Theodizee

(Kunstwort aus griech. theos: Gott und dikaios: gerecht, Rechtfertigung Gottes) versucht eine gedankliche Auflösung des Wider­spruchs zwischen dem Glauben an den einen allmächtigen und gütigen Gott auf der einen Seite und dem erfahrenen Leiden und Bösen in der Welt auf der anderen Seite. Die klassische For­mulierung des Widerspruchs lautet: Ange­sichts des Leidens in der Welt kann ein gütiger Gott nicht allmächtig oder ein allmächtiger Gott nicht gütig sein. In der Neuzeit versuchte der Philosoph Leibniz eine Lösung, indem er diese Welt als die beste aller möglichen Welten voraussetzte. Die­sem Versuch widersprach Immanuel Kant auch unter dem Eindruck des katastrophalen Erd­bebens von Lissabon 1755, bei dem bis zu 100.000 Menschen umkamen: Die Rechtfertigung Gottes ist »die Sache unserer anmaßenden, hierbei aber ihre Schranken verkennenden Vernunft«. Die gegenwärtige Theologie folgt eher Kant und verweist darauf, dass es nicht im Vermögen des Menschen liegen kann, Gott zu rechtfertigen. Der Glaube an Gott wird die Frage gar nicht beantworten wollen, sondern hütet sich vor zwei Ver­su­chungen: dem Leid einen vorschnellen Sinn geben zu wollen (und es darin nicht wirklich ernst zu nehmen) oder die Frage nach einem Sinn ganz aufzugeben (und darin zu verzweifeln oder zynisch zu werden).