühl der Kranken gestärkt und der Kontakt zu Gesunden gefördert. Heute sind die nach ihm benannten von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel mit ihren Einrichtungen im Bereich der Alten-, Behin­derten- und Jugendhilfe, des Hospiz­dienstes, der Psychiatrie und der Behandlung von Menschen mit Hirnschädigungen die größte diakonische Ein­richtung in Europa und führend in der Be­handlung und Erforschung der Epilepsie.

Bolschewismus

eine radikale revolutionäre Richtung des Kommunismus unter der Füh­rung Lenins. Mit der Revolution 1917 übernahmen die Bolschewisten die Macht in Russland, der Bol­schewismus wurde zur Staatsideo­logie der 1922 von den Bolschewisten gegründeten Union der Sozialistischen Sowjetrepub­liken (UdSSR). Vor allem die Nationalsozialisten (Nationalsozialismus) verwendeten »Bolschewismus« später als Kampfbegriff gegen sämtliche kommunistischen Parteien in Europa.

Bonhoeffer, Dietrich

(* 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg) war ein evangelischer Theologe, der sich im »Dritten Reich« aktiv am Widerstand gegen Adolf Hitler und dessen Diktatur (siehe Nationalsozialismus) beteiligte. Am 5. April 1943 wurde er deshalb verhaftet und kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Viele Menschen kennen sein Gedicht »Von guten Mächten wunderbar geborgen« (EG 65 und 637), das er im Gefängnis für seine Verlobte schrieb.

Bora, Katharina von

war die Ehefrau Martin Luthers. 1499 geboren, stammte sie aus einer Familie des sächsischen Landadels. Ihr Vater gab sie Ende 1504 zur Erziehung zunächst in ein Benediktinerinnenkloster, später in ein Kloster der Zisterzienserinnen. Dort erlernte sie lesen, schreiben, singen, etwas Latein und lernte die betriebswirtschaftlichen Abläufe der Landwirtschaft kennen. 1515 legte sie ihr Gelübde als Nonne ab. Bald darauf las Katharina mit ihren Ordens­schwestern die ersten Schrif­ten Martin Luthers. Sie beschlossen gemeinsam aus dem Kloster zu fliehen und baten dafür Martin Luther um Hilfe. Ostern 1523 gelang die Flucht. Da die Frauen nicht nach Hause zurück konnten, brachte Luther sie in Wittenberg bei Freunden unter und vermittelte ihnen »ehrenwerte Männer«. 1525 heirateten Katharina und Martin Luther. Von den sechs in den Jahren 1526 bis 1534 geborenen Kindern starben zwei früh. Katharina prägte als überaus tüchtige Hausfrau, Gärtnerin, Bäuerin, Wirt­schaf­terin, Bierbrauerin, Imkerin und Gastge­be­rin eines offenen Pfarrhauses das Bild der evangelischen Pfarrfrau bis heute. Martin Luther schätzte und liebte seine Frau sehr und setzte sie in seinem Testament viel weitreichender als seine Erbin ein als zur damaligen Zeit üblich und zulässig. 1552 starb sie, sechs Jahre nach ihrem Mann.

Buber, Martin

(* 1878 in Wien, gest. 1965 in Jerusalem) war ein bedeutender jüdischer Religionsphilosoph, der sich in seinen Schriften mit der Religion und Geschichte des Judentums befasste und zusammen mit Franz Rosenzweig eine moderne Übersetzung der hebräischen Bibel verfasste. Er trat für ein friedliches Zusammen­leben in Palästina ein.

Buchdruck

wird Mitte des 15. Jahrhunderts vor allem von Johannes Gutenberg erfunden. Der Buchdruck löst das mühsame Abschreiben in den Klöstern ab und ermöglicht die rasche Verbreitung von Luthers Schriften und seiner deutschen Bibel.

Buchholz, Quint

(*1957) ist ein bekannter deutscher Illustrator und Buchautor, dessen Werke in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden und zahlreiche Preise erhalten haben. Er illustrierte auch viele Kinder- und Jugendbücher wie etwa »Sofies Welt«. 2010 erschien »Die Bibel in Bildern von Quint Buchholz«. Hierfür hat er teils schon zuvor gemalte Bilder mit bestimmten biblischen Geschichten verknüpft, teils neue Bilder gemalt. Sein Ziel ist es, einen Raum zu öffnen und zu eigenen Entdeckungsreisen durch die Geschichten der Bibel anzuregen.

Bund

Die Bibel erzählt, dass Gott mit den Menschen eine Beziehung eingeht, sich mit ihnen verbindet. Das Alte Testament berichtet von Bundesschlüssen Gottes mit einzelnen Menschen: mit Noah, Abraham, Mose und David. Die Propheten klagen die Menschen an, dass sie diesen Bund immer wieder brechen, doch sie machen auch Hoffnung auf einen »neuen Bund« (Jer 31,31–34). Christen sehen diese Hoffnung in Jesus Christus erfüllt (Neues Testament = Neuer Bund).

Bundeslade

(auch: Lade Gottes): Nach Ex 25 war die Bundeslade ein vergoldeter Kasten aus Akazienholz, der an zwei Stangen getragen wurde. Auf ihrem Deckel standen zwei goldene Cheruben (Wächterengel). Im Inneren der Bundeslade befanden sich die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Für die Israeliten war die Lade ein Zeichen für die Anwesenheit Gottes. Sie wurde von David nach Jerusalem gebracht und später von Salomo im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt. Wahrscheinlich ging sie mit der Plünderung Jerusalems durch die Babylonier verloren.

Bürgerrecht, römisches

Wenn man das römische Bürger­recht innehatte, durfte man wählen, sich selbst wählen lassen und war zum Kriegs­dienst verpflichtet. Es schützte ferner vor einer harten Rechtssprechung. Insofern kam es auch dem Apostel Paulus zugute.

Bush, George W.

war 2001–2009 Präsident der USA. In seine Amtszeit fielen die Terror­anschläge des 11. September 2001 und – als Reak­tion darauf – Kriege in Afghanistan und im Irak.